Medien sollten zweimal überlegen, bevor sie Pekings Linie übernehmen

Von 2. April 2020 Aktualisiert: 3. April 2020 16:23
Die westlichen Medien in der Zeiten der Corona-Krise seien beunruhigend leichtgläubig, schreibt der kanadische Publizist Shane Miller. Er prangert ihr Desinteresse an, das wahre Ausmaß der Katastrophe in China zu beleuchten. Seine Analyse zeigt einmal mehr das Misstrauen der Menschen in die Massenmedien.

In der letzten Woche haben Nachrichtenagenturen wie die „New York Times“ und die „CBC“ erklärt, dass die Vereinigten Staaten nun Chinas Platz als „Epizentrum“ der Pandemie eingenommen haben. „Die USA führen jetzt die Welt in bestätigten Coronavirus-Fällen an“, lautete die Schlagzeile eines am 26. März veröffentlichten NYT-Artikels. Er umriss die Fehltritte, die angeblich die Verbreitung des Virus in ganz Amerika beschleunigt haben sollen. Die Reaktion Chinas wurde auch als ein „verspäteter Start“ bezeichnet, der bald mit „heftiger Intensität“ in die Bekämpfung des Virus umschlug – welches nun durch „drakonische Maßnahmen eingedämmt wurde“.

Eine Schlagzeile der „CBC“ lautet: „Kanadas Nachbarn sind jetzt das Epizentrum einer globalen Pandemie. Lesen Sie, was der US-Anstieg bedeutet“. Ein Artikel, der die möglichen Auswirkungen aufzählt, die von Kanadas Cousin – dem Land mit den „am meisten gemeldeten Fällen“ auf der Welt – ausgehen. Andere „CBC“-Berichte kauen die höchst zweifelhafte Behauptung Pekings wieder, keine neuen bestätigten Fälle in der vergangenen Woche in Wuhan zu verzeichnen, sowie dass die Mehrheit der neuen Fälle im Land von Reisenden aus dem Ausland „importiert“ wurde.

Diese neue Art des zeitgenössischen Journalismus offenbart einen beunruhigenden Mangel an kritischem Denkvermögen. Leicht hinterfragbare Behauptungen von Propagandisten der Kommunistischen Partei Chinas werden ungefiltert wiedergegeben.

Der Artikel der „New York Times“ schreibt Chinas „verspäteten Start“ der Unterdrückung von Informationen zu, geht dabei jedoch nicht auf die Einzelheiten dieser Unterdrückung ein und lobt stattdessen die Eindämmungsbemühungen des Regimes.

Angesichts der Handhabung der Krise durch die KP Chinas und ihrer anfänglichen Reaktion auf den Ausbruch – welche die Verbreitung des Virus auf der ganzen Welt ermöglichte – könnte man erwarten, dass Reporter Quellen heranziehen, um diese Behauptungen zu hinterfragen.

Es ist weder schwer noch mühsam, Informationen zu finden, die darauf hindeuten, dass in China etwas anderes abläuft als die von einigen westlichen Journalisten propagierte Rückkehr zur „Normalität und Stabilität“.

Der britischen Presse zufolge haben Wissenschaftler gegenüber Premierminister Boris Johnson erklärt, dass die Zahl der bestätigten Fälle in China (etwa 81.000) möglicherweise um das 15- bis 40-fache höher liegt. Dies wird durch die Berechnung von „Radio Free Asia“ untermauert.

Dem Bericht zufolge haben die sieben größten Bestattungsunternehmen in Wuhan insgesamt etwa 42,000 Urnen an Familien verteilt, was bedeutet, dass das chinesische Regime gelogen hat, als es die Zahl der Todesfälle in der Stadt auf 2.500 bis 3.000 festlegte.

Neben dem unterdrückten und inzwischen verstorbenen Arzt Li Wenliang, ist da auch noch Ai Fen aus Wuhan, die einem chinesischen Magazin ein Interview gab. Darin gab sie weitere Einblicke in die aufwendigen Bemühungen des Regimes, den Ausbruch zu vertuschen und diejenigen zu bestrafen, die versuchten, andere darüber zu informieren. Das Interview wurde bald von der Zeitschrift und von Social-Media-Seiten entfernt, Internetnutzer konnten es kopieren und veröffentlichen Screenshots davon.

Trotz dieser leicht zu findenden Sammlung vernichtender Details haben einige westliche Journalisten „Chinas Modell“ gepriesen – als etwas, von dem man lernen kann. Sie akzeptierten unkritisch die Behauptungen des Regimes und einer kompromittierten Weltgesundheitsorganisation (WHO). Dabei werden tatsächliche Erfolgsgeschichten wie die im isolierten Taiwan, die ein Beispiel dafür sind, was eine offene, durch eine robuste zivile Kultur verankerte Gesellschaft erreichen kann, bequemerweise vernachlässigt.

Die Berichterstattung über den Ausbruch zeigt in vielen Fällen ein Interessendefizit, das die Medien durchdringt. Die Tendenz, sich kurzsichtig auf den amerikanischen Präsidenten und den ihn umgebenden Hype zu konzentrieren, haben dazu beigetragen.

Lange bevor die vom KPCh-Virus verursachte Pandemie in unser Leben eindrang, gab es im Westen bereits das Gefühl, dass grundlegende Institutionen der Gesellschaft zunehmend geschwächt wurden. [Anmerkung der Red.: Die Epoch Times bezeichnet das neuartige Coronavirus, das die Krankheit COVID-19 verursacht, auch als KPCh-Virus, weil die Vertuschung und das Missmanagement der Kommunistischen Partei Chinas es dem Virus ermöglichten, sich in ganz China auszubreiten und eine globale Pandemie zu verursachen. Mehr dazu: Leitartikel: Dem Virus den richtigen Namen geben]

Die Medien sind eine Institution, die vor allem wegen ihrer anscheinenden Inkompetenz zu einem zentralen Objekt des Zorns der Bürger geworden ist. Laut einer Gallup-Umfrage aus dem vergangenen Jahr sind „Amerikaner nach wie vor größtenteils misstrauisch gegenüber den Massenmedien“. Die Daten zeichnen ein erbärmliches Bild: Nur 41 Prozent geben an, dass sie darauf vertrauen, dass die Nachrichten der Medien fair und korrekt berichten.

Zu der Zeit als COVID-19 gerade begann, China zu überschwemmen, stellte das diesjährige Edelman-Trust-Barometer [Anm. d. Red.: jährliche Studie zu Vertrauen in Regierungen, Nichtregierungsorganisationen (NGOs), Wirtschaft und Medien] in Kanada fest, dass das Vertrauen in die Institutionen um drei Prozent gesunken ist, wobei rund 57 Prozent der Befragten angaben, dass die von ihnen verwendeten Medien nicht vertrauenswürdige Informationen enthielten.

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In Zeiten der Coronakrise werden einer Zehn-Länder-Studie (darunter auch Deutschland) zufolge die Hauptnachrichtenkanäle „fast doppelt so stark genutzt, wie die Online-Seiten der globalen Gesundheitsorganisationen (z.B. WHO) oder nationaler Gesundheitsorganisationen (z.B. CDC). Insgesamt geben 74 Prozent an, dass sie sich um die Verbreitung gefälschter Nachrichten und Falsch-Informationen über das Virus sorgen.“

Somit wären zuverlässige Quellen und wahrheitsgetreue Berichterstattung in diesen Zeiten umso wichtiger. Ein großer Teil des Schadens am öffentlichen Vertrauen in die Massenmedien ist jedoch hausgemacht. Die Reportage über den KPCh-Virus zeigt einmal mehr, dass es sich um eine Schwätzerklasse handelt, die aus einigen der Leichtgläubigsten und Uninteressiertesten unter uns besteht.

Shane Miller ist ein politischer Autor mit Sitz in London, Ontario. Folgen Sie ihm auf Twitter @Miller_Shane94

Das Original erschien in The Epoch Times (deutsche Bearbeitung von rm)
Originalartikel: Media Should Think Twice Before Parroting Beijing’s Line

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