Demonstration in Wien: „Freiheit, Friede, Grundrechte“

Von 30. November 2021 Aktualisiert: 30. November 2021 18:37
„Friede, Freiheit, keine Diktarur“ skandieren die Demo-Teilnehmer in Wien. Den Protestierenden geht es am 20. November vor allem gegen die Einführung der angekündigten allgemeinen Impfpflicht und die in ihren Augen überzogenen Maßnahmen der Regierung. Ein Ausflug in die Hauptstadt Österreichs zeigt das Geschehen vor Ort und die Meinung der Protestler über die Handhabung der Pandemie durch die Politik.

Wien, Samstag, 20. November 2021, 11:30 Uhr – die groß angekündigte Corona-Demo steht in den Startlöchern. Es ist ein sonniger Tag, mit gefühlten 15 Grad im Schatten.

In Österreich verliefen die letzten Tage turbulent – Lockdown für Ungeimpfte, Gesamtlockdown in zwei Bundesländern, danach die Ankündigung zum bundesweiten Lockdown samt angekündigter Impfpflicht in der Alpenrepublik ab 1. Februar im nächsten Jahr.

Ob geimpft oder ungeimpft, die Stimmung der Menschen im Land war in den vergangenen Wochen merklich angespannt. Die einen sorgten sich ob der Ansteckungsgefahr und der steigenden Corona-Inzidenz, die anderen sahen ihre Freiheit und Grundrechte wegen der angekündigten Impfpflicht für alle bedroht. Vor allem Letztere sind an diesem Tag auf die Straße gegangen.

„Immer wieder Österreich“

Am Burgring tauchen bereits die ersten Demo-Teilnehmer auf. „Immer wieder, immer wieder, immer wieder Österreich“ ist zu hören. Kuhglocken, Hupen, Trompeten, Österreich-Fahnen und Menschen in Tracht sind unsere ersten Eindrücke. Parolen werden gerufen: „Friede, Freiheit, keine Diktatur“, sowie weniger freundliche Rufe in Richtung Regierung.

Auch auf dem Maria-Theresien-Platz haben sich Protestler eingefunden. Ein Weihnachtsmarkt hat noch geöffnet – bevor er am Montag wieder schließen muss. Menschen trinken Punsch und essen Kuchen. Im Bereich vor dem Museum wird kontrolliert – noch dürfen in Wien Museen mit einem 2G-Nachweis besucht werden.

100 Meter weiter befindet sich der Heldenplatz, wo um 12 Uhr die Kundgebung beginnen soll. Hier sind die Hofburg – der Sitz des Bundespräsidenten – und in unmittelbarer Nähe das Bundeskanzleramt angesiedelt. Das Parlament ist auch nur einen Katzensprung entfernt.

10.000 Teilnehmer waren vorab angekündigt worden. Im Moment ist die Personenzahl noch überschaubar. Aber abwarten. Das Bild gestaltet sich hier schon etwas bunter. Ein breiter Farbtopf an Menschen, die mit der Corona-Politik des Landes nicht einverstanden sind. Junge, Alte, Alternative, Kleine, Dicke, Große – kurz ein normales Abbild der Gesellschaft. Die Bereitschaftspolizei patrouilliert den Platz in kleinen Teams.

Großer Teil der Demo-Teilnehmer ist gegen die allgemeine Impfpflicht

Ein Mathematikprofessor aus Oberösterreich erzählt, dass er bereits zum zweiten Mal auf einer Corona-Demo in Wien ist. Ihm „reicht die Corona-Politik der Regierung schon lange“. Er selbst hatte schon zweimal Corona, ist jedoch gegen die Impfpflicht für eine Krankheit, „die er gar nicht mehr spüre“. Außerdem spalte die Impfpflicht die Gesellschaft. Eine Aussage, die man noch öfter an diesem Tag hören wird. Die Pandemie habe riesige Risse in der Gesellschaft, sowie innerhalb der Familien hinterlassen. Die Medien hätten nur die Panik unter den Menschen befeuert.

Ein italienischer Journalist erklärt im Interview, dass er sich wegen der verfahrenen Situation in Zentraleuropa Sorgen macht. Sowohl in Italien als auch in Österreich sehe man zunehmend die Tendenz von „Hatespeech“ gegenüber Impfunwilligen. Er fühle sich an die 30er-Jahre erinnert und befürchtet, dass auch „diesmal“ Italien Österreich nachzieht und eine generelle Impfpflicht einführt.

Am Heldenplatz kommt es unterdessen zu kleinen Eskalationen. Man muss nur den Rufen und „Pfui“ der Menge folgen, um zu verstehen, was gerade passiert. Ein junger Mann wird abgeführt, der Grund ist nicht ersichtlich, lediglich das Eingreifen der Polizei. Prompt stellen sich Polizisten im zweistelligen Bereich zwischen die Demonstranten und versuchen die Lage unter Kontrolle zu halten und zu deeskalieren.

Man hört immer wieder Buh-Rufe, als die Polizei über Lautsprecher die Menge darüber informiert, dass FFP2-Maskenpflicht bei der Kundgebung herrscht. Wer sich nicht daran halte, werde zur Anzeige gebracht. Rund die Hälfte der Teilnehmer trägt eine Maske, geschätzt. Außerdem ist zu hören, dass zur Beweissicherung Ton und Bildaufnahmen gemacht werden, um potenzielle Straftäter ausfindig machen zu können. Postwendend folgt auch auf diese Ansage eine Reaktion der lautstärkeren Teilnehmer unter den Demonstranten.

Auch Zugereiste aus dem Ausland demonstrieren hier

Viele Fahnen sind zu sehen. Nicht nur die Österreichs. Italienische und Rumänische zählen neben der Einheimischen zu den am meisten geschwenkten Flaggen im Demo-Teilnehmer-Meer. Dazu prägen Plakate mit Bildern aus der Regierung und gegen die Impfpflicht die Szenen. Laute Musik und Lautsprecherdurchsagen der Demonstranten sind zu hören. Kurz darauf starten vor dem Äußeren Burgtor am Ring die ersten Reden. Hier kommt die FPÖ zu Wort. Der Kärntner Akzent des Sprechers ist unüberhörbar.

Die Rede ist von Freiheit, Grundrechten und Demokratie. Aber auch gegen den „Impfzwang“ und eine „Diktatur“. Man appelliert an friedlichen Widerstand gegen den „Corona-Wahnsinn“ und dankt der Wiener Polizei für ihren Einsatz. Die Menge applaudiert. Unweit des Museumsquartiers sieht man einen kleinen Umzug. Wieder sind Kuhglocken zu hören und zudem die Tiroler Landesflagge. Weiß gekleidete Menschen – in scheinbar sterile Schutzanzüge gekleidet – marschieren unisono zum Trommelschlag mit Kuhglocken um den Hals. Man könnte meinen, sie sollen den geforderten blinden Gehorsam der Menschen durch die Politik nachahmen.

Eine junge Teilnehmerin erzählt, dass sie gegen die Corona-Maßnahmen und den verhängten Lockdown der Regierung sei. Sie sei hier für die Grund- und Menschenrechte der Geimpften und Ungeimpften. „Sie sollen uns Menschen Mensch sein lassen“, sagt sie. Verordnungen und Maßnahmen sollten nur im Rahmen der Verfassung erlassen werden. Sie sei traurig darüber, wie sehr das Thema die Gesellschaft, allen voran die Familien spalte.

Eine friedliche Demo – Junger Mann spricht sich für Neuwahlen aus

Auf der Ringstraße wird es lauter. Ein Umzug in Richtung Staatsoper ist zu sehen. Ein junger Mann wünscht, ein Interview geben zu dürfen. Maximilian ist 17 Jahre alt und gegen den Impfzwang. Er selbst ist doppelt geimpft und nun enttäuscht, da der Lockdown trotz Kurz’ Versprechen „Die Pandemie ist für die Geimpften vorbei“ jetzt auch ihn treffe. „Kompletter Bull****!“, so der junge Mann. Er appelliert an die Regierung: „Lasst jeden Menschen selbst frei entscheiden, ob er sich impfen will oder nicht!“ Außerdem positioniert er sich gegen den neuen, „nicht vom Volk gewählten“ Bundeskanzler Schallenberg, der „die Linie Kurz“ weiterführe und spricht sich für Neuwahlen aus.

Einen Passanten, der die Demo durchquert, hört man auf Spanisch mit seiner Mutter telefonieren: „Ja, hier ist eine Demo in Wien, der ‚Antivax‘– verläuft friedlich.“ Diese Aussage trifft zu.

Auf dem Weg den Ring entlang Richtung Rathausplatz und Burgtheater sind keine Demonstranten zu sehen. Lediglich Polizeipräsenz und Absperrungen. Der Polizist bejaht die Frage, ob der Demozug hier entlang laufen wird.

Auf der Höhe der Universität hört und sieht man die Menschenmenge in der Ferne mit Transparenten. Es ist etwa 15 Uhr, die Luft wird kühler, die Sonne ist untergegangen und es wird in absehbarer Zeit dunkel. Der Umzug verläuft nicht im Kreis – wie die Auslegung der Ringstraße suggerieren würde –, sondern von A nach B. Er ist breit aufgestellt. Hier sind die angekündigten Menschenmassen zu sehen. Den Videoaufnahmen nach zu urteilen, sind zwischen 80- bis 100.000 Menschen vor Ort.

Bundesheer, Polizei und Ärzte unter den Protestierenden

Unter den Demonstranten geben sich verschiedenste bekennende Gruppierungen zu erkennen. Die Bundesheergewerkschaft FGÖ, „Polizisten für Grund- und Freiheitsrechte“ sowie „Studenten stehen auf“. Ärzte,  Gesundheits- und Pflegepersonal halten ebenfalls Transparente. Einige Autos, mal größer, mal kleiner, mit verschiedensten Aufschriften, Bannern und Botschaften sind Teil der Parade.

Eine junge Passantin sieht sich das Geschehen an, wir sprechen sie an, um vielleicht eine Stimme gegen die Demonstrationen einzufangen. Doch auch sie unterstützt den Protest und ist gegen eine Impfpflicht. Sie selbst hatte schon Corona, fühlte sich jedoch gezwungen, sich impfen zu lassen, um am gesellschaftlichen Leben wieder teilnehmen zu können. Sie hat mit Nebenwirkungen der Impfung zu kämpfen, mit denen sie langsam fertig werde, erzählt sie.

Doch ihr Motto, genauso wie das einer weiteren jungen Dame, die wir nach ihr interviewen, ist „My body, my choice“. Frauen sollten selbst entscheiden, wie sie mit ihrem Körper umgehen und ob sie sich impfen lassen oder nicht. Keine Regierung sollte sich hier einmischen.

Zurück am Heldenplatz erfährt man, dass Vermummte versucht haben sollen, die Polizei zu provozieren und zu attackieren. Um welche Gruppierung es sich handelt, kann man nicht genau sagen. Jedoch scheint die Polizei die Lage wieder im Griff zu haben.

Solidaritätskundgebungen mit Österreich im Ausland

Zu der Demonstration kamen nicht nur Österreicher, sondern auch viele Zugereiste aus dem Ausland. Gleichzeitig fanden in mehreren Städten Deutschlands und Europas Solidaritätskundgebungen mit Österreich statt. In Frankfurt gab es den „Langen Marsch für Solidarität mit Österreich“. Laut Polizeiangaben sollen 1.500 Leute teilgenommen haben. Ziel der Demonstration war das österreichische Konsulat.

In Hamburg fand die Demo für „Solidarität und Freiheit für Österreich“ statt. Dazu gesellten sich ein Dutzend weiterer deutscher Städte. In der Hauptstadt Sloweniens, in Paris, Luxemburg, London und anderen Städten protestierten Menschen vor den österreichischen Botschaften.

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