Die britische Nationalflagge vor dem Big Ben in London.Foto: Jack Taylor/Getty Images

„Don’t Pay UK“: Britische Initiative fordert zur Nichtzahlung von Energierechnungen auf

Von 9. August 2022 Aktualisiert: 9. August 2022 19:30
Um die Regierung zu Maßnahmen gegen die Energiepreis-Explosion zu bewegen, will die Initiative „Don’t Pay UK“ eine Million Menschen dazu bewegen, ihre Stromrechnung nicht zu bezahlen. Vorbild ist die Kopfsteuer-Revolte der 1980er. Kritiker warnen vor Konsequenzen.

Mit einem Aufruf zur massenhaften Zahlungsverweigerung will die Initiative „Don’t Pay UK“ in Großbritannien die Regierung zu Maßnahmen gegen die explodierenden Energiekosten zwingen. Mehr als 93.000 Personen hatten mit Stand vom Dienstagmorgen, 9. August, zugesagt, sich an der Initiative zu beteiligen – eine Million Teilnehmer will das Bündnis mindestens erreichen.

Don’t Pay UK“ strebt mehr als eine Million Zahlungsverweigerer an

Die Initiative weist darauf hin, dass immer mehr Haushalte nicht mehr in der Lage sein werden, ihre Rechnungen für Strom und Gas zu bezahlen. Sie fordert die Regierung dazu auf, bis zum 1. Oktober wirksame Maßnahmen zu ergreifen, um die Energiepreise wieder auf ein erträgliches Maß zu reduzieren. Sollte dies nicht geschehen und die Kampagne mindestens eine Million Unterstützer erreichen, werde man von diesem Tag an seine Rechnungen für Strom und Gas nicht mehr bezahlen.

Vorbild für die Initiative sei, so analysiert Finanzexperte Martin Lewis gegenüber der Plattform „Chronicle live“, der breite Widerstand gegen die Kopfsteuer („Poll Tax“), die Premierministerin Margaret Thatcher Ende der 1980er-Jahre auf Vorschlag des Umweltministeriums durchgesetzt hatte.

Die Maßnahme führte damals nicht nur zu teils gewalttätigen Protesten und Unruhen in mehreren Teilen des Landes. Die Mobilisierung der Poll-Tax-Gegner war zum Teil auch erfolgreich, weil viele Kommunen aufgrund der großen Zahl an Zahlungsverweigerern nicht mehr in der Lage waren, die Kopfsteuer einzutreiben. Noch vor den Wahlen des Jahres 1992 wurde die Poll Tax durch eine kommunale Ratssteuer und eine Erhöhung der Mehrwertsteuer ersetzt.

Großbritannien bezieht nur geringen Anteil seines Erdgases aus Russland

Wie der „Guardian“ berichtet, rechnet das Beratungsunternehmen Cornwall Insight damit, dass die Jahresrechnung eines britischen Durchschnittshaushalts für Strom und Gas bis Oktober auf 3.358 Pfund (knapp 3.974 Euro) steigen wird. Im Vergleichsmonat des Jahres 2021 lag der Wert noch bei 1.400 Pfund (ca. 1.657 Euro).

Erdgas leistete im Vorjahr mit 39,1 Prozent den wesentlichsten Beitrag zur britischen Energieversorgung – deutlich vor der Kernenergie mit 19,2 Prozent. Großbritannien gehört zu den vehementesten Unterstützern der Ukraine im Konflikt mit Russland.

Anders als die EU (40 Prozent) ist das Vereinigte Königreich mit vier Prozent in deutlich geringem Maße von russischen Gaslieferungen abhängig. Allerdings importieren die Briten neun Prozent ihres Öls und 27 Prozent ihrer Kohle aus der Russischen Föderation.

NGOs warnen vor Gegenmaßnahmen der Energieversorger

Die britische Regierung und gemeinnützige Organisationen warnen unterdessen davor, sich an der Kampagne „Don’t Pay UK“ zu beteiligen. Von einer „höchst unverantwortlichen Botschaft, die letztlich nur die Preise für alle anderen in die Höhe treibt und die persönliche Kreditwürdigkeit beeinträchtigt“, spricht ein Regierungssprecher gegenüber dem „Independent“.

Die NGO „Stepchange“ warnt vor Maßnahmen der Energieanbieter gegenüber Verweigerern, die von der Einschaltung von Inkassobüros über erzwungene Prepaid-Modelle bis hin zur Entfernung von Messgeräten oder der Unterbrechung der Versorgung reichen können. Letzteres geschehe „glücklicherweise […] unglaublich selten“, erklärt Sprecher Richard Lane.

Wer Probleme beim Bezahlen seiner Rechnungen habe, solle stattdessen „seinen Anbieter rechtzeitig informieren, um eventuell einen Zahlungsplan auszuhandeln“.



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