In England herrscht eine regelrechte Grooming-Epidemie.Foto: iStock

Grooming-Epidemie in England: 19.000 Kinder sexuell missbraucht – „Hochkarätige Fälle“ meist von Pakistani verübt

Epoch Times3. Januar 2020 Aktualisiert: 3. Januar 2020 20:34
Schon vor Jahren hatte Sammy Woodhouse, selbst Vergewaltigungsopfer, davor gewarnt, dass sich eine "Epidemie des Missbrauchs" ausbreiten würde. Das Schlimmste sei, dass die meisten Betroffenen nicht einmal wissen würden, dass sie Opfer sexueller Ausbeutung seien, betonte sie. 

„Zu oft hat die Regierung gesagt, dass sie ‚Lehren ziehen‘ werde“, erklärte Sarah Champion, Abgeordnete aus Rotherham in South Yorkshire gegenüber „The Independent“. Tatsache sei jedoch, dass im vergangenen Jahr 19.000 Kinder sexuell ausgebeutet wurden, fünf Jahre zuvor waren 3.300 Kinder betroffen – so die offiziellen Zahlen.

Die Regierung habe es auf „einzigartige Weise“ versäumt, dieses Problem direkt anzugehen. Ihr Ansatz sei „bruchstückhaft und unterfinanziert“, wirft die Abgeordnete Champion der Regierung vor.

Bereits im Jahr 2018 versprach der damalige britische Innenminister und ehemalige Deutsche Bank-Manager Sajid Javid eine Untersuchung der sogenannten „Grooming-gangs“. Wörtlich übersetzt bedeutet das Wort „grooming“ vorbereiten. In der Fachliteratur bezieht es sich auf die Planung eines sexuellen Missbrauchs. Die „hochkarätigen Fälle“ würden meist von Männern mit „pakistanischer Herkunft“ verübt. Zudem könnten auch „kulturelle Gründe“ beim grooming eine Rolle spielen, teilte Javid mit.

Kindesmissbrauch-Serie im englischen Rotherham

Sammy Woodhouse wurde im Alter von 14 Jahren von Arshid Hussain in Rotherham missbraucht. „Mit Geschenken und billigem Alkohol umwarb sie ein Mann, viele Jahre älter als sie. Irgendwann schlief sie mit ihm“ , berichtete die „Welt“ damals.

Anfangs geschah alles freiwillig. Später war das Opfer dem Mann ausgeliefert und wurde schließlich schwanger – mit nur 15 Jahren. Das Mädchen wollte ihr Kind behalten und flüchtete. Doch immer wieder stellte ihr ihr Peiniger nach. Dann gelang es Woodhouse, Kontakt zu Journalisten von „The Times“ aufzunehmen. „Mad Ash“ , wie ihr Vergewaltiger bezeichnet wurde, flog auf.

Damals waren sechs Männer und Frauen wegen massenhaften Kindesmissbrauchs zu teilweise jahrzehntelangen Gefängnisstrafen verurteilt worden. Das 40-jährige Oberhaupt der Bande bekam eine Haftstrafe von 35 Jahren. In der Zeit von 1997 bis 2013 waren den Vergewaltigern bis zu 1.400 Kinder und Jugendliche zum Opfer gefallen.

Noch immer erhält Woodhouse Berichte über Missbrauch aus unterschiedlichen Regionen des Landes. Sie wirft den Behörden vor:

Du hörst diesen Bullsh*t, dass man die Lehren daraus gezogen hätte, aber sie haben überhaupt nichts gelernt“.

Die höchste Zahl der Kindesmissbräuche wurde in Lancashire (624) gemeldet, gefolgt von Birmingham (490), Surrey (447), Bradfort (414) und Gloucestershire (409). Die Gesamtzahl der Opfer in Leeds und dem benachbarten Bradford, wo die Untersuchungen nach der Verurteilung von neun Mitgliedern der Grooming-Gang Anfang des Jahres noch andauern, sei mit 648 am höchsten.

Kindesmissbrauch in Deutschland

Schon vor Jahren hatte Woodhouse davor gewarnt, dass sich eine „Epidemie des Missbrauchs“ ausbreiten würde. Das Schlimmste sei, dass die meisten nicht einmal wissen würden, dass sie Opfer sexueller Ausbeutung seien, betonte sie. Die meisten Betroffenen würden keine Anzeige erstatten und einfach abtauchen. Doch nicht nur in Großbritannien, weltweit, auch in Deutschland gibt es immer wieder Menschen, die sich an Kindern vergreifen.

Es kommt sogar vor, dass Eltern direkt ihre Kinder zum Missbrauch freigeben, wie beispielsweise die „Badische Zeitung“ 2018 berichtete. Durch anonyme Hinweise hatten Ermittler einen Pädophilenring zerschlagen. Polizeisprecherin Laura Riske erklärte in einem Interview, dass die 47-jährige Mutter ihren neunjährigen Sohn selbst im Internet angeboten hatte.

Der Fall Lüdge, der einen über hundertfachen Missbrauch von Kindern auf einem Campingplatz ans Licht machte, erschütterte Deutschland Anfang 2019. Der Haupttäter, der seine Pflegetochter missbrauchte, hatte diese als Lockvogel für andere Kinder eingesetzt. Bei den Ermittlungen kam es zu Zwischenfällen.

So äußerte Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) sein Unverständnis darüber, dass das Jugendamt des Landkreises Hameln-Pyrmont einem Dauercamper, der als einer der Haupttäter im Missbrauchsskandal von Lügde gilt, ein kleines Mädchen zur Pflege überlassen hatte.

Wie ein Jugendamt überhaupt ein Kind zur Pflege in einen solchen Campingwagen geben kann, habe ich immer noch nicht verstanden. Da stimmt es in der Behörde offenbar hinten und vorne nicht“, sagte Reul.

„Nach Lügde ist Folgendes zu sehen: Es sind Fehler passiert, an verschiedenen Stellen. Und es gibt auch Gründe, kritisch nachzufragen. Wir wurden alle aufgeschreckt und jeder reflektiert auch bei sich mögliche Fehlerquellen“, sagt Karl Materla von der Bundesarbeitsgemeinschaft Allgemeiner Sozialer Dienst (ASD) laut „Aachener Zeitung“. Wichtig seien vor allem Qualifikationen der Mitarbeiter.

In dem Verfahren hatte das Landgericht Detmold den 56-jährigen Andreas V. wegen schweren sexuellen Kindesmissbrauchs zu 13 Jahre Haft verurteilt. Der 34-jährige Mario S. erhielt 12 Jahre Freiheitsstrafe. Derweil sind die Ermittlungen gegen die Polizisten und Jugendamtsmitarbeiter noch nicht abgeschlossen. Polizeibeamte war die Nutzung kinderpornografischen Materials vorgeworfen worden.

Organisation gegen Kindesmissbrauch

Eine besondere Gruppe, die sich gegen Kindesmissbrauch einsetzt, ist der internationale Verein B.A.C.A. – Bikers Against Child Abuse (Motorradfahrer gegen Kindesmissbrauch). Der Verein will ein sicheres Umfeld für missbrauchte Kinder schaffen und ihnen die Kraft geben, ohne Angst in dieser Welt leben zu können.

Der Verein B.A.C.A., der in Deutschland seinen Hauptsitz in Köln hat, arbeitet mit regionalen und staatlichen Kinderschutzorganisationen und Behörden zusammen. Auf seiner Website heißt es: „Wenn es jedoch die Umstände ergeben, dass wir als einziges Hindernis zwischen dem Kind und weiterem Missbrauch stehen, dann sind wir dieses Hindernis.“

(sua/dts)


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