Auf dem Tisch bei einem Stand bei der ISPO in München wurde ein Schild aufgestellt: „I came here from UK but not Wuhan, it`s safe!“ (zu Deutsch: Ich bin aus dem Vereinigten Königreich gekommen, nicht aus Wuhan, es ist sicher!)Foto: Epoch Times

Keine Schutzmaßnahmen, keine Masken – Messe in München: Situation mit dem Coronavirus „nicht so dramatisch“

Von 30. Januar 2020 Aktualisiert: 12. Februar 2020 9:30
Eine Epoch Times Reporterin war vor Ort bei der ISPO Messe in München und hat die Aussteller über den Ausbruch der Coronavirus-Pandemie befragt. Wie sind die Maßnahmen auf der Messe? Wie ernst nehmen die Aussteller die Gefahr?

„Die Chinesen sind sehr vorsichtig, sie wollen nicht so gerne mit den Medien sprechen“, berichtet eine Epoch Times-Reporterin nach ihrem Besuch auf der Münchener ISPO. Die meisten Aussteller, mit denen sie sprach, berichteten, dass die Besucherzahlen viel niedriger waren als im Vorjahr – zumindest in den C-Hallen, wo sich die meisten chinesischen Aussteller aufhielten.

Apotheken haben keine Schutzmasken

Die ET-Reporterin hat außerdem Apotheken in München besucht. Sie erkundigte sich wie viele Schutzmasken diese noch vorrätig hätten. „Eine Apotheke in der Nähe der Messe hatte noch FFP2-Masken vorrätig, andere Apotheken hatten gar keine Vorräte mehr. Eine Apothekerin sagte: ‚Die erforderlichen FFP2-Masken können gar nicht mehr nachbestellen werden‘,“ berichtet unsere Reporterin. In einer anderen Apotheke hat sie die Auskunft erhalten, dass die Schutzmasken ausverkauft seien und diese vor allem von Asiaten gekauft wurden. Eine Apotheke habe nun Schutzmasken aus Papier bestellt. „Die Apotheke in einem Einkaufszentrum nahe dem Messegelände hatte noch FFP3-Schutzmasken vorrätig.“ Experten raten: Als Vorsichtsmaßnahme solle man sich eine mindestens zweilagige Mund-Nasen-Schutz-Maske anschaffen, noch besser wäre eine FFP3-Maske mit Ausatmeventil.

Ein junger Mann in der Apotheke berichtete, dass er schon vor der Messe Schutzmasken bestellt habe. Er hätte gewusst, dass viele asiatische Aussteller kommen würden.

Aussteller aus Wuhan

Die ET-Reporterin sah sich vor allem die Halle C3 näher an. Die überwiegende Mehrheit der Aussteller dort waren Chinesen. Ein Aussteller erzählte ihr, dass in diesem Jahr ungefähr 70 Prozent weniger Besucher gezählt worden seien, wie in 2o19.

Der Reporterin zufolge gab es auf der Messe vier Stände mit Ausstellern aus Wuhan, die jedoch von anderen Städten übernommen worden seien. Vermutlich da die Aussteller wegen der Quarantäne in Wuhan, die seit dem 23. Januar besteht, nicht nach Deutschland reisen konnten. „Ein Stand aus Wuhan blieb leer“, berichtet die ET-Journalistin.

Praktisch keine Schutzmaßnahmen an der ISPO

Ein Aussteller aus Italien berichtete, vor Monaten in Wuhan gewesen zu sein. Der Mann erzählte, dass er seine Temperatur jeden Tag teste. „Ich würde gerne einen Test machen lassen. Aber sie [medizinisches Personal] haben gesagt, dass es nicht nötig ist einen Test zu machen, da ich gesund aussehe“. Doch falls „Probleme“ auftauchen solle er sich melden.

Bei einem anderen Aussteller aus Wuhan war eine Frau am Stand. Auf dem Tisch war ein Schild aufgestellt: „I came here from UK but not Wuhan, it`s safe!“ (zu Deutsch: Ich komme aus dem Vereinigten Königreich, nicht aus Wuhan, es ist sicher!) Auf der Rückseite des Schildes waren sogar Kopien der Zollamt-Dokumente, die zeigten, dass sie über eine längere Zeit nicht mehr in Wuhan war.

Die Frau hatte vier weitere Kollegen, die aus Wuhan kamen und eigentlich auch am Stand sein sollten. Die vier Personen konnten noch vor der Quarantäne von Wuhan nach Paris fliegen, aber die Ausstellerin hat ihnen aus Sicherheitsgründen geraten, im Hotel in München zu bleiben. Die Ausstellerin sagte den Mitarbeitern aus Wuhan, dass sie „nur selten rausgehen und nicht mit öffentlichen Verkehrsmittel fahren sollen“.

Keine Maske wegen Firmenimage

Ein Mann von einer taiwanesischen Firma sagte der ET-Reporterin: Die Mitarbeiter hätten zwar Angst, aber der Stand hätte nicht mehr abgesagt werden können. Eine Mitarbeiterin sagte: Je länger sie in München bei der Messe bleibe, desto gefährlicher sei es. Der Geschäftsmann aus Taiwan erklärte auch, dass sie keine Maske tragen würden, weil das „nicht gut aussieht“. Er sagte unserer Reporterin, dass er in der Innenstadt von München sehr viele Chinesen gesehen habe die Masken und Desinfektionsmittel gekauft hätten. Er habe Mitleid mit den Festlandchinesen, fügte er hinzu.

Chinesische Aussteller nehmen die Situation nicht ernst

„Chinesen tragen zwar die Masken, aber sie nehmen die Situation in Wuhan nicht so ernst. Sie finden es gut, wie die chinesische Regierung in Wuhan reagiert hat,“ berichtet die ET-Reporterin nach Gesprächen mit Festlandchinesen.

In China gibt es zu viele Leute. Es ist kein Problem, wenn mehr Leute sterben“, sagte ein Aussteller aus der Provinz Hebei.

Andere chinesische Aussteller zeigten sich jedoch beunruhigt, nachdem sie erfahren hatten, dass die Stände von den Ausstellern aus Wuhan, mit Personal aus anderen Ländern besetzt waren.

Aussteller aus Pakistan: „Wir beten, dass es bald endet“

Direkt neben einem chinesischen Stand war ein Aussteller aus Pakistan. Die pakistanische Firma kommt seit 10 Jahren zu der Messe in München. „Es ist die niedrigste Besucherzahl seitdem wir hierherkommen“, sagte der Aussteller.

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Unsere Reporterin fragte ihn, ob sein Unternehmen von den ersten Infektionsfällen in Deutschland gehört hätte – die rund 30 Kilometer vom Messegelände entfernt gemeldet wurden: „Ja, wir haben davon gehört,“ sagte er. Auf die Frage, ob er und seine Mitarbeiter Angst hätten, da sie direkt neben einem chinesischen Stand platziert waren, antwortete der Mann: „Ehrlich gesagt, wir haben Angst. Wenn wir auf die Toilette gehen, waschen wir und die Hände, aber es gibt leider keine Desinfektionsmittel dort.“

Wir sind ziemlich besorgt, weil unser Stand direkt neben dem chinesischen Stand steht und wir haben Angst, weil der Virus von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. Aber wir haben leider keine andere Wahl, wir müssen an unser Geschäft denken. Es ist in niemandem Hand, es ist ja eine nationale Plage, das kann keiner kontrollieren, nur Gott. Das hätte auch bei uns passieren können“, erzählte der Geschäftsmann aus Pakistan.

Er habe den Eindruck, dass die Chinesen sich fürchten würden. „Es ist nicht so, dass nur sie Angst haben, alle haben Angst. Wir beten, dass es bald endet. Wir hoffen das Beste“, sagte er.

Keine Informationen über Schutzmaßnahmen

Die ET-Reporterin hat während ihres Aufenthaltes in den Hallen keine Hinweise, Zettel oder Aushänge gesehen, die auf Schutzmaßnahmen, Anordnungen oder auf Kontrollen in Bezug auf den Virus hinweisen.

Eine Mitarbeiterin der Messe München hat unserer Reporterin erzählt, dass sie zwar ein Meeting über das Thema Coronavirus gehabt hätten, aber die Situation sei als „nicht so dramatisch“ dargestellt worden. Sie hätten Informationen bekommen, „aber es wurde betont, dass es nicht nötig ist Panik auszulösen“.

Andere Mitarbeiterinnen berichteten, dass ihnen geraten worden sei „Hände zu waschen und Körperkontakt zu vermeiden“. Sie betonten im Gespräch mit der ET-Reporterin jedoch sich „Sorgen“ zu machen.

Unsere Reporterin hat vor Ort auch mit anderen Journalisten gesprochen. Ein Kollege aus Köln berichtete ihr, dass er auf dem Messegelände nirgendwo Desinfektionsmittel gefunden hätte. „Die Mitarbeiter werden nur auf das Händewaschen hingewiesen, aber Desinfektion wird nicht angeboten,“ sagte er.

Andere Situation in Halle B

Unsere Reporterin hat auch die anderen Hallen besucht. In Halle B hat sie mit einem englischen Aussteller gesprochen. Die Mitarbeiterin dort sagte, ihnen wurde geraten die „C-Hallen zu meiden“, weil in diesen Hallen die meisten Aussteller aus China seien. Viele Messebesucher seien auch deswegen nicht in die C-Hallen gegangen, weil sie Angst gehabt hätten mit Chinesen in Kontakt zu kommen. Die Besucherzahl in Halle B sei laut der Mitarbeiterin ungefähr gleich geblieben, wie in den letzten Jahren. „Da gibt es keine Veränderung.“