Ein am 24. April 2015 aufgenommenes Bild zeigt das Gebäude der Europäischen Kommission in Brüssel.Foto: PHILIPPE HUGUEN/AFP über Getty Images

Vorwürfe wegen chinesischer Spionage werfen Schatten auf die maltesische Botschaft in Brüssel

Von 19. Mai 2020 Aktualisiert: 19. Mai 2020 19:07
Maltas Botschaft und Vertretung in Brüssel wurde für chinesische Spionage benutzt, behauptet die französische „Le Monde“. Das Gebäude liegt genau gegenüber dem Hauptsitz der EU-Kommission. Die Regierung Maltas bestreitet die Behauptungen.

Der belgische Geheimdienst beobachtet schon seit Längerem mit Sorge, dass China ein Gebäude in Brüssel dazu nutzt, die Institutionen der Europäischen Union abzuhören. Dies hat die französische Zeitung „Le Monde“ Mitte Mai veröffentlicht.

Das besagte Gebäude namens „Dar Malta“ beherbergt zurzeit die Botschaft von Malta und auch die Vertretung Maltas in der EU. „Es genießt also diplomatische Immunität“, schreibt die belgische „HLN“. Es befindet sich in der Archimedes-Straße (Rue Archimede) 25 in Brüssel – und damit direkt gegenüber dem Hauptsitz der EU-Kommission.

„Dar Malta“ wurde 2007 von China renoviert

Malta trat 2004 in die EU ein und kaufte wenig später das Gebäude in der Archimedes-Straße. „HLN“ zufolge wurde es 2007 auf Kosten von China und durch China renoviert. „Alles außer dem Betonskelett wurde ersetzt. An einigen Stellen gibt es gepanzerte Wände und kugelsicheres Glas“, schreibt die belgische Zeitung. Das Gebäude soll mit Kameras, Bewegungssensoren und anderen Geräten ausgestattet sein.

Laut Quellen von „Le Monde“ ist es bemerkenswert, dass ein so kleines Land ein Gebäude für seine Vertretung in Brüssel kaufte – statt es zu mieten. Noch dazu an einem so zentralen und teuren Ort. Viele größere Länder haben ihren Sitz etwas weiter von den EU-Institutionen entfernt in viel günstigeren Gebäuden, schreibt „Le Monde“.

Der belgische Geheimdienst hat eine andere Erklärung für den ungewöhnlichen Umgang mit „Dar Malta“.

Seit Anfang 2010 wirft die belgische Staatssicherheit der Botschaft von Malta vor, technische Mittel zu beherbergen, welche von den chinesischen Geheimdiensten installiert wurden. „Le Monde“ schreibt, der Grund für die hochmodernen Gerätschaften sei das Ausspionieren der EU-Institute. Die Information wurde damals von Belgiens Geheimdienstchef, Alain Winants, dem belgischen Außenministerium übermittelt.

Auf Anfrage von „Le Monde“ beschränkte sich der Sprecher des Außenministeriums darauf, zu erklären, dass er „an die strengste Vertraulichkeit über den Inhalt dieser Notizen und die daraus resultierenden Handlungen gebunden“ sei – ohne die Informationen zu leugnen.

Hochrangige Regierungsquellen in Malta bestreiten die Behauptungen

Laut „Malta Today“ bestreiten verschiedene hochrangige Regierungsquellen die Behauptungen. Der Bericht von „Le Monde“ könne eine Art „Vergeltung für den Rückzug Maltas aus der EU-Marine-Operation Irini“ sein.

Der ehemalige Ständige Vertreter bei der EU, Richard Cachia Caruana, der den Erwerb des neunstöckigen Gebäudes in der Rue Archimede beaufsichtigte, wies die Behauptungen zurück. „Das Gebäude war nach den höchsten Sicherheitsstandards ausgestattet und wurde regelmäßig vom maltesischen Sicherheitsdienst zertifiziert“, erklärte er „Malta Today“.

Der amtierende Vertreter von Malta, Daniel Azzopardi sagte, dass das Gebäude aufgrund vertraulicher EU-Dokumente vom Europäischen Rat gemäß EU-Recht streng geprüft wurde. „Wir hatten auch zwei interne Sicherheitsprüfungen, die erste gab dem Gebäude Entwarnung mit einer Reihe von Empfehlungen, die zweite Prüfung bestätigte, dass wir die Empfehlungen umgesetzt hatten“, sagte er gegenüber „Malta Today“.

„Malta Today“ zufolge bestehe Marlene Bonnici, eine ehemalige Vertreterin von Malta, darauf, dass „Dar Malta“ bereits 2014 geprüft und von Abhörgeräten befreit wurde.

Ein anderer ehemaliger Beamter, der 2007 über die Arbeiten an der Botschaft auf dem Laufenden war, teilte „Malta Today“ mit, dass Malta tatsächlich bestimmte Ausrüstungsgegenstände von der chinesischen Regierung bekommen hatte. Die Geräte „wurden in Malta vom maltesischen Sicherheitsdienst überprüft, dann wieder mit neuer Ausrüstung in Brüssel. Und dann gab es einen zweiwöchigen Zeitraum, in dem der Ort auf mögliche Abhörmaßnahmen überprüft wurde“, sagte er auf Anfrage von „Malta Today“.

Am Bau beteiligtes belgisches Bauunternehmen mit engen Beziehungen zu Chinas Regierung

„Le Monde“ zufolge gab es schon 2007 ähnliche Unterstellungen wegen Spionage. Dabei ging es um die Firma, welche die Renovierung an dem Gebäude vornahm, CIT Blaton. Laut der französischen Zeitung stehe CIT Blaton in enger Beziehung mit der chinesischen Regierung. Die gleiche Firma baute auch ein chinesisch-belgisches Technologiezentrum für 100 Millionen US-Dollar.

Heute verfügt das verkleidete Gebäude über zahlreiche Überwachungskameras und elektronische Ausweislesegeräte, wobei überall, auch in Aufzügen und Parkhäusern, Detektoren für menschliche Anwesenheit installiert sind, schreibt „Malta Today“. Die Leitung des CIT Blaton wies Fragen von „Le Monde“ zu der angeblichen Spionageausrüstung mit der Begründung zurück, dass sie sich damals nur um den Rohbau von „Dar Malta“ gekümmert hätten.

„Le Monde“ schrieb, dass die Belgier auch vom britischen Geheimdienst über die Präsenz der chinesischen Geheimdienste hinter den Botschaftsarbeiten alarmiert worden seien.

Maltas Regierung bestreitet die Behauptungen von „Le Monde“

In einer Erklärung beklagte die Regierung Maltas, dass „Le Monde“ in dem Artikel eine Reihe von falschen Behauptungen aufgestellt habe. Das „Dar Malta“ wurde durch verschiedene Prüfungen „aufgeräumt“, die Sicherheitssysteme haben sich in den letzten Jahren verbessert, steht in der Erklärung laut „Malta Today“.

„Die Regierung stellt klar, dass die Renovierungsarbeiten, die 2007 unter einer anderen Verwaltung am Standort der Ständigen Vertretung durchgeführt wurden, vor dreizehn Jahren auf Kosten der Regierung von Malta durchgeführt wurden. Es waren nur Möbel, die von der Regierung der Volksrepublik China gespendet wurden, um sie im Einklang mit den einschlägigen Sicherheitsverfahren in der Ständigen Vertretung zu installieren, wofür die Regierung weiterhin dankbar ist“, stellt die Regierung Maltas klar in der Erklärung.

„In dem Artikel werden verschiedene unzutreffende Behauptungen aufgestellt, dass diese Ausrüstung für illegale Zwecke verwendet wird. Die Regierung bestätigt, dass das Gebäude, in dem die Ständige Vertretung untergebracht ist, Gegenstand interner und externer Prüfungen war und dass das Gebäude für unbedenklich befunden wurde.“ Weiterhin weist die Regierung darauf hin, dass „80 Prozent der in dem Artikel erwähnten Möbel in den letzten zwei Jahren entsorgt und durch neue, aus Malta beschaffte Möbel ersetzt worden waren“.

„Es ist auch wichtig, klarzustellen, dass das Sicherheitssystem der Ständigen Vertretung in den letzten zwei Jahren überholt und verbessert wurde“, zitiert „Malta Today“ die Erklärung der Regierung Maltas.


Unterstützen Sie unabhängigen und freien Journalismus

Danke, dass Sie Epoch Times lesen. Ein Abonnement würde Sie nicht nur mit verlässlichen Nachrichten und interessanten Beiträgen versorgen, sondern auch bei der Wiederbelebung des unabhängigen Journalismus helfen und dazu beitragen, unsere Freiheiten und Demokratie zu sichern.

Angesichts der aktuell schwierigen Zeit, in der große Tech-Firmen und weitere Player aus dem digitalen Werbemarkt die Monetarisierung unserer Inhalte und deren Verbreitung einschränken, setzt uns das als werbefinanziertes Nachrichten-Portal unter großen Druck. Ihre Unterstützung kann helfen, die wichtige Arbeit, die wir leisten, weiterzuführen. Unterstützen Sie jetzt Epoch Times indem Sie ein Abo abschließen – es dauert nur eine Minute und ist jederzeit kündbar. Vielen Dank für Ihre Unterstützung!

Monatsabo ab 7,90 Euro Jahresabo ab 79,- Euro

Gerne können Sie EPOCH TIMES auch durch Ihre Spende unterstützen:

Jetzt spenden!


Kommentare
Liebe Leser,

vielen Dank, dass Sie unseren Kommentar-Bereich nutzen.

Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen, Schimpfworte, aggressive Formulierungen und Werbe-Links. Solche Kommentare werden wir nicht veröffentlichen. Viele Kommentare waren bisher schon anregend und auf die Themen bezogen. Wir bitten Sie um eine Qualität, die den Artikeln entspricht, so haben wir alle etwas davon.

Da wir die juristische Verantwortung für jeden veröffentlichten Kommentar tragen müssen, geben wir Kommentare erst nach einer Prüfung frei. Je nach Aufkommen kann es deswegen zu zeitlichen Verzögerungen kommen.

Die Kommentarfunktion wird immer weiter entwickelt. Wir freuen uns über Ihr konstruktives Feedback, sollten Sie zusätzliche Funktionalitäten wünschen an [email protected]


Ihre Epoch Times - Redaktion