Eine neue Gefahr: „German Angst“ lieferte die Deutschen an die Eliten aus – doch nun wachen die Menschen auf

Von 6. September 2018 Aktualisiert: 7. September 2018 14:45
Die „German Angst“, die größere Ängstlichkeit und Zögerlichkeit Deutscher, wenn es um Veränderungen geht, hat der etablierten Politik lange genützt. In letzter Zeit haben sich die Sorgen der Deutschen jedoch gewandelt – in einer Weise, die den Regierenden weniger gefallen dürfte.

Es ist ungewiss, worauf der Begriff der „German Angst“ tatsächlich zurückgeht. Das damit bezeichnete Phänomen selbst ist allerdings nicht nur eine klischeehafte Fremdzuschreibung aus dem anglo-amerikanischen Raum. Es lässt sich anhand von konkreten Zahlen nachweisen und anhand von Verhaltensweisen ergründen.

Die Auswertung des Unisys Security Index, einer halbjährlichen Umfrage zur nationalen, finanziellen, Internet- und persönlichen Sicherheit, zeigt für Deutschland regelmäßig deutlich höhere Punktewerte als für andere europäische Länder wie Großbritannien oder die Niederlande. Deutsche sehen mehr Bedrohungen und Risiken und bewerten diese als schwerwiegender als Bewohner anderer Staaten.

Im Privatleben zeigt sich die „German Angst“ unter anderem im Finanzgebaren eines großen Teils der Bevölkerung. Man versichert im Zweifel lieber ein Risiko mehr als weniger. Man lässt sein Geld trotz realen Wertverlustes auf dem Sparbuch, statt in Aktien zu investieren. Man reserviert am frühen Morgen mit Handtüchern die Liegestühle, um nicht leer auszugehen. Und man kauft Geigerzähler bei Aldi, wenn in Japan ein Atomkraftwerk beschädigt wird.

Altkanzler Helmut Schmidt erklärte im Jahr 2011: „Die Deutschen haben die Neigung, sich zu ängstigen. Das steckt seit dem Ende der Nazi-Zeit und Krieg in ihrem Bewusstsein.“ Vor allem politisch hat dies – verbunden mit Schuldgefühlen auf Grund der braunen Vergangenheit – folgenschwere Auswirkungen.

„German Angst“ war lange Lebensversicherung für Grüne

Für die Politik erwies sich die „German Angst“ fast als ein willkommenes Instrument zum Machterhalt. Das Trauma von 1945 verhalf der radikalen Linken ab 1968 zu einer umfassenden kulturellen Hegemonie, weil sie die Stigmatisierung Andersdenkender als „Nazis“ als wirksames Instrument nutzen, um diese in die Defensive zu zwingen und potenzielle Wähler abzuschrecken. Die bürgerliche Mitte konnte ihrerseits nur mit einer entgegengesetzten Angst-Strategie kontern, nämlich dass „der Russe kommen“ würde, sollten die Unionsparteien bedeutungslos werden.

Dass die Grünen in Deutschland trotz ihres demonstrativen nationalen Selbsthasses, ihrer Pädophilie-Skandale und ihren strikten Geboten und Verboten einen so großen Einfluss haben, hat ebenfalls mit spezifisch deutschen Schuldgefühlen und Angst zu tun. Ihre Ideologie zehrt schließlich von beiden Emotionen.

Der „Club of Rome“ erklärte bereits in den 1970er Jahren die gesamte Menschheit zum „Krebsgeschwür“ für die Erde. Damit nicht nur als Deutsche, sondern auch als Menschen an sich gebrandmarkt, ließ es sich eine apolitische und unsichere Bevölkerung eher einreden, sendungsbewussten linksradikalen Intellektuellen die Deutungshoheit zu überlassen, die genau wissen, was die neue „Moral“ gebietet.

Manche dieser Ideen mochten zwar abstoßend klingen, aber man hatte auch Angst, als „Spießer“ und damit als Vorstufe zum „Nazi“ bezeichnet zu werden, deshalb sagte man lieber nichts. Außerdem würde man die eigenen Kinder im Vorstadthäuschen mit Garten schon irgendwie vor solchen radikalen Vorstellungen und ihren Folgen abschirmen können. Man hatte ja auch einen Kredit laufen, da erregte man lieber keinen Anstoß. Und außerdem stellte man sich die Frage: Haben wir denn nicht wirklich mit unserem Wohlstand der Umwelt geschadet?

Waren es in den 1980er Jahren das Wettrüsten, die Atomkraft und apokalyptische Szenarien über das Ozonloch oder das Waldsterben, war in den 1990ern vor allem die Angst um den Sozialstaat prägend für das Antlitz der „German Angst“. Der Gedanke, Menschen nicht nur zu fördern, sondern sie auch zu fordern, ließ die im Unterbewusstsein verankerten Bilder ausgemergelter Gestalten und blutiger Straßenschlachten aus der Zwischenkriegszeit wieder emporkommen.

Von der „Klimakatastrophe“ bis zu Fukushima

Im Laufe der 2000er war dann die angeblich drohende „Klimakatastrophe“ in aller Munde, und als 2011 ein Seebeben in Japan und ein dadurch ausgelöster Tsunami ein Atomkraftwerk trafen, hielt es die Kanzlerin für geboten, eine ökonomisch geradezu wahnwitzige Energiewende übers Knie zu brechen. Alles, um den verängstigten Deutschen zu signalisieren, dass sie von nun an nie wieder Angst vor einem zweiten Fukushima haben müssten.

Die „German Angst“ ist eine Konstante, ihre konkrete Gestalt aber durchaus wandlungsfähig. Jüngst war es die R+V Versicherung, die erkunden wollte, wie sie sich heute zusammensetzt. Die größte Angst der Deutschen, die sie dabei erkundet haben will, entspricht dabei noch genau dem Bild des treuherzigen, braven Bundesbürgers, der irgendwie immer ein schlechtes Gewissen hat, um keinen Preis der Welt als altmodisch gelten will und sich von der „Tagesschau“ für gut informiert hält.

Demnach nennen 69 Prozent der Befragten eine „gefährlichere Welt durch die Politik von US-Präsident Trump“ für die größte Gefahr. Sie lesen richtig: Nicht die Mullahs, die an der Atombombe basteln. Nicht die Großmachtträume irgendwelcher islamistischer Potentaten. Nicht die Weltmachtambitionen von Macron oder Schulz. Gut, die wirken auch wirklich eher grotesk. Nein, Donald Trump, der Friedensstifter von Singapur. Wäre Hillary Clinton Präsidentin geworden, hätte selbst eine Neuauflage des Libyen-Abenteuers in Syrien nicht zum gleichen Ergebnis geführt.

Die Angst vor Donald Trump zeigt: Die Deutschen sind mehrheitlich immer noch brav und glauben, was ihnen gesagt wird. Der Appell an die Angst und das flaue Gefühl im Unterbewusstsein wirkt immer noch. Trump will grundlegende Änderungen im internationalen Gefüge. Er will ein System aus der Nachkriegszeit, das Amerika die schmeichelhafte, aber kostspielige Last hinterlassen hat, einzige Weltmacht zu sein, überwinden und Strukturen schaffen, in denen die USA auch in einer multipolaren Welt ihre Interessen wahren können.

Zielkonflikt und Realitätsschock

Für den treuherzigen deutschen Michel ist das aber nicht zumutbar. Irgendwie hängt man an dem System, wie es war. Auch wenn es sich in letzter Zeit immer weniger als effizient oder auch nur vertrauenswürdig erwies: Für Deutschland war es bequem, und man konnte gut darin leben.

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Deshalb will man im Grunde keine Veränderung. Aus Angst. Lieber das schlechte Gewohnte als das unsichere Unbekannte. Deshalb lassen sich die Deutschen auch immer noch ihre politischen Eliten gefallen. Weil aber der Gedanke, auf eine Geistesgröße wie Ursula von der Leyen angewiesen zu sein, sollte Trump tatsächlich nicht mehr für die Kosten für Deutschlands Verteidigung aufkommen, mit Fug und Recht befremdet, hat man Angst vor Trump.

Die Plätze nach Donald Trump hingegen sind für die politische Klasse in Deutschland eher ein Anlass zu tiefer Sorge. Die „German Angst“, bisher etwas, was den Etablierten nützte, scheint 2015 in einen unüberwindbaren Zielkonflikt mit dem Drang geraten zu sein, den Schuldkomplex der Vergangenheit durch eine besonders kompromisslose Tugendhaftigkeit zu überwinden. Für den treuherzigen Michel war dies jedoch – denkt man an Kandel, Wiesbaden oder Chemnitz – zunehmend mit einem Realitätsschock verbunden.

Nicht mehr der „menschengemachte Klimawandel“ und auch nicht Putin oder „die Rechten“ stehen jetzt auf Platz zwei der Ängsteliste, sondern die „Überforderung Deutschlands und seiner Behörden“, insbesondere im Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise. Dies nannten ganze 63 Prozent. Ebenso viele nannten „Spannungen durch den Zuzug von Ausländern“ als Anlass zur Angst.

Mit 61 Prozent nicht weit dahinter rangiert gleich die Angst vor einer „Überforderung von Politikern“. „Das ist für Deutschlands Politiker ein katastrophales Urteil“, erklärte Manfred G. Schmidt, Politologe an der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg und Berater der R+V, gegenüber der Zeitung „Die Welt“. Dazu komme ein generell schlechtes Ansehen der Politik.

In Schulnoten gemessen schneiden demnach sowohl Regierung als auch die systemische Opposition aus Linker, Grünen und FDP schlecht ab: „48 Prozent der Befragten bewerten die Arbeit der Politiker mit ‚mangelhaft‘ oder ‚ungenügend‘ und erklären diese damit zu Sitzenbleibern“, zitiert das Springer-Blatt den Forscher. Nicht einmal sechs Prozent der Entscheider erhielten demnach die Noten „sehr gut“ oder „gut“.

Terrorangst und Eurokrise sind noch nicht vom Tisch

Die Angst vor Terrorismus sank zwar infolge des Ausbleibens großer Terroranschläge in Deutschland, bleibt mit 59 Prozent aber hoch. Auch die Sorge ums Geld ist mit 58 Prozent weiter präsent, wobei insbesondere die Euro-Krise, der Stabilitätspakt und die Griechenland-Rettung von den Befragten angesprochen wurden. Auch das ist ein Faktor, der sich potenziell als Problem für die etablierten politischen Kräfte erweisen könnte.

Insgesamt zeichnet sich ab, dass die Erscheinungsformen der „German Angst“, die der Politik nützen, und die sie deshalb auch gerne bereitwillig gepflegt hat, an Bedeutung verlieren.

Zwar spricht der weit verbreitete Argwohn gegen Donald Trump immer noch für eine teilweise erhalten gebliebene Definitionshoheit der etablierten Parteien und der Leitmedien.

Gleich danach stehen aber nicht mehr „konsensfähige“ Ängste wie Klima, ungleiche Verteilung oder „Rechte“ – stattdessen solche Ängste, die Bürger potenziell gegen ihre Eliten aufbringen, weil diese sie für nicht schicklich halten. Dies aber deutet auf deutliche Verschiebungen in der politischen Großwetterlage hin.