Erfurt: An alte Kultur erinnern, Dekadenz und Konsum überwinden – Björn Höcke warnt vor Scheitern

Von 29. January 2018 Aktualisiert: 30. Januar 2018 11:53
Vor 2.000 Menschen sprach der Landes- und Fraktionschef der AfD Thüringen, Björn Höcke, in Erfurt über Deutschland, die Festung Europa, den Islam und das drohende Scheitern an der eigenen Dekadenz. Doch Höcke glaubt, ein neuer Frühling werde kommen ...

Sonntagnachmittag, 28. Januar 2018, auf dem Domplatz in Erfurt: Der Landesverband der AfD Thüringen hatte von 15 bis 17 Uhr zur Kundgebung unter dem Motto „Gegen Moscheebau in Erfurt, gegen Familiennachzug – für den Erhalt des Sozialstaates“ aufgerufen, AfD-Thüringen-Fraktionschef Björn Höcke und anderen Rednern.

Wie die „Thüringer Allgemeine“ berichtete, kamen rund 2.000 Menschen zur AfD-Kundgebung.

Gegendemo will „Grenzen öffnen“

Zu einer Gegendemo gerufen hatte an diesem Sonntagnachmittag das „Bündnis Auf die Plätze“. Unter dem Motto „Der AfD entgegen treten“ versammelten sich zunächst laut Polizei rund 350 Gegendemonstranten zu einem Umzug und bereits eineinhalb Stunden vor der AfD-Veranstaltung. Auch die Gegendemonstranten kamen letztendlich zum Domplatz und warteten auf den Beginn der großen Hauptveranstaltung.

Wie der „MDR“ auf Fotos zeigte, wurden dort von den bis zu 450 Gegendemonstranten gefordert: „Grenzen abschaffen – Gegen deutsche Zustände und Festung Europa“. Einige der Personen traten vermummt auf. Zu sehen waren auch rote Fahnen sowie Banner und Fahnen der linksextremistischen Antifa.

Die Polizeiinspektionen Erfurt und Gotha sowie Einsatzkräfte der Bereitschaftspolizei Thüringen,  trennten beide Lager und sicherten die Veranstaltung. Am Abend resümierte die Behörde einen friedlichen Verlauf. Zehn Anzeigen seien jedoch aufgenommen worden:

Dabei handelte es sich um Verstöße gegen das Versammlungsgesetz, Anzeigen wegen Beleidigung und Körperverletzung. Bei Kontrollen wurden bei Versammlungsteilnehmern Tierabwehrsprays aufgefunden und sichergestellt. Die Beleidigungen richteten sich gegen Polizeibeamte. Eine Auseinandersetzung auf dem Domplatz am Obelisk ist derzeit Gegenstand weiterer Ermittlungen, Einzelheiten dazu liegen noch nicht vor.“

(Polizeibericht)

DDR-Vergleich

Höcke sprach in Erfurt, dass er stolz sei, dass heute zeitgleich in Kandel „besorgte Frauen und Mädchen auf die Straße gehen würden, zu einer Frauendemonstration“, und damit sagen wollten: „Bis hier hin und nicht weiter. Wir holen uns unser Land zurück“, so Höcke.

Der AfD-Fraktionsvorsitzende im Thüringer Landtag meinte, er habe derzeit das Gefühl, „als lebte ich in den letzten Jahren der unseligen DDR“. Viele Menschen empfanden wohl ähnlich, sie nickten stumm bei diesem Vergleich.

Auch damals habe es eine abgehobene Politikerkaste gegeben, die im Namen einer Ideologie ein Land heruntergewirtschaftet hatte. Höcke zitiert einen Slogan der damaligen Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED), der da geheißen habe:

Landauf, landab, bis zuletzt,

den Sozialismus in seinem Lauf,

halten weder Ochs noch Esel auf.“

(SED-Slogan, ehemalige DDR)

Höcke mahnt an, dass derzeit die Sozialsysteme „vorsätzlich und fahrlässig“ an die Wand gefahren würden, nannte dazu auch erschreckende Zahlenbeispiele, um den Teilnehmern der Kundgebung Diskussionsgrundlagen mitzugeben.

Völkerwanderung und Festung Europa

Auch verwies Höcke auf den ungarischen Premierminister Viktor Orban, der von einer Völkerwanderung historischen Ausmaßes angesichts der Massenmigration in Europa sprach. In diesem Zusammenhang sagte Höcke, dass er ein toleranter und weltoffener Mensch sei, aber als verantwortungsvoller Politiker fordern müsse:

Wir müssen Europa als Festung denken, (…) und zwar als belagerte Festung.“

(Björn Höcke, AfD)

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An den politischen Gegner gerichtet, nannte der AfD-Politiker ein Rechenbeispiel zu Afrika:

Wenn wir eine Million afrikanische Männer aufnehmen, dann riskieren wir damit den Zerfall der inneren Sicherheit in diesem Land.“

Jedoch würden in Afrika jedes Jahr 30 Millionen Menschen zusätzlich geboren. Das bedeute, dass eine Million Menschen, die Deutschland in „schwere Gewässer führten, die Geburtenrate Afrikas in zwei Wochen ist“. Man löse kein einziges Problem in Afrika durch die Aufnahme.

Islamischer „Geburten-Dschihad“ in Europa

Am Ende seiner Rede sprach der AfD-Politiker über den Islam, den er in der Glaubensfamilie der Menschheit als Sonderfall bezeichnete: Buddhisten, Hinduisten, Juden – diese würden ihren Glauben hier vollkommen unauffällig praktizieren, während der Islam mit seinem Wahrheitsanspruch überall „wie ein großes bockiges Kind“ auftrete und glaube, die Regeln bestimmen zu können.

Wenn man als Eltern ein solch erwachsenes bockiges Kind habe und mit seinem Erziehungslatein am Ende sei, verabschiede man sich am besten von ihm und hoffe, dass das Leben die richtige Lektion erteile, so Höcke vergleichend.

Der Islam müsse sich entschärfen, sich aufklären, durch die Epochen wandern, „durch die wir auch gewandert sind“. Doch dies müsse er in seiner Heimat tun, die nicht Thüringen, nicht Deutschland und nicht Europa heiße. Diese Entschärfung könne nicht in Europa geschehen, weil viel zu viele Moslems zu politischen Zwecken missbraucht würden und sich auch ließen, beispielsweise von Katar, Saudi-Arabien und der Türkei.

Dann erinnerte Höcke an einen Aufruf des türkischen Präsidenten Erdogan im Frühjahr 2017 an die in Europa lebenden muslimischen Frauen:

Macht fünf Kinder, nicht nur drei: Denn ihr seid die Zukunft Europas.“

(Präsident Erdogan, Türkei)

Doch die Politiker in Deutschland und Europa würden schweigen, so Höcke.

Wohin ist die traditionelle Kultur verschwunden?

Zum Abschluss kehrte Höcke zu seinem Beispiel des bockigen Kindes zurück, als Pädagoge mit 15-jähriger Lehrer-Erfahrung und als Vater von vier Kinder: Es sei nicht nur die  Anlage, sondern auch die Erziehung, die ein Kind zu einem bockigen Kind mache.

Wenn Eltern nicht in der Lage sind, Standards zu definieren, wenn Eltern gar nicht mehr wissen, aus welcher Kultur sie kommen und in welche  Kultur sie hineinerziehen, wenn Eltern gar keine Ziele mehr definieren können, weil sie sich selbst verloren haben, dann müssen sie sich allerdings auch nicht wundern, (…) wenn es mit der Erziehung des Kindes nicht funktioniert.“

Eine Angelegenheit sei  von allerhöchster Wichtigkeit, so Höcke, weswegen er sie in der gebotenen Deutlichkeit, der gebotenen abgewogenen Artikulation ausspreche:

Wir Deutschen, wir Europäer, wir haben uns durch billigen Konsum betäuben lassen. Ja, wir haben uns ein Stück auch selbst verloren. (…) Die meisten von uns wissen nicht mehr, was für eine großartige Kultur wir Europäer in den letzten dreitausend Jahren der Menschheit mitgegeben haben.

Wenn wir als Deutsche und Europäer scheitern und in eine unfreie und nicht selbstbestimmte Zukunft gehen würden, dann würden wir nicht am Islam scheitern, der eine einfache Religion und deswegen geistig gesehen eine sehr schwache Religion sei:

Wir scheitern nicht am Islam, wir scheitern an uns selbst. Wenn wir scheitern, dann am Materialismus, dann an der Verweichlichung, dann an der Vereinzelung. Wenn wir scheitern, dann an unserer Dekadenz und die müssen wir überwinden.“

Dereinst werde ein neuer Frühling kommen. Die Deutschen, die Europäer hätten eine große Geschichte und diese Geschichte ende nicht im Hier und Heute, man werde diese Geschichte gemeinsam weiterschreiben.

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