Freiburg: Beweisaufnahme im Mordfall Maria beendet – Rote Amnestie brachte Hussein K. nach Deutschland

Von 2. März 2018 Aktualisiert: 2. März 2018 18:30
"Fahre jetzt heim. War megaviel los an der Garderobe. Viel Spaß noch. Bis morgen." (Maria Ladenburger, 16. Oktober 2016, 02:36.39 Uhr) - Ein erschütternder Prozess neigt sich dem Ende. Das Urteil soll am 21. März fallen.

Am heutigen 2. März wurde u.a. mit dem psychiatrischen Gutachten des renommierten Neurologen und Psychiaters Hartmut Pleines aus Heidelberg die Beweisaufnahme der Jugendkammer des Freiburger Landgerichts im Prozess gegen den wegen Mordes und Vergewaltigung angeklagten Afghanen Hussein Khavari beendet.

Darauf folgen am 9. und wahrscheinlich auch noch am 12. März die Plädoyers, möglicherweise unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Das Urteil wurde vom Gericht für den 21. März 2018 um 9.30 Uhr angekündigt, wie die „Stuttgarter Nachrichten“ melden.

Damit neigt sich der Prozess um den Tod der 19-jährigen Medizinstudentin Maria Ladenburger seinem Ende zu. „Fahre jetzt heim. War megaviel los an der Garderobe. Viel Spaß noch. Bis morgen.“ Das waren die letzten Worte von Maria, geschrieben an ihre Freunde per WhatsApp am 16. Oktober 2016 um 02:36.39 Uhr.

Noch einmal die Altersfrage

Noch einmal ging es an diesem 21. Verhandlungstag um das Alter des Angeklagten. Nach der Auswertung eines Zahnes des Hussein K. durch die Gutachterin Ursula Wittwer-Backofen, Leiterin der Biologischen Anthropologie der Universitätsklinik Freiburg, kam diese auf 25,8 Jahre mit einer möglichen Abweichung von +/- 2,5 Jahren

Zur Ergänzung sagte heute Jutta Gampe aus, Leiterin des Arbeitsbereiches für statistische Demographie am Max-Planck-Institut in Rostock. Ihre Untersuchungen des Zahnes ergaben eine Altersspanne von 22,89 bis 27,62 Jahre bei 95 %iger Sicherheit und bei 99 Prozent Sicherheit von 22,14 bis 28,37 Jahren. Die mittlere Abweichung liege bei maximal 0,6 bis 0,8 Jahre, berichtet jetzt die „Badische Zeitung“.

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Tatnacht aus Sicht des Angeklagten

Abends gegen 20 oder 21 Uhr sei er mit einer Vierergruppe am Seepark gewesen. Man habe gegessen und getrunken. Dort habe er eine Flasche Wodka allein getrunken, auf Drängen eines Kollegen. Es folgten zwei Joints, noch einer und ein Gramm Haschisch dazu. Zu dritt gingen sie in die Innenstadt, auf der Suche nach einer Disko. In der „Sonderbar“ bemerkte er, dass er seine Kumpane verloren hatte. Der Wirt schickte ihn später, noch Bier und Wein, als zu betrunken fort. Ebenso erging es ihm in einer anderen Kneipe und einem Dönerladen. Von einem Deutschen habe er dann ein Sixpack bekommen, sei in die Straßenbahn gestiegen und dort einen Joint gebaut. Eine ältere Frau habe ihn angesprochen, warum er Haschisch rauche. Da habe er Angst bekommen, dass sie die Polizei rufen könnte und habe sich auf den Heimweg gemacht.

In der Nähe einer Tankstelle habe er dann ein Fahrrad geklaut, sei nach wenigen Metern gestürzt und es weiter geschoben. Irgendwo am Dreisamuferweg habe er es abgelegt um zu Pinkeln. Dabei sei er hingefallen, habe dann versucht zu erbrechen. Dann habe er gesehen, dass jemand mit einem Fahrrad kommt. Er habe sich am Baum hochgezogen und gegen das vorbeifahrende Fahrrad getreten.

Er habe bemerkt, dass es ein Mädchen war, ihre Tasche gesehen und überlegt, diese mitzunehmen. Weil sie aber sehr laut geschrien habe, habe er ihr den Mund zugehalten und den Hals kräftig zugedrückt. Weil seine Hände nicht kräftig genug gewesen seien, habe er sie zum Wasser herunter gebracht und mit einem Schal erwürgen müssen, so die „Badische Zeitung“ in ihren Ausführungen.

Daraufhin habe er sie entkleidet und versucht, sie zu vergewaltigen, was ihm nicht gelungen sei. Er habe sie nur mit den Händen berührt und könne sich nicht an Bisse erinnern. Gutachter Pleines schildert die Aussage des jungen Afghanen weiter, dass das Mädchen vor der Vergewaltigung tot gewesen sei.

In Korfu: „Wie ein Tier …“

Am vergangenen Dienstag, 27. Februar, hatte ein polizeilicher Ermittler ausgesagt, der Husseins Opfer auf Korfu besucht und befragt hatte.

Die junge Griechin ist sich heute sicher, dass es Hussein K. bei seinem Angriff nicht um Geld oder das Handy ging. Vielmehr sei er „wie ein Tier“ in jener Nacht im Mai 2013 auf der Strandpromenade auf sie zugesprungen, habe ihre Handgelenke ergriffen und sich auf sie gestürzt. Er gab ihr zu verstehen, dass sie nicht schreien soll, warf sie zu Boden und schlug ihr mit der Faust auf den Mund.

Der Lichtkegel eines Autos schreckte ihn auf. Er hob sie vom Boden auf und warf sie über das Geländer. Sie hielt sich noch daran fest, doch Hussein K. löste ihre Hände vom Geländer. Sie rutschte die Wand hinab und stürzte acht bis zehn Meter in die Tiefe.

Sie überlebte schwer verletzt und brach später ihr Studium ab.

Dem Mädchen wurde erst im Rückblick klar, „dass der Täter nicht ihre Handtasche, sondern etwas von ihr wollte“, so der Ermittler, „etwas Sexuelles“.

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Husseins Angaben dazu wurden vom Gutachter Pleines wiedergegeben, der in mehreren Terminen mit dem Afghanen im Justizvollzugskrankenhaus Hohenasperg gesprochen hatte.

Demnach sei Hussein K. stark betrunken gewesen, habe das Mädchen auf dem Heimweg gesehen und vermutet, dass in ihrer Tasche sicherlich 100 Euro zu finden seien. Er habe an der Tasche gezerrt. Sie habe geschrien. Dann habe er die Tasche losgelassen und sie beim Weglaufen an ihrer Schulter gestreift. Daraufhin sei sie die Klippe heruntergefallen.

Auch im Freiburger Fall war Hussein seinen Angaben nach nicht verantwortlich: ein Freund habe ihn „wie ein Satan“ zum Trinken verführt und, weil Maria geschrien hatte, habe er wie würgen müssen. Der Rest steht in den Akten.

Die rote Amnestie

Wegen des versuchten Mordes wurde der Flüchtling zu einer zehnjährigen Jugendstrafe verurteilt. Nach einer Amnestie durch die seit September 2015 neue griechische Regierung unter Alexis Tsipras und der „Synaspismos Rizospastikis Aristeras“ (Syriza), was soviel bedeutet wie „Koalition der Radikalen Linken“, wurde Khavari Ende Oktober 2015 freigelassen und reiste nach Deutschland ein, wo er sich nach Angaben deutscher Behörden am 12. November 2015 ohne Papiere als 16-Jähriger alleinreisender unbegleiteter Minderjähriger vorstellte. Man glaubte ihm.

Siehe auch:

Freiburg, Mordfall Maria: Pflegeeltern und Jugendamt betrogen, Flüchtlingsjunge in Griechenland vergewaltigt