Karlsruhe: Lkw-Anschlag vereitelt – 83.000 Ermittlerstunden seit Juli – Islamismus mitten unter uns (AfD)

Von 22. Dezember 2017 Aktualisiert: 22. Dezember 2017 21:58
Nach dem verhinderten Terror-Anschlag auf die "Eiszeit" am Karlsruher Schlossplatz und der Verhaftung des gebürtigen Freiburgers Dasbar W. fragt man sich, wo der Mann radikalisiert wurde. In diesem Zusammenhang soll eine Freiburger Moschee unter Beobachtung stehen. Auch die Koranverteiler von "LIES!" könnten eine Rolle gespielt haben ...

Nach der Verhaftung des Deutsch-Irakers Dasbar W. am Mittwoch durch Spezialkräfte der Polizei und Durchsuchung seiner Wohnung in Karlsruhe-Rüppurr durch 70 Polizeibeamte wurde dem 29-Jährigen gestern der Haftbefehl eröffnet, der Mann in Untersuchungshaft verbracht.

Darin wurde dem 29-Jährigen nicht nur die Mitgliedschaft in der Terror-Organisation „Islamischer Staat“ und deren Unterstützung vorgeworfen, sondern auch noch ein geplanter Anschlag auf den Karlsruher Schlossplatz.

Familie ist entsetzt

Wie die „Badische Zeitung“ schreibt, könne die Familie des gebürtigen Freiburgers es gar nicht glauben, dass Dasbar W. beim IS sein soll. Seine Eltern stammen aus dem Nordirak, lebten und arbeiteten lange in Deutschland und wohnen heute wieder in den Kurdengebieten im Irak. Die Kinder besuchten sie dort immer wieder …

Meine Familie ist seit der Verhaftung ganz fertig. (…) Das kann gar nicht sein, dass Dasbar beim IS ist. (…) Das ist völlig absurd. Ich war mit ihm zusammen im Irak. Er war der erste, der aus Angst vor dem IS abgehauen und nach Deutschland zurückgekehrt ist.“

(Bruder von Dasbar W.)

Dasbar W. wollte eigentlich Informatik studieren …

Vor ein paar Jahren kam der Bart

Dasbar soll früher immer hyperaktiv gewesen sein und „frech“, so der Bruder. In Freiburg lebte er bis 2014. Zu dieser Zeit kam dann plötzlich auch der Bart, vor fünf oder sechs Jahren. Der junge Deutsch-Iraker begann, in die Moschee zu gehen und allgemein religiöser zu werden, betete fünf Mal am Tag.

Aber fanatisch war er nie. Ich habe immer mit ihm gechillt.“

(Bruder von Dasbar W.)

Der Fall Yannik N.

Die „BZ“ erinnerte in diesem Zusammenhang an den Fall des Freiburgers Yannik N. Dieser sprengte sich im Mai 2015 als 23-Jähriger im Irak selbst in die Luft, tötete mindestens zwölf Menschen.

Ein Freiburger Arzt (33), Nordafrikaner mit deutschem Pass und Salafist, wurde als Anwerber ausgemacht und im März 2016 in Berlin festgenommen. Yannik N. soll zuvor unter schwierigen Verhältnissen und auch längere Zeit als Obdachloser in Freiburg gelebt haben, galt als psychisch labil.

Freunde des jungen Mannes sagten damals der „BZ“, dass er verzweifelt nach familiärem Anschluss und Geborgenheit gesucht habe. Eine Freundin meinte gar: „Er wäre auch mit Scientology mitgegangen, wenn die bei ihm angefragt hätten.“ Mit Religion hatte er zuvor überhaupt nichts am Hut.

Salafisten-Moschee unter Beobachtung

Doch offenbar wurde der heute 29-Jährige schon lange und intensiv von den Sicherheitsbehörden beobachtet.

Wie die „BZ“ berichtet, soll Dasbar W. die Ibad-ur-Rahman-Moschee in Freiburg-Herdern besucht haben. Das muslimische Glaubenshaus wird wegen islamistischer Umtriebe vom Verfassungsschutz beobachtet. Mehrfach soll es Razzien und auch Verhaftungen gegeben haben.

Die Behörden schätzen die Zahl der Extremisten in der Moschee, die als Anlaufstelle für Freiburger und auswärtige Salafisten diene, auf ein paar Dutzend Leute, so Benno Köpfer, Terrorexperte beim Landesverfassungsschutz.

Dasbar W. war den Behörden erstmals im Zusammenhang mit den salafistischen „Lies!“-Aktionen und Koran-Verteilungen aufgefallen. Auch in Freiburg am Bertoldsbrunnen gab es 2015 solche Stände.

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Beim IS im Irak und Syrien

Als die große Flüchtlingswelle begann, in den Jahren 2015/2016 reiste Dasbar W. mehrfach in den Irak und ins syrische Grenzgebiet. Dort soll er für den IS gekämpft haben, wurde an Schusswaffen ausgebildet.

In Deutschland soll er Propagandavideos für die Terror-Organisation hergestellt und verbreitet haben, auf Internetplattformen und in Chat-Gruppen. Dasbar W. wurde als Gefährder eingestuft und überwacht.

Anschlagsplanung Karlsruhe

Ende August begann er, die Örtlichkeiten rund um das Karlsruher Schloss auszukundschaften, bewarb sich anschließend bei verschiedenen Paketdiensten als Fahrer. Die Behörden vermuten, dass er einen Anschlag mit einem Fahrzeug verüben wollte, bei den Ständen rund um die Eisbahn am Schlossplatz.

Den Sicherheitsbehörden ist ein erfolgreicher Schlag gegen den Islamismus gelungen. Wir hatten es mit einer sehr ernsten Bedrohung zu tun, der wir mit Wachsamkeit begegnet sind.“

(Innenminister Thomas Strobl, CDU)

Dasbar W. soll sich „möglicherweise in der Vorbereitungsphase eines terroristischen Anschlags“ befunden haben, hieß es. Seit Juli 2017 hatte das LKA Stuttgart rund 83.000 (!) Personenstunden in den Fall investiert, ermittelt wurde aber bereits seit Juli 2016, berichten die „KA-News“.

Karlsruhes Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD) dankte Polizei und Bundesanwaltschaft, durch die intensive Ermittlungsarbeit offenbar Schlimmeres verhindert zu haben und sagte:

Ich fühle mich dadurch in meinem Sicherheitsgefühl gestärkt.“

(Frank Mentrup, OB Karlsruhe)

Mentrup bestätigte zudem, dass die Sicherheitsmaßnahmen „den aktuellen Erfordernissen und Herausforderungen“ angepasst würden. Man stehe im „intensiven Austausch“ mit den Kommunen im gesamten Bundesgebiet.

AfD Karlsruhe: Islamismus mitten unter uns

Die Karlsruher AfD sieht allerdings das Pferd von der falschen Seite aufgezäumt. Die Partei, die drei Sitze im schwarz-rot-grün dominierten Gemeinderat innehat, erinnert in einer Pressemitteilung daran, dass der polizeiliche Beobachtungsaufwand „bei über 700 Gefährdern in Deutschland und rund 100 in Baden-Württemberg“ viel zu hoch sei.

Unsere Polizei hat auch noch andere Aufgaben zu erfüllen; wir Bürger brauchen ihre Präsenz im öffentlichen Raum!“

(Marc Bernhard, Stadtrat der AfD)

Angesichts der Verhaftung des Deutsch-Irakers Dasbar W. forderte die Karlsruher AfD nun sofortige Konsequenzen und erinnerte daran, dass Innenminister Strobl in seiner Presseaussendung zum Fall schrieb, dass, obwohl die Sicherheitsbehörden alles zum Schutz der Bevölkerung täten, man „eine hundertprozentige Sicherheit nicht garantieren“ könne.

Wir führen unser Leben in Freiheit auch weiterhin besonnen und klug. Angst und Verunsicherung sind jedenfalls nicht unsere Antwort!“

(Thomas Strobl, Innenminister, Ba-Wü)

Dazu hakte der Bundestagsabgeordnete Bernhard fragend nach, ob dies wohl heißen solle, lieber zu Hause zu bleiben, wenn man nicht riskieren wolle, Opfer eines islamistischen Anschlags zu werden?

Wir wissen jetzt, ein Jahr nach dem Anschlag in Berlin: der Islamismus ist immer noch mitten unter uns und wartet nur auf eine günstige Gelegenheit um zuzuschlagen – auch hier in Karlsruhe.“

(M. Bernhard, MdB, Stadtrat)

Der Abgeordnete erneuerte in diesem Zusammenhang die Forderung der AfD:

Ausländische Gefährder sofort abschieben, IS-Heimkehrer unverzüglich inhaftieren und so rasch wie möglich aburteilen – diese Maßnahmen erweisen sich erneut als dringend nötig!“

(Marc Bernhard, AfD)

Demgegenüber sieht Bernhards Kollege von der CDU Karlsruhe die Lösung des Problems darin, „personell, materiell und rechtlich“ alles dafür zu tun, „dass alle Sicherheitsbehörden zu unser aller Sicherheit optimal arbeiten können“.

Zwei durchaus unterschiedliche Ansätze, für Sicherheit zu sorgen.

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