Laschet fordert Österreicher-Modell für Risikobewertung in Corona-Pandemie

Epoch Times25. September 2020 Aktualisiert: 25. September 2020 11:55

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hat sich dafür ausgesprochen, für die Risikobewertung in der Corona-Pandemie nicht nur die Zahl der positiv Getesteten zu berücksichtigen. In die Lagebewertung müssten vielmehr die Kapazitäten der Krankenhäuser und die Zahl der intensivmedizinisch behandelten Covid-19-Patienten stärker mit einbezogen werden, sagte Laschet dem „Handelsblatt“ vom Freitag.

„Mit Corona leben lernen bedeutet in erster Linie, alle Entwicklungen genau im Blick zu haben“, sagte Laschet. „Dabei dürfen wir nicht nur auf die reinen Infektionszahlen schauen.“ Zusätzlich in die Risikobewertung mit einfließen sollten „der Anteil zurückverfolgbarer Infektionen, die Anzahl der Tests und der Anteil positiver Testergebnisse“.

Österreicher-Modell für Deutschland?

Der Ministerpräsident übernahm damit einen Vorschlag seines Corona-Expertenrates, der für eine „differenzierte Sichtweise“ auf das Virus im Herbst und Winter plädiert. Als Beispiel für ein Frühwarnsystem führt der Expertenrat in seiner dem „Handelsblatt“ vorliegenden Stellungnahme Österreich an, das ein auf mehreren Kennziffern beruhendes Modell zur regionalen Steuerung der Corona-Maßnahmen eingeführt hat.

Die Vorschläge für eine „Corona-Ampel“ sieht Laschet auch als Blaupause für den Bund. „Wir brauchen für ganz Deutschland ein standardisiertes Corona-Monitoring, das die Pandemieentwicklung kommunenscharf abbildet“, sagte er vor den für Dienstag geplanten neuen Spitzenberatungen von Bund und Ländern zu den Corona-Maßnahmen.

Dreyer fordert von Bundesgesundheitsminister verbindliche Corona-Teststrategie

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) forderte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) auf, umgehend eine verbindliche Corona-Teststrategie vorzulegen. Mit Blick auf das Spitzengespräch am Dienstag forderte Dreyer in der Düsseldorfer „Rheinischen Post“ und dem Bonner „General-Anzeiger“ „Warnsysteme für ganz Deutschland“, die „regional ausgestaltet“ werden sollten.

„Ab einer bestimmten Fallzahl der Infektionen wird die Bevölkerung informiert, denn ohne deren Mitwirkung geht nichts“, sagte Dreyer. Eine Taskforce entscheide dann, wie die Infektionskette am effektivsten unterbrochen werden kann.

Spahn gegen bundesweite Maskenpflicht

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sprach sich gegen eine bundesweite Maskenpflicht auf öffentlichen Plätzen aus, wie sie zum Beispiel in München gilt. „Aus meiner Sicht macht es Sinn, dass das tatsächlich lokal, regional, nach dem Infektionsgeschehen auch passiert“, sagte der CDU-Politiker in den ARD-„Tagesthemen“. Frank-Ulrich Montgomery, Vorsitzender des Weltärztebundes, sagte der „Passauer Neuen Presse“: „Überall dort, wo ein erhöhtes Infektionsrisiko besteht, muss man alles tun, um es zu senken. Dazu gehören auch Masken.“ Öffentliche Plätze könnten ja sehr unterschiedlich sein. Es müsse klare Ansagen für die Bevölkerung geben. „Bei höchstem Infektionsgeschehen ist eine Maskenpflicht auch auf öffentlichen Plätzen durchaus sinnvoll.“

Weltärztebund-Chef Montgomery sagte, man befinde sich aktuell nicht in der zweiten Welle, sondern in einer Dauerwelle. „Wir sind weit entfernt davon, dass die Kapazitäten unseres Gesundheitssystems erschöpft wären. Wir müssen mit dieser Infektion leben. Die Pandemie wird uns noch lange Zeit begleiten.“ Selbst wenn es eine Impfung geben werde, sei die Pandemie nicht an Tag eins der Impfungen vorbei. Bis die Gesellschaft bei uns und in aller Welt durchgeimpft sein werde, dauere es Jahre. Deshalb sollten wir uns mit dem Gedanken anfreunden, dass wir noch Jahre mit Corona und nötigen Schutzmaßnahmen leben werden müssen.“ (dpa/afp)

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