Lockerungen auf Probe: Merkel behält sich jederzeitige Rückkehr zum Corona-Lockdown vor

Von 2. Mai 2020 Aktualisiert: 3. Mai 2020 9:21
Auch Deutschland stehen erste vorsichtige Lockerungen der Corona-Maßnahmen bevor. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat mit den Länder-Regierungschefs jedoch vereinbart, dass diese im Fall einer „überregionalen Infektionsdynamik“ jederzeit wieder verschärft werden könnten.

Am Donnerstag (30.4.) vereinbarten Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der Länder erste Lockerungen der seit März in Kraft befindlichen Beschränkungen des öffentlichen Lebens zum Zwecke der Verhinderung einer weiteren Ausbreitung der Corona-Pandemie. Künftig sollen, solange bestimmte Auflagen bezüglich des Abstands und der Höchstzahl an Personen pro Quadratmeter eingehalten werden, Gotteshäuser, Spielplätze oder Museen wieder öffnen dürfen.

Gaststätten und Hotels bleiben hingegen weiterhin geschlossen. Auch bezüglich der Kindertagesstätten und Schulen wird es in den kommenden Wochen noch erhebliche Einschränkungen geben.

Merkel soll sich über Drostens Wankelmut beschwert haben

Die Regierungschefs in Bund und Länder stützen sich, wie aus dem Protokoll der Konferenz hervorgeht, einerseits auf die Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI), das am Donnerstag von einem Reproduktionswert von 0,75 und damit deutlich unter 1 sprach. Der Wert drückt die Zahl der Personen aus, die ein mit COVID-19 Infizierter im Schnitt ansteckt.

In den vergangenen Wochen war die Zahl der aktiven Infektionen deutlich zurückgegangen. Derzeit sind von 164.077 Fällen noch 28.341 aktiv, davon 2.189 in einem kritischen Zustand. Bereits geheilt sind 129.000 Personen, verstorben 6.736.

Charité-Chefvirologe Christian Drosten warnte unterdessen vor – wie er es nennt – voreiligen Lockerungen der Pandemie-Maßnahmen. Der „Business Insider“ zitiert ihn mit den Worten: „Wir sind dabei, unseren Vorsprung zu verspielen.“

Die Kanzlerin soll einem Bericht der „Bild“-Zeitung zufolge Drosten am Rande der Konferenz mangelnde Stetigkeit in seinen Aussagen vorgeworfen und Skepsis bezüglich einer weiteren primären Ausrichtung der Corona-Politik an Empfehlungen der Wissenschaft geäußert haben. Öffentlich hat sie ihm später jedoch das Vertrauen ausgesprochen – und vor allem eine Klausel im Protokoll erwirkt, die sogar einen Exit aus den derzeitigen vorsichtigen Lockerungen vorsieht.

Zweite Welle würde zum Ende der Lockerungen führen

So heißt es im Protokoll: „Wenn die deutschlandweit erzielten Erfolge in der Verlangsamung des Infektionsgeschehens nicht gefährdet werden sollen, muss auf eine regionale Dynamik mit hohen Neuinfektionszahlen und schnellem Anstieg der Infektionsrate sofort reagiert werden.“

Die bisherige epidemiologische Entwicklung in Deutschland habe, so heißt es in diesem Zusammenhang, gezeigt, dass es „durch lokale Ereignisse immer wieder zu besonderen regionalen Betroffenheiten bei der Ausbreitung des SARS-Cov2-Virus kommt“.

Sollte es wieder zu einem erheblichen regionalen Ausbruch von Neuinfektionen kommen, werde es notwendig, „dass die umfassenden Beschränkungen, die vor dem 20. April gültig waren, vor Ort sofort wieder konsequent eingeführt werden“. Auch die Bewegungsfreiheit der Bürger könne dann bei Bedarf wieder eingeschränkt werden. Eine zweite Corona-Welle würde demnach umgehend wieder eine Rückkehr zum ursprünglichen Lockdown nach sich ziehen.

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