Ein Kühltransporter fährt vom Biontech-Gelände in Mainz. 1,3 Millionen Impf-Dosen will das Unternehmen noch in diesem Jahr liefern.Foto: Boris Roessler/dpa/dpa

Impfen: Was passiert, wenn es los geht?

Epoch Times23. Dezember 2020 Aktualisiert: 23. Dezember 2020 18:28
Nach den Feiertagen beginnen die Impfungen gegen das Coronavirus. Was steht in den kommenden Wochen an?

Unmittelbar nach Weihnachten sollen die ersten Menschen in Deutschland eine Impfung gegen das Coronavirus erhalten. Manche Fragen zu Impf-Abläufen und zum Impfstoff sind noch offen, andere wiederum längst beantwortet. Hier eine Übersicht der dpa.

Wie viele könnten sofort eine Impfung bekommen?

1,3 Millionen. So viele Dosen will Biontech Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zufolge noch dieses Jahr liefern. Das würde unmittelbar in etwa für genauso viele Menschen reichen, da deren notwendige zweite Impfung erst spät im Januar anstünde.

Bis Ende März kündigte Spahn jüngst 11 bis 12 Millionen Dosen an. Da das Präparat zweimal verabreicht werden muss, würde diese Menge in etwa für 5,5, bis 6 Millionen Menschen reichen.

Wie sieht es dann im kommenden Jahr aus?

Spahn geht davon aus, bis zum Sommer allen Bürgern in Deutschland ein „Impfangebot“ machen zu können – sofern weitere Präparate eine Zulassung erhalten. Neben dem Biontech-Impfstoff spielt auch das Mittel von Moderna eine Rolle, über dessen Zulassung die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) bis zum 6. Januar entscheiden will.

Für beide Impfstoffe sind dem Gesundheitsministerium zufolge insgesamt 136,3 Millionen Dosen sicher, die nahezu alle 2021 geliefert werden könnten. Mit je zwei nötigen Dosen ließen sich so rechnerisch 68,2 Millionen Bürger impfen – bei 83 Millionen Einwohnern in Deutschland.

Wollen sich überhaupt so viele impfen lassen?

Wohl nicht. Zuletzt ist in Deutschland die Bereitschaft dazu auf 49 Prozent gesunken. Bei der regelmäßigen Umfrage der Universität Erfurt hatten sich Mitte April noch 79 Prozent der Befragten (eher) bereit gezeigt, sich impfen zu lassen, sobald die Möglichkeit dazu bestünde.

Wo wird geimpft?

Zuerst starten in vielen Bundesländern die mobilen Teams, die in Krankenhäuser, Alten- und Pflegeheime gehen. Auch die regionalen Impfzentren sind an vielen Orten startklar und werden vielerorts wohl spätestens Anfang Januar ihren Betrieb aufnehmen. Die bundesweit bis zu 442 Zentren – eingerichtet und betrieben von den Ländern – werden zunächst sicher noch nicht in voller Kraft arbeiten.

Kann man sich auch beim Hausarzt impfen lassen?

Womöglich erst in einigen Monaten. Nach dem geplanten Start in den regionalen Impfzentren geht die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) davon aus, „dass die Praxen vermutlich im Sommer impfen werden“, sagte KBV-Chef Andreas Gassen. Die Hausärzte seien darauf eingestellt, „schnell eine große Gruppe an Patienten zu impfen“.

Wer ist zuerst dran?

Das regelt die Impfverordnung. Die Priorisierung ist nötig, weil zunächst nicht ausreichend Impfdosen für alle verfügbar sein werden. Anfangs sollen Ältere über 80 sowie Bewohner und Personal in Pflegeheimen zum Zug kommen, daneben Gesundheitspersonal mit sehr hohem Infektionsrisiko, etwa in Intensivstationen und Notaufnahmen.

Wie kommt man zu einer Impfung?

Das ist in der Regel nur mit Termin möglich. Für ganz Deutschland kann zum Prozedere allerdings noch keine abschließende Aussage getroffen werden. Die Bundesländer regeln die Abläufe selbst. Es gibt die bundesweit einheitliche Telefonnummer 116117, manche Länder haben aber ihre eigene Hotline. Länderspezifische Internetseiten und Apps bieten Informationen.

Manche Landesregierungen schreiben ihre Bürger direkt an, in anderen ist noch offen, wie sie Menschen potenziell über Möglichkeiten zum Impfen benachrichtigen wollen.

Kann man nach einer Impfung andere noch anstecken?

Das ist bisher noch unklar. Bis spätestens Februar erwartet Biontech dazu genauere Erkenntnisse.

Wie lange wirkt die Impfung?

Auch das lässt sich jetzt noch nicht beantworten. Derzeit laufen Studien dazu. Erste Hinweise gibt eine noch nicht abschließend begutachtete US-Untersuchung von Menschen, die sich auf natürlichem Weg mit Sars-CoV-2 infizierten: Demnach waren bei diesen die Abwehrmechanismen ihres Immunsystems Monate später noch nachweisbar.

Bei einer Impfung falle die Immunantwort gemeinhin effizienter aus, sagt etwa Carsten Watzl, Immunologe am Leibniz-Institut für Arbeitsforschung der Technischen Universität Dortmund.

Wer haftet, sollte es doch zu Schäden kommen?

Dafür kommen dem Bundesgesundheitsministerium zufolge je nach Fall verschiedene gesetzliche Grundlagen in Betracht. Eine Haftung des Pharma-Unternehmens könne sich aus dem Arzneimittelrecht oder Produkthaftungsgesetz ergeben. „Außerdem gelten die allgemeinen Haftungsregelungen im Bürgerlichen Gesetzbuch“, sagte ein Ministeriumssprecher kurz vor Weihnachten.

Wirkt die Impfung bei neuen Virusvarianten?

Vermutlich ja. Experten zufolge richtet sich die Immunreaktion des Körpers gegen mehrere Merkmale des Virus, einzelne Mutationen dürften sich daher nicht dramatisch auswirken. Biontech-Chef Ugur Sahin ist zuversichtlich: „Wir haben den Impfstoff bereits gegen circa 20 andere Virusvarianten mit anderen Mutationen getestet. Die Immunantwort, die durch unseren Impfstoff hervorgerufen wurde, hat stets alle Virusformen inaktiviert.“ Mit weiteren Informationen etwa über die Mutation in Großbritannien wird es mehr Erkenntnisse geben.

Müssen die Menschen etwas für die Impfung bezahlen?

Nein. Sie soll für alle gratis sein. Die Kosten für die Impfstoffe übernimmt der Bund, mit anderen Worten: die Steuerzahler. Insgesamt rechnet Gesundheitsminister Spahn mit bis zu sechs Milliarden Euro für die gesamte Impfaktion.

Wird es eine Impfpflicht geben?

Nein. Eine allgemeine Impfpflicht hat die Bundesregierung immer wieder klar ausgeschlossen. Ob etwa Geschäfte oder Restaurants den Zutritt ohne Nachweis einer Immunität verwehren beziehungsweise wie sie dies kontrollieren könnten, wird wohl erst die Zukunft zeigen. Rechtsexperten sahen jüngst über das Hausrecht privater Besitzer durchaus die Möglichkeit, Ungeimpften den Zutritt zu verwehren. (dpa/sua)



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