„Unseriöse“ G20-Fahndung? – „Böhmermann hat doch den Schuss nicht gehört“

Epoch Times21. Dezember 2017 Aktualisiert: 21. Dezember 2017 16:08
ZDF-Moderator Jan Böhmermann hält nicht viel von der Foto- und Videofahndung der Hamburger Polizei im Zusammenhang mit den Krawallen des G20, findet sie sogar "unseriös".

ZDF-Moderator Jan Böhmermann hält nicht viel von der Foto- und Videofahndung der Hamburger Polizei im Zusammenhang mit den Krawallen des G20.

Auf Twitter entgegnete er einer entsprechenden Polizeimeldung: „Hoffentlich täuscht der Eindruck, dass die unseriöse G20_Fahndung politisch statt strafrechtlich motiviert ist.“

Die Hamburger Polizei antwortete daraufhin: „Da können wir Sie beruhigen: All diesen Personenfahndungen liegt ein richterlicher Beschluss zugrunde. Das Wort unseriös ist daher unpassend.“

Wie die „Mopo“ berichtet, war  Böhmermann mit der Antwort offenbar nicht zufrieden und schrieb weiter: „104 Verdächtige per Öffentlichkeitsfahndung zu suchen, ist auffällig unverhältnismäßig.“

Mopo schreibt: „Da platzt Joachim Lenders, Hamburger Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft und stellvertretender Bundesvorsitzender, der Kragen: ‚Der hat doch den letzen Schuss nicht gehört!‘, schimpft er in Richtung Böhmermann. Polizeisprecher Timo Zill kontert betont sachlich: ‚Wir gehen der gesetzlichen Verpflichtung nach, alles zu tun, um diese Straftaten aufzuklären.‘  (Die Aussagen wurden offenbar inzwischen auf Twitter gelöscht).

Nicht gelöscht sind Aussagen anderer Twitter-Nutzer, die etwa so reagieren: „Das (damalige) Umfeld von Böhmermann laut dessen eigener Aussage: „‚Meine Freunde waren, grob gesagt, kiffende Antifas.‘ Kommt halt immer wieder durch.“

Schwacher Fahndungserfolg

Polizei und Staatsanwaltschaft hatten am Montag die Fotos von 104 Verdächtigen ins Internet gestellt. Ihnen werden nach Angaben der Hamburger Staatsanwaltschaft meist gefährliche Körperverletzung, schwerer Landfriedensbruch oder Brandstiftung vorgeworfen. Zu fünf verschiedenen Tatkomplexen sind außerdem Videos abrufbar, die das Geschehen an mehreren Brennpunkten während des Gipfels der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer Anfang Juli zeigen.

CDU- und CSU-Bundestagsabgeordnete verteidigten die Maßnahme der Ermittler gegen Kritik, die vor allem von Seiten der Linken laut wurde.

Die Linksfraktion in der Hamburger Bürgerschaft hatte zuvor besonders die zusammen mit den Fahndungsfotos veröffentlichten Videos kritisiert. „Das ist Stimmungsmache und ich frage mich, wie ein solches Vorgehen durch ein Gericht abgesegnet werden konnte“, erklärte die innenpolitische Sprecherin Christiane Schneider. Durch die Veröffentlichung ihrer Fotos drohe den abgebildeten Personen lebenslange Stigmatisierung, egal ob sie verurteilt würden oder nicht.

In der ARD-„Tagesschau“ sagte die Linken-Abgeordnete, der Leiter der Soko „Schwarzer Block“ habe angekündigt: „Wir kriegen viele von euch, da könnt ihr sicher sein.“ Schneider weiter: „Das hört sich an nach Menschenjagd.“

Die Hamburger CDU-Fraktion habe sie daraufhin zum Rücktritt aufgefordert, schreibt Mopo, denn „das Amt sei mit einem derart gestörten Verhältnis zum Rechtsstaat nicht zu vereinbaren.“

Die Linken-Bundestagsabgeordnete Ulla Jelpke sprach von „Steckbriefen wie zu Zeiten der RAF-Hysterie“. Telefonhotlines öffneten außerdem Denunziantentum Tür und Tor. 

Der Ertrag der Großfahndung sei bisher eher dünn, so Mopo weiter. 80 Hinweise seien bis heute bei der Sonderkommission „Schwarzer Block“ eingegangen. Das könne unter anderem daran liegen, dass es sich bei den Gesuchten mehrheitlich um Linksextreme handeln dürfte, die vermutlich in einem Umfeld leben, „das wenig Neigung hat, der Polizei Hinweise zu geben“, so die Zeitung.

(mcd/dpa)

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