Die Banlieues gelten bereits seit längerer Zeit als Brutstätten von Jugendkriminalität und radikalem Islamismus.Foto: JEAN-LOUP GAUTREAU/AFP via Getty Images

Frankreich: Gewalttätige Unruhen erfassen landesweit die Banlieues

Von 24. April 2020 Aktualisiert: 25. April 2020 8:16
Die Zahl der Teilnehmer an den Unruhen, die zurzeit in Frankreich wieder die Banlieues erschüttern, bleibt deutlich hinter jenen vom Herbst 2005 zurück. Dennoch zeigt sich auch in der Zeit der Ausgangssperren, wie wenig weit die Staatsgewalt dort de facto reicht.

Ein Hauch von 2005 geht durch Frankreich – und das inmitten der Corona-Krise: Ein Vorfall rund um einen Motorradfahrer, der nach einem Zusammenstoß mit einem Polizeiauto mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert werden musste, hat in mehreren Banlieues französischer Städte, also Vororten mit sozialem Brennpunktcharakter, gewalttätige Unruhen ausgelöst.

Wie der „Guardian“ berichtet, ereignete sich der Vorfall in Villeneuve-la-Garenne, einem Vorort von Paris. Ein Motorradfahrer, der ohne Helm und mit überhöhter Geschwindigkeit auf einem nicht angemeldeten Fahrzeug unterwegs gewesen sei, soll am Samstagabend (18.4.) an einer Ampel in voller Fahrt auf die geöffnete Tür eines Polizeiwagens geprallt sein. Er zog sich dabei einen Beinbruch zu.

Augenzeugen sprechen von Absicht

Schon bald nach Bekanntwerden des Vorfalls haben sich Augenzeugen gemeldet, die beobachtet haben wollen, wie ein Beamter, der im Wagen saß, die Tür absichtlich geöffnet habe, um den Unfall herbeizuführen. Die Polizei bestreitet diese Darstellung. Eine interne Untersuchung wurde eingeleitet.

Über Umstände, die für oder gegen die Glaubwürdigkeit der Augenzeugen sprechen, ist aus bisherigen Medienberichten wenig zu erfahren. In sozialen Medien verbreitete sich jedoch bald der Narrativ von einem angeblichen Akt der „Polizeigewalt“ – und stachelte vor allem gewaltbereite Jugendliche in den Vorstädten von Paris, Toulouse, Straßburg, Bordeaux, Versailles und Lyon dazu an, Autos, Mülleimer und öffentliche Einrichtungen in Brand zu setzen.

Im Nordwesten von Paris soll auch eine Grundschule durch Brandstifter teilweise beschädigt worden sein, in einem anderen Bezirk wurden Beamte mit Feuerwerkskörpern beworfen.

Motorradfahrer ruft vom Krankenbett aus zur Ruhe auf

Der Motorradfahrer, über den es vonseiten der Staatsanwaltschaft von Nanterre hieß, er habe neben 14 Vorstrafen, unter anderem wegen Drogendelikten und Gewalttätigkeit, auch schon drei Verwarnungen wegen Verstoßes gegen die Ausgangsbeschränkungen kassiert, meldete sich mittlerweile über seinen Anwalt zu Wort.

„Ich habe zur Kenntnis genommen, dass ihr Autos demoliert habt“, sagte der Betroffene in einem Video, das an seinem Krankenbett aufgezeichnet wurde. „Ich fordere euch auf, nach Hause zu gehen und euch zu beruhigen. Die Gerichte werden sich darum kümmern.“

Dem örtlichen Abgeordneten für Seine-Saint-Denis, Stéphane Peu von der linksextremen Partei „La France Insoumise“, zufolge seien die Zahl der Teilnehmer an den Unruhen und die Schwere der Ausschreitungen gering. Im Herbst 2005 war der Stadtteil einer der Hauptschauplätze schwerer Unruhen in den Banlieues des Landes gewesen, bei denen fast 8.000 Brände gelegt und etwa 3.000 Personen verhaftet worden waren. Etwa 25.000 Personen sollen sich an den Ausschreitungen beteiligt haben.

„Kretins, Idioten und Geistesschwache“

Der damalige Innenminister und spätere Präsident Nicolas Sarkozy sprach damals von „Gesindel“, das sich dort zusammengerottet habe. Er stellte in Aussicht, er werde die Viertel „mit dem Kärcher reinigen“.

Auch Alexandre Vincendet, Bürgermeister des Bezirks Rillieux-la-Pape im ebenfalls von den Ausschreitungen betroffenen Lyon, fand deutliche Worte mit Blick auf etwa 30 Randalierer, die am Montagabend Parolen wie „Das ist die Rache für Villeneuve-la-Garenne“ skandierten. Der Politiker der konservativen Republikaner sprach von „Kretins, Idioten und Geistesschwachen“, die nicht einmal in der Lage wären, Villeneuve-la-Garenne auf der Karte zu finden. Sie suchten „nur einen Vorwand, um Dinge zu zerstören“.

Banlieues als notorische Brennpunkte

Die Banlieues, die durch schlechte Bausubstanz, ästhetische Unzulänglichkeiten und soziale Verwerfungen gekennzeichnet sind, gelten bereits seit längerer Zeit als Brutstätten von Jugendkriminalität und radikalem Islamismus.

Der Staat habe sich dort vielfach zurückgezogen, oft seien radikale islamische Gemeinden der einzig verbliebene Ordnungsfaktor. Anfang des Jahres erschien das Buch „Les territoires conquis de l’islamisme“ („Die vom Islamismus in Besitz genommenen Gegenden“) des französischen Politikwissenschaftlers Bernard Rougier.

Er hatte vier Jahre lang Feldstudien vor Ort durchgeführt und Erkenntnisse von Sicherheitsbehörden ausgewertet, ehe er zu seinem Schluss gelangte: In vielen Teilen des Landes habe sich eine Gegengesellschaft etabliert.

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