Italienische Verhältnisse? Forscher warnen vor Schulden-Chaos nach Corona auch in Deutschland

Von 23. Mai 2020 Aktualisiert: 23. Mai 2020 15:15
Während sich Deutschlands Rentner dank der Rentengarantie trotz Corona über weiterhin steigende Ruhebezüge freuen können, droht die Pandemie künftige Krisenpotenziale zu verschärfen. Künftigen Generationen drohen explodierende Schulden und geringere Einkommen.

Neben den Beamten, deren Bezüge auch während der Corona-Krise weiterlaufen, gehen Deutschlands Rentner als Gewinner aus der Corona-Krise hervor. Hingegen drohen aktiv Erwerbstätigen, sowohl selbstständigen als auch angestellten, und künftigen Beschäftigten deutliche Einbußen – Letzteren sogar dauerhaft.

Die Chefökonomin der „Welt“, Dorothea Siems, diagnostiziert in einer umfangreichen Analyse eine zunehmende Schieflage, die sich in weiterer Zukunft noch verschärfen werde. Dazu trügen insbesondere die demografische Entwicklung und das sinkende Bildungsniveau bei – ein Problem, das durch den Corona-bedingten Unterrichtsausfall noch einmal verschärft werden könnte. Der Jugend, so Siems, „blühen hohe Schulden – und im schlimmsten Szenario italienische Verhältnisse“.

Einbußen der aktiv Erwerbstätigen treffen Rentner nicht

Deutschlands Rentner dürfen sich auf den 1. Juli freuen. An jenem Tag steht ihnen eine Erhöhung ihrer Bezüge um 3,45 Prozent im Westen beziehungsweise 4,2 Prozent im Osten bevor. Für die aktiv Beschäftigten ist das mit steigenden Beiträgen verbunden.

Üblicherweise richtet sich die jährliche Rentenanpassung nach der Lohnentwicklung des vorangegangenen Jahres. Diese war 2019 positiv. In diesem Jahr ist jedoch Corona-bedingt ein drastischer Rückgang der Löhne zu erwarten, Kurzarbeit und Entlassungen verschärfen die Situation zusätzlich. Allerdings werden die Rentner die rückläufige Entwicklung nicht zu spüren bekommen, da es seit 2005 die Rentengarantie gibt, die sicherstellt, dass selbst bei rückläufiger Lohnentwicklung keine Einbußen drohen.

Zwar sollte die Rentengarantie ursprünglich in der Weise wirken, dass die Rentenanpassungen im Krisenfall in weiterer Folge geringer ausfallen sollten. Im Jahr 2018 hat die Große Koalition diese Form der „Verlustbeteiligung“ jedoch im Rahmen ihres Rentenpakets ausgesetzt.

Corona verändert Rentenniveau

Siems prognostiziert, dass das Rentenniveau von derzeit 48 Prozent des durchschnittlichen Nettolohns im Durchrechnungszeitraum nach 45 Beitragsjahren Corona-bedingt bereits im kommenden Jahr auf bis zu 52 Prozent steigen wird. Der Beitragssatz könnte hingegen schon früher als geplant von 18,6 auf 20 Prozent steigen. Ursprünglich wäre dies erst für 2025 anvisiert gewesen.

Die rentenpolitischen Leitentscheidung der vergangenen Jahren, die Ruheständler in Anbetracht steigender Löhne vor relativen Einbußen schützen sollten, werden nun, je länger die Krise anhält, eine relative Besserstellung zur Folge haben.

Für die Rentner ist das nachvollziehbarerweise eine gute Nachricht – und für die Koalitionsparteien ein günstiger Faktor im Vorfeld der Bundestagswahl im kommenden Jahr, können doch CDU, CSU und SPD gleichermaßen in überdurchschnittlichem Maße auf die Stimmen der älteren Generation bauen.

Deutschland drohen Verteilungskämpfe

Für die aktiv Erwerbstätigen bringt die Entwicklung allerdings zusätzliche Belastungen und für künftige Generationen zusätzliche Schulden. Perspektivisch könnte dies Verteilungskämpfe bedeuten, heißt es in der „Welt“. Immerhin wird die Regierung auch über schuldenfinanzierte Konjunkturmaßnahmen versuchen, den Corona-Schock für die Wirtschaft zu minimieren. Ifo-Bildungsexperte Ludger Wößmann rechnet zudem mit Einbußen im Aktiveinkommen für Leidtragende der Bildungskrise. Je nach Bildungsabschluss könnte dies einen Verlust an Lebenseinkommen von 13.500 bei Ungelernten bis zu 30.000 Euro für Akademiker bedeuten.

Während es zu keiner Anpassung der Sozialsysteme an die demografische Entwicklung gekommen sei, will die SPD an ihrem Prestigeprojekt der Grundrente festhalten. Derzeit erscheint ein solcher Schritt angesichts eines Schuldenstands von etwa 60 Prozent des BIP, der auch die EU-Stabilitätskriterien erfüllt, als wenig dramatisch. Corona könnte jedoch weiter beschleunigen und zuspitzen, was die demografische Entwicklung und zu befürchtende Probleme am Arbeitsmarkt langfristig ohnehin herbeigeführt hätten: Bis 2060 könnte, so heißt es in einer gemeinsamen Studie des Ifo-Instituts und der Ruhr-Universität Bochum zum aktuellen Tragfähigkeitsbericht des Bundesfinanzministeriums, diese Quote auf im besten Fall 75 Prozent, im schlimmeren auf bis zu 185 Prozent anwachsen. Dies wären Verhältnisse, die selbst Italien und Griechenland in den Schatten stellen würden.

Schulden könnten auf bis zu 225 Prozent des BIP anwachsen

Die Corona-bedingte Rezession macht das letztgenannte Szenario noch wahrscheinlicher, meint Finanzwissenschaftler Martin Werding, sofern es nicht noch schlimmer wird. „Man muss jetzt davon ausgehen, dass infolge der Corona-Krise die Schuldenstandsquote 2060 um 30 bis 40 Prozentpunkte größer ausfällt als in unseren bisherigen Berechnungen“, erläutert er. Dies könnte die Schuldenquote sogar auf mindestens 105 Prozent des BIP bis im schlimmsten Fall 225 Prozent anwachsen lassen.

Eine Anhebung des Rentenalters sei in den kommenden Jahren unausweichlich, meint Werding. Parallel dazu seien eine stetig hohe Zuwanderung von Arbeitsmigranten und die Erhöhung der Vollzeit-Erwerbstätigkeit für Frauen vonnöten.

Offen bleibt, ob Deutschland mit diesen Aussichten für qualifizierte Einwanderer überhaupt attraktiv genug sein wird – denn immerhin stellen Länder wie die USA, Großbritannien oder die Schweiz auf internationaler Ebene eine erhebliche Konkurrenz dar. Zum anderen haben ein Wachstum der Erwerbstätigkeit von Frauen und ein Ausbau der außerfamiliären Kinderbetreuung bis dato einen Rückgang der Geburtenrate und nicht ein Wachstum bewirkt. Solange hier keine Trendwende einkehrt, könnte selbst der von Werding angesprochene Ansatz den drohenden Kollaps des Umlagesystems allenfalls aufschieben.

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