Kindermörder Marc Dutroux fordert Freilassung: Zeugin berichtete von „reichen und mächtigen Männern”, die bei Sexfeten Kinder töteten

Von und 25. August 2018 Aktualisiert: 7. September 2018 9:21
Der Anwalt des belgischen Kindermörders Marc Dutroux hat an die Hinterbliebenen der Opfer geschrieben, um mit ihnen eine mögliche vorzeitige Freilassung seines Mandanten unter Auflagen zu erörtern. Der Fall Dutroux erschütterte Belgien in seinen Grundfesten und wurde bis heute nicht aufgeklärt.

Vor 22 Jahren, am 13. August 1996, wurde der Kindermörder Marc Dutroux festgenommen. Der Fall Dutroux erschütterte Belgien in seinen Grundfesten, er hat Belgien traumatisiert und in aller Welt für Entsetzen gesorgt.

Marc Dutroux wurde zum meistgehassten Mann des Landes.

Haftentlassung gefordert

Nun hat der Anwalt des Schwerverbrechers an die Hinterbliebenen der Opfer geschrieben, um mit ihnen eine mögliche vorzeitige Freilassung seines Mandanten unter Auflagen zu erörtern.

Sein Brief sei ein „Schritt der Öffnung“ und ein Gesprächsangebot, sagte der Anwalt Bruno Dayez am Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP.

Damit wolle er vor einem Antrag auf vorzeitige Haftentlassung von Dutroux klären, ob die Hinterbliebenen in diesem Zusammenhang Forderungen stellten und um welche es sich handele, sagte Dayez. Nach seinen Angaben verfasste er das Schreiben in Abstimmung mit seinem Mandanten. Es solle in den kommenden Tagen an die Eltern der vier Mädchen geschickt werden, die Dutroux in den Jahren 1995 und 1996 vergewaltigt und ermordet hatte.

Auch Sabine Dardenne und Laetitia Delhez sollen angeschrieben werden. Sie waren ebenfalls als Kinder von Dutroux entführt, festgehalten und vergewaltigt worden, hatten aber überlebt. 2004 wurde Dutroux zu lebenslanger Haft verurteilt, eine vorzeitige Haftentlassung schloss das Gericht im südbelgischen Arlon damals aus.

Während seines Prozesses hatte Dutroux kein Wort des Bedauerns geäußert und keine Entschuldigung hervorgebracht. Dayez argumentiert nun, damals sei „die Frucht noch nicht reif“ gewesen. Mittlerweile seien aber 22 Jahre vergangen. Dutroux ist heute 61 Jahre alt, er sitzt seit 1996 im Gefängnis.

Im Februar hatte Dayez ein Buch mit dem Titel „Warum Dutroux freilassen“ veröffentlicht. Darin vertritt er die These, dass kein verurteilter Verbrecher länger als 25 Jahre in Haft bleiben sollte. Bis zum Jahr 2021 will der Verteidiger eine Freilassung seines Mandanten unter Auflagen erreichen.

Der Fall wurde nie aufgeklärt

2016, 20 Jahre nach der Verhaftung des Kindermörders, erklärten der ehemalige belgische Justizminister Marc Verwilghen und der frühere Chefankläger Michel Bourlet, dass der Fall nie vollständig aufklärt wurde. „Ich wurde immer wieder gestoppt“, sagte Verwilghen, der zwei Untersuchungsausschüsse zu dem Komplex geleitet hatte, damals der „Welt“.

Er habe immer wieder neue Ermittlungen gefordert, damit herausgefunden werden könne, ob es Verbindungen von Dutroux zu einem international agierenden Kinderschänder-Netzwerk gegeben habe.

„Weil der Fall aber eben nicht ausermittelt wurde, ist diese Frage bis heute unbeantwortet“, sagte Verwilghen 2016 gegenüber der Zeitung. Er denke jeden Tag an das, was Dutroux den Kindern und seinem Land angetan habe.

Nachdem Dutroux im August 1996 gefasst worden war, wurden Dardenne und Delhez aus dem Kellerverlies seines Hauses befreit. Wenig später führte Dutroux die Ermittler zu den Leichen von vier weiteren Mädchen im Alter von acht bis 19 Jahren. Sie waren vergewaltigt und misshandelt worden.

Der Fall erschütterte das Vertrauen der Belgier in ihren Staat, weil die Polizei Hinweise vor der Verhaftung von Dutroux ignoriert hatte und Spuren zu einem Netzwerk nicht nachgegangen wurden. Bourlet sagte der „Welt“:

Ich verstehe nicht, warum die Ermittlungen, die ich gefordert habe, nicht geführt wurden.“

So könne auch er nicht mit Sicherheit sagen, was hinter dem Fall stecke. „Das ist das Problem. Aufgabe der Justiz ist es, nach der Wahrheit zu suchen. Um Beweise zu finden, muss hart gearbeitet werden. Doch wenn erst gar nicht ermittelt wird, gibt es kein Wissen.“

Dutroux wurde als Einzeltäter verurteilt. Es gab aber immer den Verdacht, dass er Teil eines pädophilen Netzwerks gewesen war, für das er die Drecksarbeit erlegigt hatte – die Kinderbeschaffung und schließlich ihre Beseitigung. Angeklat wurden damals auch der Geschäftsmann Jean-Michel Nihoul, Michel Lelievre und Dutrouxs Ehefrau Michelle Martin.

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Dutroux erzählte 2004: An der Entführung der zwei Mädchen An und Eefje in 1995 seien zwei ihm unbekannte Männer beteiligt gewesen, die sich später als Polizisten oder andere Ordnungshüter entpuppt hätten. Er behauptete auch, dass die beiden achtjährigen Kinder Julie und Melissa zu ihm gebracht worden seien. Er sei nach Hause gekommen, und Nihoul, Lelièvre, ein Komplize Bernard Weinstein und seine Frau Michelle hätten mit den Kindern im Wohnzimmer gesessen.

Seine Frau habe ihm eröffnet, die beiden Mädchen seien entführt worden und müssten für einige Zeit in seinem Haus untergebracht werden. Erst danach habe er von dem Netzwerk Nihouls erfahren. „Damals wusste ich nicht einmal, was ein Pädophiler ist“, sagte Dutroux.

Zeugin berichtet von mächtigen Männern die bei Sexfeten junge Mädchen töteten

Die Belgierin Regina Louf meldete sich zu Beginn der Ermittlungen als anonyme Zeugin bei der Polizei. Sie erzählte in ihren Vernehmungen von grauenvollen Erlebnissen. Louf gab zu Protokoll, dass sie in ihrer Kindheit von einem Pädophilenring missbraucht worden sei, darunter habe sich auch Nihoul befunden. Angeblich sei er 1984 auch mitverantwortlich für die bislang nicht aufgeklärte Ermordung eines jungen Mädchens gewesen.

Weiters sprach Louf von „reichen und mächtigen Männern, die bei Sexfeten junge Mädchen vergewaltigen, foltern und manchmal töten.“

Belgische Ermittler und Mediziner haben einige ihrer Aussagen überprüft und kamen zu dem Ergebnis, dass es genügend Gründe gäbe Louf ernst zu nehmen. Ihre Aussage lautete: Dutroux sei der Zulieferer und Jean-Michel Nihoul der Organisator des Kinderpornorings gewesen.

„Ich kenne Nihoul seit Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre. Er hat sich kaum verändert. Sein Äußeres ist gleich geblieben. Ich erkannte ihn dann auch sofort, als einen der Zuhälter der die Kinder missbrauchte und für Sexparties ausbildete,” sagte Louf in einem Interview mit dem ZDF in 2004.

Experten bestätigten, dass Louf in ihrer Kindheit massiven sexuellen Missbrauch ausgesetzt war. Diese Experten sagten auch, es würde sich lohnen die Aussagen von Regina Louf zu untersuchen.

Die belgische Justiz beurteilte die Aussagen Loufs allerdings als „unzuverlässig und größtenteils unglaubwürdig“, sodass sie nicht als Zeugin im Prozess gegen Nihoul zugelassen wurde.

Die Hintermänner des Verbrechens werden geschützt

„Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht daran denken muss, was dieser Verbrecher meiner Eefje angetan hat“, sagte Jean Lambreck, Vater eines der Opfer, bei einem Treffen in Brüssel 2016.

Besonders schmerzt es mich, dass in dem Fall nach wie vor die Hintermänner der Verbrechen geschützt werden, weil sie offenbar einflussreiche Persönlichkeiten durch Erpressung in der Hand haben.“

Mit dieser Vermutung steht Lambreck nicht allein da, die meisten Belgier glauben laut Umfragen, dass sie von offiziellen Stellen belogen werden, berichtete die „Welt“ 2016.

Michel Bourlet, der damalige Chefankläger im Fall Dutroux, spricht selbst von Sabotage. Bourlet kritisierte, es habe zahlreiche Spuren zu unbekannten Personen gegeben, denen der Ermittlungsrichter nicht nachgegangen sei: „Gott weiß, warum!“

27 Zeugen kamen ums Leben

Der Skandal um Dutroux erschütterte Belgien in den Neunzigerjahren nachhaltig und sorgte weltweit für Entsetzen. Wie konnte es sein, dass ein polizeibekannter Sexualstraftäter, der wegen Entführung und Missbrauch bereits mehrere Jahre in Haft gesessen hatte, nicht früher gefasst worden war?

2004 wurde Dutroux schließlich zu lebenslanger Haft verurteilt. Aber Zweifel begleiteten den Fall weiter: Wurde wirklich alles getan, um den Fall aufzuklären? Gibt es noch weitere Opfer? Und weitere Täter?

Zahlreiche Spuren – zum Beispiel Tausende von Haaren in Dutrouxs Keller in dem die toten Mädchen gefunden wurden – sind gesichert worden. Diese hätten aber nicht den bekannten Tätern oder Opfern zugeordnet werden können, heiß es damals seitens der Ermittler. Wer hinterließ diese Spuren? Weitere unbekannte Opfer oder etwa Leute, denen Dutroux die Kinder zur Verfügung gestellt hatte?

Zudem war Dutroux offiziell Sozialhilfeempfänger. Er besaß jedoch fünf Häuser. Zudem hatte er einige Garagen und Lagerhallen gemietet. Dutroux hatte mehrere Bankkonten, auf denen große Summen eingezahlt wurden, kurz nachdem er zwei Kinder entführt hatte. Woher das Geld stammt, weiß man bis heute nicht.

Weder sein Nachfolger noch der Ermittlungsrichter hätten ein Interesse gehabt, diese Untersuchungen zu führen, kritisierte Bourlet.

Zudem kamen mindestens 27 Zeugen im Fall Dutroux auf mysteriöse Art ums Leben. Auch ein Staatsanwalt, der zum Anklagetrio gegen Dutroux gehören sollte, lebt nicht mehr: Hubert Massa. Es wird behauptet, dass Massa sich in seinem Büro erschossen habe, ebenso ein ermittelnder Polizist. Beide glaubten, die Verbrechen an den Kindern wurden durch ein internationales Netzwerk ausgeführt.

Marc Dutroux und die toten Zeugen:

Hinweise auf Netzwerk – Eine Spur nach Berlin

Spuren, denen nicht nachgegangen wurde, befinden sich auch in Dutrouxs Akte. In den Dokumenten gibt es zahlreiche Hinweise auf Verbindungen des Kindermörders zu einem international verzweigten Netzwerk. Eine der Spuren führt nach Berlin zu einem Gernot U.. Laut Spurensuche war dieser im Berliner Telefonbuch mit Adresse und Telefonnummer vermerkt, berichtete die „Welt“.

Heute kenne Gernot U. in dem Mehrfamilienhaus niemand mehr. Die heutigen Mieter seien zu jung oder eben gerade eingezogen, so die Zeitung. Die Berliner Polizei jedenfalls habe über Gernot U. keine Informationen von den belgischen Behörden erhalten.

Ex-Chefankläger Bourlet sagte: „Ich weiß nichts über diesen Gernot. Wahrscheinlich ist das in der Akte nicht die einzige Information, die niemals überprüft wurde.“ Wer war Gernot U.? War er nur ein Bekannter von Dutroux oder war er Teil eines internationalen Kinderschänder-Rings? Diese und viele andere Fragen blieben unbeantwortet, weil niemand ermittelte.

Dutroux: „Ja, es gibt ein Netzwerk, das sind Schwerverbrecher“

Dutroux selbst erklärte im Prozess 2004, nicht allein gehandelt zu haben: „Ja, es gibt ein Netzwerk, das sind Schwerverbrecher. Ich stand in Verbindung mit bestimmten Leuten.“

Jahre später verfasste er einen Brief an den Vater von Eefje, eines der getöteten Mädchen. Er schrieb, er werde „auf dem Altar der Interessen der kriminell Unantastbaren“ geopfert. Diese Leute seinen „tadellos organisiert“ und verfügten über Mittel, „die königlichen Institutionen“ zu beeinflussen. Zum Fall Eefje schrieb Dutroux, dass vonseiten der Justiz alles unternommen worden sei, „damit die Wahrheit nur bei einem Einzeltäter gesucht wurde“.

Der Vater des ermordeten Kindes verlangte Aufklärung darüber, wer diese Unantastbaren sind. „Ich höre erst auf zu kämpfen, wenn ich die Wahrheit kenne. Das bin ich meiner Tochter schuldig,“ sagte er damals.

Bis heute jedoch weiß die Öffentlichkeit nicht, wer diese unantastbaren Leute sind.

Opfer von rituellem Missbrauch: „Ich wurde als Kind hunderte Stunden lang vergewaltigt“:

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