Das „Übermenschen“-Syndrom: Kulturmarxismus und der Hass auf die Werte der Mittelklasse

Von 4. Oktober 2018 Aktualisiert: 5. Oktober 2018 17:49
Der "Kampf gegen rechts" rechtfertigt offenbar zunehmend jede Wahl der Mittel. Dennis Prager ist der Frage nachgegangen, welche Rolle bürgerlicher Selbsthass dabei spielt.

Wer heute öffentlich den linksliberalen Konsens infrage stellt, ist immer häufiger Schmähungen, Drohungen, Sachbeschädigungen, körperlichen Angriffen, Belästigungen auch seiner Familie oder beruflichen Konsequenzen ausgesetzt. Der „Kampf gegen rechts“ rechtfertigt offenbar zunehmend jede Wahl der Mittel. Dennis Prager ist der Frage nachgegangen, welche Rolle bürgerlicher Selbsthass dabei spielt.

Die Bilder sind mittlerweile in weiten Teilen der westlichen Welt ähnlich. In den USA sind es Aufmärsche mit Mützen, die Genitalien darstellen sollen, Events wie das Anbrüllen des Mondes oder die teils infantile, teils gespenstische Inszenierung von Protesten gegen eine Höchstrichternominierung mit Schundliteraturkostümen, vulgärem Gebrülle und Übergriffen auf Andersdenkende, mit denen Trump-Gegner agieren. Dazu kommen linksextreme Mobs, die vor den Häusern Andersdenkender aufmarschieren oder diese in Restaurants belästigen. Abgeordnete der Demokraten und Medien bedenken dies mit kaum verhohlenem Beifall.

In Deutschland dehumanisieren unter anderem Politiker in Schlips und Kragen wie Johannes Kahrs oder Martin Schulz sowie halblustige Comedians wie Jan Böhmermann und Oliver Welke teils in Gossensprache Andersdenkende. Die Straftaten der „Antifa“ gegen deren Eigentum oder Leib und Leben folgen nicht selten auf dem Fuß. Der Bundespräsident unterstützt offen ein Konzert, bei dem zertifizierte Linksextremisten zum Hass aufrufen und andere Headliner-Acts gewaltverherrlichende und frauenverachtende Texte darbieten.

Betont bürgerliche Honoratioren bis hin zu kirchlichen Würdenträgern gehen Hand in Hand mit totalitären Gewalttätern und Personen, deren Auftreten ohne politische Ummantelung oft Anlass für Einweisungen in neurologische Fachkliniken wäre – und sie treten zusammen auch noch im Namen von Anstand und Moral auf. Weite Teile des gehobenen Bürgertums oder Parteien wie die CDU haben sich dem Druck gebeugt oder unterstützen sogar selbst das Vorgehen der extremen Linken. Nicht selten ist es gerade das, was viele einfache Normalbürger am heutigen Herrschaftsdiskurs derjenigen nachhaltig abstößt, die sich „demokratische Kräfte“ nennen in bewusster und dämonisierender Abgrenzung zu ihren Kritikern.

„Linksradikale fühlen sich an gängige Anstandsregeln nicht gebunden“

Und doch ist es wenig verwunderlich, wenn man genauer hinsieht und entdeckt, dass der angesehene Richter oder Diplomat und der Punk, der das Auto des AfD-Kandidaten in Brand setzt, oft Vater und Sohn sind, unter einem Dach leben und ihr Abitur an der gleichen Privatschule abgelegt haben. Ein strenger Moralkodex bestimmt auch heute wieder das bürgerliche Milieu und das öffentliche Leben, viel strenger als in früheren Zeiten – dessen normative Inhalte unterscheiden sich davon jedoch fundamental.

Dennis Prager hat sich jüngst in einem Essay für die „Heritage Foundation“ mit dem Phänomen des bürgerlichen Selbsthasses auseinandergesetzt und mit dem Kampf gegen die traditionellen Werte der Mittelklasse, die in der gesamten westlichen Welt zum Feindbild der extremen Linken in- und außerhalb der Universitäten geworden sind.

„Als ich selbst im Studium stand, habe ich viel über die Linke gelernt“, schreibt Prager. „Eine Lektion war, dass, während die meisten Liberalen und Konservativen den gesellschaftlichen Vorstellungen von Ordnung und Anstand folgen, die meisten Linksradikalen sich an diese Regeln nicht gebunden fühlen.“

Die linksextreme Eroberung des akademischen Raumes in den 1960er Jahren folgte hüben wie drüben diesem Muster. Wer sich nicht fügte, wurde niedergebrüllt. Studenten stürmten Hörsäle und Institutsleitungen und erhoben „nicht verhandelbare“ Forderungen. In Deutschland entstand die RAF, in den USA griffen Gruppen wie die Black Panthers oder der Weather Underground zur Gewalt – auch zu Folter und Mord – und wurden aus der extremen Linken dafür auch noch finanziell belohnt.

Diese Muster haben sich bis heute erhalten. In den USA ist es für Konservative, Antikommunisten oder Israelfreunde unmöglich bis gefährlich geworden, an Universitäten Veranstaltungen durchzuführen. In Deutschland kann man mit Fug und Recht sagen, der heutige „demokratische Konsens“ ist von den 68ern herbeigebrüllt, von den linken Medien herbeimanipuliert und von der Antifa herbeigeprügelt worden.

Kopieren linker Taktiken durch Rechte ist Reaktion auf ungehemmten Machtwillen

Bei Konservativen sind ähnliche Verhaltensweisen nicht zu beobachten. Diese Feststellung trifft Prager mit Bezug auf die USA. Im Kern stimmt dies auch für Deutschland, auch wenn es bei Phänomenen wie Pegida durchaus auch vorkommen kann, dass Politiker oder Journalisten von Teilnehmern ihrer Demonstrationen oder bei öffentlichen Auftritten beschimpft werden. Die Unterschiede im Stil könnten eine Konsequenz daraus sein, dass die Abgrenzung zwischen Konservativen und beispielsweise der nationalistischen Alt-Right in den USA trennschärfer ist als die zwischen Konservativen und Nationalisten in Deutschland, wo auch der Nationalkonservatismus seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts „linker“ ist als der amerikanische. So verbindet beispielsweise Björn Höcke gesellschaftlichen Nationalromantizismus mit kapitalismuskritischen Ansätzen in der Wirtschaftspolitik. In den USA wäre dies kaum denkbar.

Das Kopieren „linker“ Taktiken in der deutschen Rechten ist jedoch vor allem eine Reaktion auf die moralisierende Ausgrenzung durch das „anständige“ Deutschland, das bürgerliche Form mit marxistischen Inhalten verbindet. Es ist Ausdruck einer zunehmenden Überzeugung, dass man einer Linken mit ungehemmtem Willen zur Macht, der dafür jedes Mittel als legitim erscheint, nicht mit bloßer Wohlanständigkeit beikommen kann. Eine solche hat auch dazu beigetragen, dass Donald Trump sich in den republikanischen Vorwahlen so deutlich gegen profilierte Konservative mit Etikette wie Marco Rubio oder Jeb Bush durchsetzen konnte.

Warum aber fehlt es der Linken an jedwedem Unrechtsbewusstsein, wenn sie Andersdenkenden, insbesondere Konservativen, nicht nur abspricht, legitime Interessen zu artikulieren, sondern ihnen am liebsten ihre verfassungsmäßigen Rechte entziehen möchte? Dennis Prager meint, die Wurzel dieses Phänomens sei eine vollständige Negation bürgerlicher, jüdisch-christlicher und Mittelklasse-Werte.

Amy Wax umriss klassisches bürgerliches Ideal

Die einzige Quelle von Werten der Linken ist sie selbst. Sie glauben nicht nur, im Besitz der Wahrheit zu sein – das glaubt im Grunde jeder -, sie fühlen sich gegenüber anderen allein kraft ihrer Gesinnung moralisch überlegen. Es ist ein Selbstverständnis als „Übermenschen“, das sie auszeichnet: Sie halten sich für Menschen auf einem so hohen moralischen Level, dass herkömmliche Konventionen über ziviles Verhalten oder Anstand sie nicht binden.

Den Kern dessen, was der von der Linken so vehement bekämpfte traditionelle bürgerliche Wertebestand darstellt, hat Amy Wax, eine Juraprofessorin an der Universität von Pennsylvania, im August 2017 in einem apologetischen Artikel für den „Philadelphia Inquirer“ dargelegt:

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„Heirate, bevor Du Kinder hast und versuche, allein schon zu deren Wohl, dies zu bleiben. Strenge Dich an, die Ausbildung zu bekommen, die Dir eine gut bezahlte Arbeit ermöglicht, arbeite hart und vermeide Eitelkeit. Geh für Deinen Chef oder Kunden die Extra-Meile. Sei ein Patriot, der bereit ist, dem Land zu dienen. Sei ein guter Nachbar, zeige Gemeinsinn und sei hilfsbereit. Vermeide unflätige Ausdrücke in der Öffentlichkeit. Respektiere Autoritäten. Vermeide Suchtmittelmissbrauch und Verbrechen.“

Diese Verhaltensnormen waren fast in der gesamten westlichen Welt zwischen dem Ende des Zweiten Weltkrieges und Mitte der 1960er Jahre unumstritten. Heute scheint bloß noch das Verlangen nach Respekt vor Autoritäten geblieben zu sein – weil diese jetzt links sind.

Dass die „bürgerliche Kultur“, die sich um diese Vorstellungen rankte, seit damals einen solchen Niedergang erlebte, erklärt die heutigen Krankheiten der Gesellschaft, legte Wax später im „Wall Street Journal“ nach, „und diese Kultur zurückzugewinnen würde viel dazu beitragen, diese zu heilen“.

„Linke fürchtet Mike Pence noch mehr als Donald Trump“

Allein schon, dass sie dies öffentlich geschrieben hat, hatte zur Folge, dass fast die Hälfte ihrer Kollegen an der Fakultät sie in einem offenen Brief verurteilte. Und jüngst habe sie der Dekan gefragt, ob sie nicht darauf verzichten wolle, im nächsten Jahr einen Erstsemesterkurs zu unterrichten und stattdessen ein Sabbatjahr nehmen wolle. Die Nationale Anwaltsgilde von Pennsylvania stellte offen in Frage, ob das Unterrichten von Erstsemestern durch jemanden wie Wax in Anbetracht ihres öffentlichen Bekenntnisses zu bürgerlichen Werten überhaupt „angemessen“ wäre.

Die Verachtung für traditionelle Mittelklassewerte zeige sich auch im Verhalten der Linken gegenüber Vizepräsident Mike Pence. Prager schreibt:

„Was traditionelle jüdische und christliche Verhaltensregeln anbelangt, braucht man nur auf die Verachtung der Linken für die Religiosität des Vizepräsidenten zu blicken. Allein schon dafür fürchten sie noch mehr als sogar Präsident Donald Trump. Man hätte meinen können, dass Linke, so sensibel sie sich geben, was die sexuelle Belästigung von Frauen anbelangt, eigentlich Pence für seinen eisern durchgehaltenen Grundsatz bewundern würden, nie allein mit einer anderen Frau als seiner eigenen Essen zu gehen. Stattdessen verhöhnen sie ihn dafür.“

Das hohe Maß an Selbstgerechtigkeit und das Fehlen jedweder bürgerlicher, jüdisch-christlicher oder Mittelklasse-Werte sei es, was Linke zu bösartigen Menschen mache. Sie erklären, warum sie auch keine Schamgrenzen kennen, etwa wenn sie sogar die Kinder von Donald Trump oder Richter Brett Kavanaugh zur Zielscheibe ihres Spottes machen.

Jenseits von Gut und Böse

In Deutschland ist es nicht anders. Als beispielsweise die „heute show“ von Oliver Welke erst nach massiven Protesten einen Beitrag löschte, in dem dieser den sprachbehinderten AfD-Politiker Dieter Amann für dessen Stottern verhöhnt hatte, blieb der Eindruck zurück, die ZDF-Verantwortlichen bedauerten, erwischt worden zu sein, eher als die Tat selbst.

Wer den kulturmarxistischen Konsens infrage stellt, ist – im wahrsten Sinne des Wortes „totalitär“ – nicht nur meiner gesamten Persönlichkeit, sondern auch mit seinem gesamten zivilen Leben Dämonisierung und Dehumanisierung anheimgegeben. Kein Wunder, dass Linke, wenn es gegen Dissidenten geht, auch deren körperliche Merkmale oder deren Familie als legitime Zielscheibe für Angriffe betrachten.

Wer zu den selbsterklärten moralisch Guten gehört, ist, wie Amerikaner bis in die 1960er Jahre hinein diese Worte verstanden haben, frei nach Nietzsche „jenseits von Gut und Böse“.

Prager schreibt weiter:

„Natürlich gibt es auch gemeine Konservative – man braucht sich nur einige bösartige anonyme Kommentare im Internet anzusehen. Und es ist ein moralischer Skandal, dass [die Kavanaugh der sexuellen Belästigung beschuldigende Christine Blasey] Ford Morddrohungen erhalten hat.

Der Unterschied ist, dass Linke nicht einmal mehr in die Anonymitäten flüchten, um ihre Bösartigkeit auszuleben, weil sie sich an die traditionellen Vorstellungen von zivilisiertem Verhalten, die sie verachten, nicht mehr gebunden fühlen.“

Der Hass auf die Werte der Mittelklasse ist es, was Linke dazu bringt, auch Menschen, die wie US-Vizepräsident Mike Pence ein ehrenhaftes Leben führen, Verächtlichkeiten und Pöbeleien auszusetzen, erklärt Prager. Leute wie Pence, oder andere gläubige Christen oder Juden, versuchen nach einem Gesetz zu leben, das höher ist als sie selbst.

„Eine solche Ethik versuchen Übermenschen zu zerstören. Und sie haben damit Erfolg.“