Ein Mann in Schutzkleidung teleofoniert, im Hintergrund das unter Quarantäne gesetzte Kreuzfahrtschiff Diamond Princess.Foto: CHARLY TRIBALLEAU/AFP via Getty Images

„Horrorshow auf dem Ozean“ – Wissenschaftler: Kreuzfahrtschiff unter Quarantäne macht keinen Sinn

Von 19. Februar 2020 Aktualisiert: 25. Mai 2020 15:51
"Ich denke, das war von Anfang an eine schlechte Lösung", sagte Dr. Amesh Adalja, Spezialist für Infektionskrankheiten über die verhängte Quarantäne auf dem Kreuzfahrtschiff "Diamond Princess".

Es sollte so schön sein: Sommer, Sonne, blaues Meer. Unbekümmert genossen über 2.500 Passagiere ihren Urlaubsaufenthalt auf dem Kreuzfahrtschiff „Diamond Princess“. Dann begann der Albtraum. Bei einem 80-Jährigen, der in Hongkong von Bord gegangen war, wurde das Coronavirus nachgewiesen. Das komplette Schiff samt 1.000 Besatzungsmitgliedern wurde am 5. Februar vor Japans Küste unter Quarantäne gestellt. Einige halten diese Idee für gut, andere Experten zweifeln.

Dr. Amesh Adalja, Spezialist für Infektionskrankheiten und leitender Wissenschaftler am Johns Hopkins Center for Health Securita in Baltimore, sagte: „Ich denke, das war von Anfang an eine schlechte Lösung.“ Er hielt die Quarantäne für „grausam und unmenschlich“ – eine „Horrorshow auf dem Ozean“.

Die über eine Woche andauernde Schiffsquarantäne habe zu einer erheblichen Ausbreitung des Virus geführt. Auch der Quarantäne-Offizier sei betroffen, sagte Adalja gegenüber „Live Science“.

Solange diese Quarantäne andauere, würden sich mehr und mehr Passagiere infizieren. Gerade auf dem engen Raum sei es schwierig, Ansteckungen zu vermeiden.

„Es wird angenommen, dass dieses [Virus] nicht überall ist. Aber ich denke, es ist bereits überall“, sagte der Wissenschaftler. Aus diesem Grunde bringe eine Quarantäne nichts.

Keine wirkungsvolle Quarantäne auf der „Diamond Princess“

Carol Shoshkes Reiss, Professorin für Biologie und Neuralwissenschaften an der New Yorker Universität, ist anderer Meinung. Sie hält die Quarantänen für eine gute Sache – „wenn sie richtig durchgeführt werden“.

Bei einer Vielzahl von Menschen müssten diese in kleine Gruppen eingeteilt und getrennt isoliert werden. „Je länger sie mehrere tausende Menschen in einer derartigen Situation gemeinsam unterbringen, desto mehr Infektionswellen werden sich ausbreiten“, sagte Reiss.

Wenn Passagiere einzeln isoliert werden, könnten sie vom Virus verschont bleiben. Aber es sei nicht klar, ob die Räume durch das Belüftungssystem auf dem Schiff untereinander verbunden sind. In diesem Fall könnte sich das Coronavirus auf diese Weise ausgebreitet haben, wie ein Fall aus Hongkong zeigte. Dort wurde laut „New York Times“ eine Bewohnerin mit dem Virus infiziert, obwohl sie zehn Stockwerke unterhalb der ersten infizierten Person wohnte.

Quarantäne auf einem Schiff wie der „Diamond Princess“ sei nicht das, „was wir als idealen Zustand bezeichnen würden“, sagte Dr. William Schaffner, ein Spezialist für Infektionskrankheiten an der Vanderbilt-Universität. Es sei wahrscheinlich, dass das Virus mehr Menschen an Bord infiziere.

Wenn aber die Reisen ohne Vorsorgeuntersuchungen oder Quarantäne fortgesetzt worden wären, hätte es sich weiterverbreitet. Dann hätte es „vielmehr Einschleppungen des Coronavirus“ in den USA und andere Länder gegeben.

Gefahrenzonen: Sauna und Klimaanlage

Cai Zonghong, ehemaliger Arzt der Abteilung für Infektionskrankheiten des Kaohsiung Rongmin General Hospital und Direktor der Chonglan-Klinik, glaubt, dass derzeit infizierte Personen an Bord in zwei Teile unterteilt werden können. Die erste Gruppe hat sich vor der  Isolierung an Bord infiziert, die andere während der Isolierung.

Der erste Tourist, der sich infiziert hatte, war ein 80-jähriger Mann aus Hongkong. Er hatte während der Kreuzfahrt die Sauna genutzt. Da das neue Coronavirus durch Tröpfchen übertragen wird, ist das Infektionsrisiko dort besonders groß.

Auch wenn die Übertragung durch Klimaanlagen nicht eindeutig bestätigt sei, halte er die Übertragung durch Aerosole – kleinste Tröpfchen mit Coronavirus – für möglich. Wenn sich die Tür zu einer Kabine öffnet, könnte der Luftzug das Virus in Richtung Tür blasen.

Der Arzt Kong Li, zuständig für Innere Medizin am Flushing Hospital New York, sieht in dem Quarantäneschiff keine echte Isolation. „Die überwiegende Mehrheit der Menschen befindet sich immer noch in derselben großen geschlossenen Umgebung.“ Eine wahre Isolation bestehe bei einer Trennung aller Räume, Lüftungs- und Sanitärsystem. Zudem teilen sich mehrere Personen manche Kabinen. Keine idealen Bedingungen. Dadurch steige das Infektionsrisiko sogar, betont der Mediziner.

Keine Ausbildung für Schutzmaßnahmen

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Ein Besatzungsmitglied teilte gegenüber Medien mit, dass Mundschutz, Handschuhe und Händedesinfektionsmittel auf dem Kreuzfahrtschiff vorhanden seien. Das Personal sei jedoch kaum geschult, um die Wahrscheinlichkeit einer Infektion wirksam zu verhindern.

Wenn die ungeschulten Besatzungsmitglieder weiterhin das Management der „Diamond Princess“ führen, könne durch Lebensmittel oder andere Versorgung weiterhin das Virus übertragen werden, kritisierte Cai Zonghong. Dass selbst der Quarantäneoffizier sich mit dem Virus infiziert hat, führte der Arzt darauf zurück, dass dieser außer Mund-Nasen-Schutz und Handschuhe keine andere Schutzkleidung hatte. Ein weiterer Grund könnte das Berühren der Handläufe und Wände an den engen Stelle des Kreuzfahrtschiffes sein. Dies erhöhe die Wahrscheinlichkeit einer Infektion.

Die Ausbildung des medizinischen Personals sei wichtig, sagte Cai Zonghong. In China sei das Gesundheitssystem zusammengebrochen. Obwohl viele Patienten an dem Coronavirus gestorben seien, so starben sie doch indirekt an unzureichenden medizinischen Ressourcen.

Debatte verhindert Virentests

Japanische Medien berichteten am 12. Februar, dass die japanische Regierung darüber debattiert, ob trotz knapper Ressourcen Virentests für alle an Bord eingesetzt werden sollen. Einige Experten befürchten, dass eine effektive Prävention von Epidemien in anderen Teilen Japans nicht möglich ist, wenn alle Ressourcen für die „Diamond Princess“ verwendet werden.

Eine erste Gruppe von mehreren hundert Passagieren durfte am 19. Februar nach 14-tägiger Quarantäne und negativen Tests das Schiff verlassen. Zugleich aber meldete das japanische Gesundheitsministerium, dass an Bord 79 weitere Infektionsfälle aufgetreten seien. Damit sind inzwischen insgesamt 621 Menschen infiziert, die meisten von ihnen wurden in Krankenhäuser gebracht. Die „Diamond Princess“ war mit insgesamt 3771 Menschen an Bord am 5. Februar unter Quarantäne gestellt worden, nachdem an Bord das neuartige Coronavirus festgestellt wurde.

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