Linkskandidat gewinnt Wahlen in Mexiko – verspricht „radikalen Wandel“ und Freundschaft zu USA

Epoch Times2. Juli 2018 Aktualisiert: 2. Juli 2018 13:54
Der neu gewählte Präsident Mexikos ist die große Hoffnung vieler Menschen in dem lateinamerikanischen Land, das seit viel zu vielen Jahren von einem mörderischen Drogenkrieg erschüttert wird und unter Korruption und Armut leidet.

Auf dem zentralen Platz in Mexiko-Stadt kennt die Freude keine Grenzen: „Mexiko hat entschieden, eine neue Ära einzuläuten! Die Revolution des (kollektiven) Bewusstseins hat gesiegt!“ Vor einer riesigen, begeisterten Menschenmenge tritt Andrés Manuel López Obrador auf dem Zócalo in der mexikanischen Hauptstadt auf, hunderte Autos fahren zudem hupend im Kreis. Der neu gewählte Präsident Mexikos ist die große Hoffnung vieler Menschen in dem lateinamerikanischen Land, das seit viel zu vielen Jahren von einem mörderischen Drogenkrieg erschüttert wird und unter Korruption und Armut leidet.

Der 64-jährige Linkskandidat López Obrador hat den Mexikanern einen radikalen Wandel versprochen, ein Aufräumen mit den verfilzten Strukturen in dem Land, das seit Jahrzehnten von Politikern aus den immer gleichen Parteien PRI und PAN beherrscht wird. Die Liberalen und Konservativen haben in den Augen vieler Mexikaner das Land heruntergewirtschaft und nur sich selbst die Taschen gefüllt.

„Uns ist es gelungen, die politische Klasse der ‚Mafia‘ zu besiegen, genauso wie wir in Russland den Fussball-Weltmeister besiegt haben“, ruft Samuel Pimentel stolz. Der Anhänger von López Obrador ist Trainer einer Jugend-Fußballmannschaft in dem ärmlichen, von Gewalt geprägten Bezirk Iztapalapa von Mexiko-Stadt.

Wie im Fußballstadion in Russland beim Mexiko-Spiel vibriert der Hauptplatz Zócalo, der als das Herz des Landes gilt, von den rhythmischen Rufen der Menge: „Ja, wir haben es geschafft, ja, wir haben es geschafft!“ Zehntausende sind hier, um den Wahlsieg ihres Kandidaten zu feiern. Viele Menschen sind in grünen T-Shirts gekommen, der Farbe der Nationalmannschaft, und mit den Farben der mexikanischen Fahne auf ihr Gesicht gemalt.

„Wir haben gegen die Mafia an der Macht ein Tor geschossen. Diesmal hat das Volk gewonnen!“ Blanca Durán ist außer sich vor Freude, wie ihre vier Kinder trägt die Hausfrau einen Hut der Partei Morena von López Obrador, der zuvor schon zwei Mal vergeblich für die Präsidentschaft kandidiert hatte – jedes Mal hatte er knapp gegen die Kandidaten von PRI und PAN verloren.

AMLO, wie López Obrador kurz in Mexiko genannt wird, verspricht den Mexikanern eine „sparsame“ Regierung, „ohne Luxus“, die nah bei den Menschen ist. Den Präsidentenpalast will er zum Kulturzentrum machen, sein eigenes Gehalt kürzen und das Präsidenten-Flugzeug verkaufen. „Ich werde euch nicht enttäuschen, ihr werdet nicht enttäuscht sein“, ruft der Linkskandidat im Beisein seiner Frau seinen Anhängern auf dem Zócalo zu. „Ich bin mir meiner historischen Verantwortung sehr bewusst. Ich will als guter Präsident in die Geschichte eingehen.“

Eine Mariachi-Band spielt auf dem Platz und singt mit voller Inbrunst: „Wundschönes und geliebtes Mexiko“. Der 56-jährige Elektriker Juventino López spricht vielen auf dem Zócalo aus dem Herzen: „Das ist unsere Fiesta. Endlich hat das Volk gewonnen!“ Der Bäcker Guillermo Aburto, der eigens aus der Küstenstadt Veracruz am Golf von Mexiko angereist ist, stimmt ihm zu: „Wir haben auf das hier viele Jahre gewartet, das ist der Umbruch, den wir brauchen.“

Unter seinem Strohhut sagt der Landarbeiter Eusebio Tejeda, dass er für den Linkskandidaten gestimmt habe, „weil er dem Volk geholfen hat“. Die Menge stimmt nun in Anlehnung an die Geschichte Lateinamerikas revolutionäre Schlachtrufe an: „El pueblo unido, jamás será vencido!“ (Ein vereintes Volk wird nie besiegt werden)

López Obrador, dem seine Gegner vorwerfen, er sei ein linker Volkstribun und Populist, geht auf die Stimmung ebenso emotional ein: „Liebe wird mit Liebe vergolten, so wie ihr mich liebt, liebe ich euch – und ein bisschen mehr,“ ruft er über den Platz. Und den Menschen mit all ihren Hoffnungen und Ängsten gibt er mit auf den Weg: „Viva México!“

López Obrador hat die Präsidentschaftswahl in Mexiko offiziell gewonnen. Der 64-Jährige López Obradorkam am Sonntag auf 53 bis 53,8 Prozent der Stimmen, wie die offiziellen Hochrechnungen zeigen. Der Konservative Ricardo Anaya kam demnach auf 22,1 bis 22,8 Prozent und José Antonio Meade von der Regierungspartei PRI auf 15,7 bis 16,3 Prozent.

Obrador versprach den Mexikanern einen „tiefgreifenden Wandel“, ohne eine „Diktatur“. Er werde sich außerdem für ein Verhältnis „der Freundschaft und der Zusammenarbeit“ zum Nachbarland USA einsetzen, sagte Obrador. (afp)

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