Die Christrose, ein Weihnachtsgeschenk der Natur

Von 19. Dezember 2013 Aktualisiert: 19. Dezember 2013 8:53

Heleborus niger, die Schwarze Nieswurz, wird auch Christrose, Schneerose oder Weihnachtsrose genannt. Die Pflanze mit den schlichten, strahlend weißen, roten oder auch gelben Blüten wurde bei uns zu einer der beliebtesten Weihnachtsblumen. Wie eine Schneekönigin zeigt sie ab Dezember ihr elegantes, filigranes Blütenkleid. Bei Frost und eisiger Kälte trotzt die immergrüne Christrose dem Winter. „… Schön bist du, Kind des Mondes, nicht der Sonne; die wäre tödlich, andrer Blumen Wonne …“, beschrieb Eduard Mörike die erstaunliche Pflanze.

Beheimatet ist die Christrose in den Alpen, sowie im Apennin und im nördlichen Balkan. Zu finden in Höhenlagen bis zu 1900 Metern, hat sie sich optimal an winterliche Temperaturen angepasst. Als Standort bevorzugt  sie lichte Waldränder und Gebüsche. Sie gedeiht  gut auf kalk- und humusreichen sowie auf steinigen Böden. Nach der Artenschutzverordnung ist die Christ- bzw. Schneerose, da in Deutschland sehr selten, eine besonders geschützte Pflanze und nach der Roten Liste Deutschlands wird sie wegen der Sammel- und Ausgrabungsleidenschaft einiger Menschen als  gefährdet eingestuft.

Schön und heilbringend, doch auch tödlich

Alle Teile dieser schönen von Mythen umrankten Schneerose sind hochgiftig. Bei Vergiftungen kommt es zu Erbrechen, Durchfall, Schwindel, Ohrensausen und Herzklopfen bis zum Delirium. Es empfiehlt sich, sofort den Notarzt zu rufen.

Als homöopathisches Mittel, wohl dosiert, ist die schwarze Nieswurz als Heilmittel gegen Schwächezustände, Krämpfe, Konvulsionen, Schwindelzustände und auch bei Kreislaufkollaps bekannt.

Die Pflanze enthält, insbesondere in ihren schwarzen Wurzeln, neben dem Saponin Hellebrin noch hochwirksame Digitalis-Glykoside. Nieswurz-Präparate werden daher heute gerne als Heilmittel in der Herz­medizin eingesetzt. In alten Zeiten, bei den Sumerern, Griechen und Römern, war die schwarze Nieswurz als wirksames Mittel gegen Nervenleiden und Geisteskrankheiten bekannt. Ein Sprichwort der alten Römer „Heleborus opus habet“- „Er hat die Nieswurz nötig“ unterstreicht die Wichtigkeit der Nieswurz bei geistiger Verwirrung.

Legendenreicher Winterblüher

In einer Weihnachtsgeschichte der schwedischen Schriftstellerin Selma Lagerlöf, in der ein ungläubiger König zum Christentum bekehrt wird, spielt die Christrose eine der Hauptrollen. Auch in dem Theaterstück „Romeo und Julia“ von William Shakespeare spielt die Christrose / Nieswurz eine zwar unrühmliche, doch sehr wichtige Rolle: Romeo verlangt von einem Apotheker ein schnell wirksames, todbringendes Gift, um zu sterben.

In dem  Märchen „Zwerg Nase“ von Wilhelm Hauff hilft herzhaftes Niesen dem verzauberten Jacob zu seiner ursprünglichen Gestalt zurück. Das hierfür benutzte Niespulver wurde aus der Wurzel der Nieswurz / Christrose hergestellt. Noch heute sind die geriebenen Wurzeln der Pflanze ein Bestandteil von Schnupftabak. Ob sich der Mönch Laurentius Ende des 16. Jahrhunderts beim Stapfen durch den Schnee angesichts einer Christrose tatsächlich zu dem Lied  „Es ist ein Ros’ entsprungen“  inspirieren ließ, bleibt eine offene Frage. 

Gift oder Schönheit, Legende oder Wahrheit, die Christrose erfreut uns in der Weihnachtszeit. Wie eine Schneekönigin in einem unwiderstehlich, weiß schimmernden Blütenkleid wird sie auch weiterhin den kalten und frostigen Wintertagen trotzen. 

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