Erfolg und Gewissen – PUMA-Chef Jochen Zeitz im Interview

Epoch Times26. Januar 2011 Aktualisiert: 26. Januar 2011 13:28
Gewissen spielt beim Geldverdienen eine wichtige Rolle – Werte sind sicherer Kompass durch Krisenzeiten – Fair, ehrlich, positiv und kreativ auch als Global-Player

Interview mit Jochen Zeitz, Top-Manager und Chef von PUMA

Werte als sicherer Kompass durch Krisenzeiten

 

 

The Epoch Times: Herr Zeitz, ich begrüße Sie zu unserem Gespräch. Sie haben gemeinsam mit Pater Anselm Grün ein Buch geschrieben „Gott, Geld und Gewissen. Mönch und Manager im Gespräch“, was hat Sie dazu motiviert?

Jochen Zeitz: Das waren verschiedene Gründe. Auf der einen Seite bin ich ein sehr neugieriger Mensch und nachdem ich Pater Anselm vor fast drei Jahren kennengelernt habe, dachte ich mir, dass es eigentlich ganz spannend wäre, gemeinsame Themen, die uns aus unterschiedlichsten Blickwinkeln wie der Ökonomie und der Religion heraus wichtig sind, zu diskutieren. Auch unter der Fragestellung: Wo sind Gemeinsamkeiten, wo nicht? In meiner Generation ist man häufig mit folgender Definition groß geworden: Die Religion sorgt für die Werte, die Politik für die Rahmenbedingungen, die Wirtschaft für den Wohlstand und die Gesellschaft sorgt sich darum, dass alles im Einklang ist. Aber ich denke, dass es in Zukunft Zusammenrücken aller Akteure geben muss, um die Probleme, vor allem im Bereich Umwelt, gemeinsam zu lösen. Insofern fand ich den Dialog mit Pater Anselm von der Religion über die Wirtschaft bis hin zur gemeinsamen Verantwortung für eine bessere Welt sehr spannend und sehr inspirierend.

The Epoch Times: Also ein verbindendes Element schaffen und erkennen, das eine ergänzt und bedingt das andere?

Zeitz: Ja, denn jeder denkt, Gott, Geld und Gewissen sind so nicht vereinbar. Es wird uns ja von Kritikern vorgehalten, dass wir eigentlich in vielen Dingen zu sehr einer Meinung sind. Weil sowohl das Gewissen beim Geldverdienen eine wichtige Rolle spielen muss als auch Gott aufgrund unserer Erziehung in der Wirtschaft seinen festen Platz hat, aber das Geld natürlich auch in der Religion von Anfang an eine Rolle gespielt hat. Insofern gibt es da tatsächlich sehr viele Gemeinsamkeiten. Ich glaube, es ist uns ganz gut gelungen, mal vom Schubladendenken wegzukommen und uns zu fragen: Wie verbindet man diese drei Begriffe eigentlich miteinander?

The Epoch Times: Ganz spannend. Sie haben einen Satz gesagt: Geld macht mich nicht glücklich. Was macht Sie glücklich?

Zeitz: Natürlich ist es ein beruhigendes Gefühl, wenn man sich keine existenziellen Sorgen machen muss und finanziell unabhängig ist. Aber glücklich zu sein ist nochmal etwas ganz anderes. Was macht mich glücklich? Es ist die Freude am Leben, das Leben heute ganz im Hier und Jetzt zu leben und auch mal den Augenblick zu genießen, ohne gleich immer an die Herausforderungen von morgen zu denken. Und die vielen Dinge, mit denen ich mich befasse, sowohl im Privaten wie auch im Geschäftlichen. Ich bin froh und glücklich darüber, heute die Dinge machen zu können, für die ich Energie, eine Passion und eine Leidenschaft habe. Ein Beispiel ist das Thema Nachhaltigkeit, auf das ich mich seit einiger Zeit neben anderem konzentriere und das ich bei meinen beruflichen und privaten Projekten voranbringen möchte.

The Epoch Times: Sich selbst, seinem Glauben und seinen Werten treu zu sein und die Freiheit zu haben, es sich erlauben zu können. Das muss kein Widerspruch sein – oder vielleicht gerade erst  dadurch entsteht die Möglichkeit, es so machen zu können?

Zeitz:
Das ist mit Sicherheit richtig. Das Leben bietet gleichermaßen immer ein Auf und Ab, aber die Orientierung sollte sein, es im Positiven zu leben und zu gestalten.

The Epoch Times: Ja, genau. Den Nachhaltigkeitsgedanken haben Sie bei Puma geprägt. Welche Wirkung hatte diese Ausrichtung in der Krise, sind Sie anders durch die Krise gekommen als andere Unternehmen?

Zeitz:
Ich würde nicht sagen, dass sich unser Verhalten deutlich geändert hat. Aber dadurch, dass wir uns klare langfristige Ziele gesteckt haben, geht man nicht mehr die Kompromisse ein, die man vielleicht machen würde, wenn man kurzfristig orientiert ist. Und als Unternehmen sind wir vor allem nachhaltig, ökonomisch, ökologisch und sozial orientiert. Deshalb haben wir in guten wie in schlechten Zeiten eine klare Strategie und orientieren uns jetzt nicht nur an der Krise. Wir haben natürlich in allen Unternehmensbereichen umfassend darauf reagiert, aber ohne wirklich die langfristigen Ziele in Frage zu stellen. Insofern würde ich sagen, dass wir zwar kurzfristig Maßnahmen ergreifen mussten, aber nicht auf Kosten der Nachhaltigkeit.

The Epoch Times: Bedeutet das diese Nachhaltigkeitswerte haben Sie durch eine schwerere Krisenzeit geleitet, ohne als Unternehmen die Orientierung zu verlieren?

Zeitz: Das sehe ich so. Unternehmen müssen zwar immer auch langfristig denken und die Nachhaltigkeitsdebatte, die geführt wird, ist sicherlich auch eine Wertedebatte. Mit dem heutigen Kenntnisstand im Bereich Nachhaltigkeit muss man sich diesem Thema allerdings in guten wie in schlechten Zeiten stellen und so gezielt Veränderungen herbeiführen.

Fortsetzung:   2.Teil des Interviews mit Jochen Zeitz

 

Das Interview führte Eva-Marie Schiffer

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