Todesursache: schmutziges Wasser

Epoch Times2. Oktober 2006 Aktualisiert: 2. Oktober 2006 9:38

Trotz weltweiter Fortschritte bei der Trinkwasserversorgung sterben weiter jedes Jahr 1,5 Millionen Kinder unter fünf Jahren an Durchfall, weil sie verschmutztes Wasser getrunken haben. Nach neuesten Berechnungen von UNICEF haben insgesamt 425 Millionen Kinder in Entwicklungsländern keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Fast eine Milliarde Mädchen und Jungen leben ohne sanitäre Einrichtungen unter unhygienischen Bedingungen, die ihre Gesundheit stark gefährden. Dies sind die Ergebnisse des neuen UNICEF-Berichts „Fortschritt für Kinder: zur Wasserversorgung und Hygienesituation der Kinder in der Welt“, der letzte Woche in New York und Genf vorgestellt wurde.

Der vollständige Bericht zum Download (PDF, 1,3 MB, in englischer Sprache)

Schätzungsweise die Hälfte der jährlich rund 120 Millionen Neugeborenen in den Entwicklungsländern kommen in Haushalten auf die Welt, in denen es nicht einmal einfache sanitäre Anlagen gibt. Fast 90 Prozent aller Durchfallerkrankungen werden durch verschmutztes Wasser und fehlende Hygiene verursacht. Durchfälle sind eine der häufigsten Todesursachen bei Kindern unter fünf Jahren. Jeden Tag sterben über 4.000 Kinder daran. Zudem verursachen oder verschlimmern wiederkehrende Durchfälle chronische Mangelernährung. Auch Infektionskrankheiten wie Lungenentzündungen breiten sich unter den unhygienischen Bedingungen schneller aus. Jedes Jahr werden dadurch zusätzlich 2 Millionen Kleinkinder getötet. Der Wasser- und Hygienenotstand verhindert auch, dass sich Kinder aus der Armut befreien können. So müssen in den Entwicklungsländern viele Mädchen täglich stundenlange Fußmärsche auf sich nehmen, um in Kanistern, Eimern oder Krügen Wasser zu beschaffen. Und weil viele Schulen keine getrennten sanitären Einrichtungen haben, dürfen die älteren Mädchen oftmals nicht mehr zum Unterricht kommen.

„Kinder zahlen einen hohen Preis für schmutziges Wasser. Alle 15 Sekunden stirbt ein Kind, weil sauberes Wasser und einfachste sanitäre Anlagen fehlen“, sagte Dietrich Garlichs, Geschäftsführer von UNICEF Deutschland. Bild vergrößern

Kampf gegen Wasser- und Hygienenotstand braucht mehr Ressourcen

Seit 1990 haben 1,2 Milliarden Menschen weltweit verbesserten Zugang zu sauberem Wasser und einfachen sanitären Anlagen erhalten. Doch vor allem in ländlichen Gebieten des südlichen Afrika und Südasiens sind die Fortschritte gering. In Südasien sind fehlende sanitäre Anlagen die größte Gesundheitsgefahr. Nur jeder dritte Einwohner hat Zugang zu Latrinen. Allein im ländlichen Indien leben 600 Millionen Menschen ohne jede Versorgung mit sanitären Anlagen.

Die internationale Gemeinschaft hat sich zum Ziel gesetzt, den Wasser- und Hygienenotstand bis zum Jahr 2015 zu halbieren. Dieses Millenniumsziel kann aber nur dann erreicht werden, wenn auch die Regierungen der Entwicklungsländer dafür mehr Ressourcen zur Verfügung stellen. Für die Versorgung der Ärmsten mit einfachen Trinkwasser- und Sanitäranlagen müssen bis 2015 jährlich 11,3 Milliarden Dollar aufgebracht werden. 80 Prozent dieser Mittel werden in Asien und Afrika benötigt.

Bevölkerung wächst schneller als Wasserversorgung

Am schlimmsten ist der Wasser- und Hygienenotstand in Afrika südlich der Sahara: Dort müssen 45 Prozent der Bevölkerung ohne sauberes Trinkwasser auskommen. Gleichzeitig ist hier die Kindersterblichkeit weltweit am höchsten. 20 Prozent der Kinder in der Region sterben, bevor sie fünf Jahre alt werden – viele von ihnen an Krankheiten, die sich durch bessere Hygiene und sauberes Wasser vermeiden ließen. In West- und Zentralafrika stieg die Zahl der Menschen, denen nicht genügend sauberes Trinkwasser zur Verfügung steht, seit 1990 sogar weiter an. Der Grund: Die Fortschritte bei der Wasserversorgung sind so gering, dass sie nicht mit dem schnellen Bevölkerungswachstum Schritt halten können.

In Asien leben nach wie vor weltweit die meisten Menschen ohne genügend sauberes Wasser und unter unhygienischen Verhältnissen. Allein in China und Indien gelangen die Abwässer von mehr als 1,5 Milliarden Menschen ungefiltert in die Umwelt. Zudem gefährdet die Verseuchung des Grundwassers mit Arsen und Fluoriden in mehreren Ländern – insbesondere in Bangladesch, Indien, Nepal und Pakistan – die Gesundheit von 50 Millionen Menschen.

Meist ist die Landbevölkerung schlechter gestellt als die Einwohner von Städten. 90 Prozent der weltweit eine Milliarde Menschen, die nicht genug sauberes Wasser zur Verfügung haben, leben auf dem Land. Von den 2,6 Milliarden Menschen, die ohne sanitäre Anlagen auskommen müssen, leben zwei Milliarden in ländlichen Regionen. Das Gesundheitsrisiko, das durch den Mangel an Latrinen entsteht, ist in den wachsenden Slums der Großstädte jedoch wesentlich höher. Bereits heute lebt die Hälfte aller Stadtbewohner in den Entwicklungsländern in solchen Armutsvierteln.

So hilft UNICEF

UNICEF unterstützt Wasserprojekte sowie Aufklärungsprogramme zur Verbesserung der Hygiene in 90 Entwicklungsländern. So können zum Beispiel einfache Hygienemaßnahmen wie Händewaschen mit Seife Durchfallerkrankungen um 40 Prozent reduzieren. Zur kosten-günstigen Behandlung von schwerem Durchfall setzt UNICEF einfache Zucker-Salz-Lösungen ein, die das Austrocknen des Körpers verhindern, und berät Behörden und Gesundheitseinrichtungen bei der Anwendung. In Krisenregionen wie im Libanon oder in der sudanesischen Provinz Darfur und nach Naturkatastrophen wie in Pakistan und dem Tsunami in Asien unterstützt UNICEF die Versorgung von Millionen Menschen durch den Bau von Brunnen, Latrinen oder die Verteilung von Trinkwasser mit Lastwagen.

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