Die Mutter aller Blasen

Von 22. Oktober 2008 Aktualisiert: 22. Oktober 2008 8:59

„We live in – Financial Times.“ Vollmundig klingt es aus dem TV-Werbespot für die größte Wirtschaftszeitung der Welt. Klang es, um genau zu sein. Seit einigen Tagen ist der Spot nicht mehr zu sehen. Schade eigentlich, trifft er den Nagel im Moment doch so sehr auf den Kopf wie nie zuvor. Wir leben in Zeiten der Finanz, genauer gesagt, der Finanzkrise. Einer weltweiten, weltumspannenden, die offiziell ausgelöst wurde durch lax vergebene Immobilienkredite und unbändige Gier aller Beteiligten im Finanz- und Immobiliensektor.

Das System hat seine ganze Macht und Zerstörungswut gezeigt, indem es 25-jährige Uni-Absolventen an die Front schickte und sie in Hedge-Fonds über die Geschicke tausender Kleinanleger entscheiden ließ. Verlockend der Tagesablauf eines Münchner Investmentbankers, der, frisch von der Uni, ein Jahressalär von 100.000 Euro nach Hause trägt – ohne Provisionen selbstverständlich. Wer weniger als die gleiche Summe noch einmal mit privaten Spekulationen machte, gehörte zu den Verlierern. Und die besten Tipps, die bekam man nun einmal nicht unter Tags von den Unternehmen, über deren Wohl und Wehe mit einem Handstreich entschieden wurde, sondern am Abend in den diversen In-Bars der Finanz-Schickeria. Hier wurde das wahre Business gemacht, die große Sause.

Nun ist die Party zu Ende. Und das Ende vom mittlerweile eindeutig nach Blues klingenden Lied, ist, dass sich die Welt auf dem Weg in die größte Wirtschaftskrise seit den Dreißiger Jahren zubewegt. Einige Stimmen behaupten sogar, auf die größte Krise des Industriezeitalters. Worte wie Hyperinflation und Staatsbankrott werden immer ungenierter ausgesprochen und finden ihren Weg von den ehemals als Verschwörungstheoretiker angesehenen mahnenden Stimmen in die Mainstream-Medien, die nicht unwesentlich zur Entstehung der „Mutter aller Blasen“ beigetragen haben. Und wie geht´s weiter? Wer über die Seriosität der Analysten in den Investmentbanken und Ratingagenturen in den vergangenen Jahren Bescheid weiß, tendiert eher dazu, den ehemaligen „Verschwörungstheoretikern“ zu glauben als dem Establishment. Denn all die etablierten Analysten und Experten sind Teil des Systems, das die derzeitigen Probleme überhaupt verursacht hat.

Und auch hier gilt das Prinzip, die Hand nicht zu beißen, die einen füttert. In Südkorea wurde ein Analyst bereits gefeuert, weil er es wagte, die Missstände in der Branche offen anzusprechen, und weil er die Verantwortung der Kollegenschaft einmahnte. Nein, aus der „Matrix“ selbst ist nicht viel an sinnvollen Zukunftsprognosen zu erwarten. Zu groß ist der Druck der Masse – mitgehangen, mitgefangen. Das gilt für alle, für die Wirtschaft ebenso wie für die Politik und die Medien. Die chinesischen Schriftzeichen geben uns vielleicht einen Lösungsansatz – das Zeichen für Krise bedeutet gleichzeitig „Hoffnung“, „Chance“. Hoffnung auf eine Flurbereinigung, die uns neue Eliten beschert, die sich nicht gnadenlos verheizen lassen, sondern Verantwortung für andere übernehmen, nicht nur für die eigene Geldbörse. Wenn die Mutter aller Blasen eine solche neue Oberschicht gebiert, waren die uns bevorstehenden Geburtswehen nicht vergebens.

Text erschienen in The Epoch Times Deutschland Nr. 43/08

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