Börsenprofi Dirk Müller: Das ist die größte Wirtschaftskrise in der Menschheitsgeschichte

Von 30. April 2020 Aktualisiert: 1. Mai 2020 15:09
Die Corona-Krise lässt die Weltwirtschaft zusammenbrechen. Schon jetzt zeichnen sich die dramatischen Folgen ab. Dass es noch schlimmer wird, von dem ist Börsianer Dirk Müller überzeugt. Dennoch hält er eine Krise auch immer für eine Chance.

Wie verheerend die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Weltwirtschaft sind und noch sein werden, lässt sich in Ansätzen bereits erkennen. Und all dies, sagt Börsenprofi „Mr. Dax“ Dirk Müller, sei erst der Anfang.

Viele Mittelständler sehen sich in ihrer Existenz bei einem weiterhin anhaltenden Shutdown bedroht. Das geht aus einer Mitgliederumfrage des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft (BVMW) hervor, über die das „Handelsblatt“ berichtet. Demnach sieht sich jedes zweite mittelständische Unternehmen (51 Prozent) vor dem Aus, sollte der Shutdown der Wirtschaft noch weitere vier Wochen andauern.

Mehr als drei Viertel der Unternehmen und Selbstständigen (76 Prozent) habe angegeben, dass die bisher ausgezahlten staatlichen Hilfen nicht ausreichten, um den Finanzbedarf zu decken. Derzeit versorgten sich viele Konzerne mit Liquidität, um in der Krise flüssig zu bleiben. Laut der BVMW-Umfrage haben mehr als 50 Prozent der befragten Betriebe Soforthilfen beantragt, über ein Drittel (35 Prozent) will für seine Beschäftigten Kurzarbeitergeld in Anspruch nehmen.

Kredite verlagern eine Insolvenz häufig nur in die Zukunft – es braucht einen Exit-Fahrplan

Genutzt würden auch andere Hilfsmaßnahmen wie das Aussetzen von Steuervorauszahlungen oder Steuerstundungen (jeweils 19 Prozent). BVMW-Präsident Mario Ohoven warnte davor, dass mit Krediten allein Mittelständlern nicht nachhaltig geholfen sei, da sie die Schuldenlast weiter erhöhten und somit eine Insolvenz häufig nur in die Zukunft verlagert werde.

„Der Mittelstand braucht jetzt einen Dreiklang aus einem konkreten Exit-Fahrplan, raschen Liquiditätshilfen sowie einem Konjunkturprogramm mit nachhaltigen Steuersenkungen“, sagte Ohoven dem „Handelsblatt“. Sonst drohe bei mittelständischen Unternehmen und Selbstständigen „ein Kahlschlag ungeahnten Ausmaßes“.

Aber nicht nur die deutsche Wirtschaft wird durch die Krise enorm in Mitleidenschaft gezogen, sondern die gesamte Weltwirtschaft.

In den USA beispielsweise haben die Ausgangssperren die Wirtschaftsaktivität in weiten Teilen zusammenbrechen lassen. Die Arbeitslosigkeit wurde in die Höhe und viele Unternehmen in die Pleite getrieben. Seit Mitte März haben 26,5 Millionen Amerikaner Arbeitslosengeld beantragt – Einzelhandelsumsätze, Wohnungsbau und Verbrauchervertrauen sind stark gefallen. Auch die Börsen rund um den Globus sind massiv eingebrochen.

Dirk Müller: Der Crash war vorhersehbar

Mit Blick auf die dramatischen Entwicklungen spricht Börsianer Dirk Müller im Interview mit „Focus-Online“ von „der größten Wirtschaftskrise in der Geschichte der Menschheit“.

Er sagt, ein großer Crash wäre auch ohne Corona gekommen und sei schon „längst überfällig“. Das Virus sei jetzt nur als verschärfendes Element dazu gekommen. Doch das System würde schon seit Jahren ächzen. Die derzeitige Lage dürfe keinen Experten überraschen. „Bei diesen Exzessen, man muss sich nur die enormen Schulden anschauen“, sagt er.

Im Gegensatz zur Finanzkrise 2008 wäre es dieses Mal offensichtlich gewesen, dass der Crash kommt. In den Medien hätte jeder die prekäre Lage in China mitverfolgen können. US-Konzerne hätten ihre Mitarbeiter bereits Ende 2019 aus China abgezogen.

Doch die deutschen Politiker hätten sich noch hingestellt und „verharmlost“, obwohl die weiteren Entwicklungen für die gesamte Welt klar gewesen wären. „China ist das industrielle Herz der Welt, die Region um Wuhan im Südosten Chinas ist komplett zusammengebrochen. Das hat jeder gesehen, das ist keine Raketenwissenschaft!“, betont Müller. Dass so ein Ereignis „dramatische“ Auswirkungen auf die Lieferketten und dadurch auf die Weltwirtschaft haben würde, wäre „offensichtlich“ gewesen.

Eine solche Krise, wie die derzeitige, habe es in der Weltgeschichte noch nicht gegeben, fährt Müller fort. Die Situation wäre „gefährlicher und kritischer“ als 1929.

Damals ging es zwar um 90 Prozent nach unten, aber eben über einen Zeitraum von mehr als zwei Jahren. Und jetzt haben wir einen Kursverfall in wenigen Wochen gesehen“, sagt er.

Zudem gäbe es einen Angebots- und Nachfrageschock und einen Zusammenbruch des Gesundheitssystems. Diese Kombination habe es 1929 nicht gegeben. „Das bedeutet: Wir erleben jetzt die größte Wirtschaftskrise der Menschheitsgeschichte“, sagt er. Und dies werde massive finanzielle Auswirkungen haben.

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Müller: Problematisch sind nicht die Banken, sondern die zusammenbrechende Weltwirtschaft

Als Anleger brauche man jetzt eine Strategie und Cash, fährt der Börsenprofi fort. Denn am Aktienmarkt könne es noch schlimmer werden, als es derzeit schon ist. „Wenn Anleger 20 oder 30 Prozent Verluste verkraften müssen, dann können sie beispielsweise mit 30 Prozent der Cash-Reserve in die Märkte reingehen“, so Müller.

Zudem sollten sich Anleger genau anschauen in welche Unternehmen sie investieren. „Wie ist die Marktsituation? Wie ist die Verschuldung? Ist es systemrelevant? Hat es Macht?“, all dies müsse man sich fragen.

Der Experte betont auch, dass die Banken im Moment nicht das Problem seien, sondern eine zusammenbrechende Weltwirtschaft. „Das hat eine viel größere Dimension.“ Bankpleiten würde es dann in den nächsten Monaten „reihenweise“ geben – wegen ausfallender Kredite. Er betont, dass es eine Massenpleite bei kleinen und mittelständischen Unternehmen geben werde, da wir einen „Riesen-Schuldenberg“ aufgebaut hätten. Profitieren würden davon die großen Konzerne wie beispielsweise Amazon.

Müller sieht die Krise aber auch als „große Chance“. Man könne die Zeit zu Hause nutzen und sich „sinnvolle Gedanken“ machen. In einer Krise würden auch immer gute Dinge entstehen. Deshalb sein Tipp: Nicht schwarzmalen, sondern das Beste aus der Krise machen.

(Mit Material von dts)