Fusionsgespräche von Deutscher Bank und Commerzbank – Scholz hat viel zu verlieren

Von 19. März 2019 Aktualisiert: 19. März 2019 21:08
Geradezu in der Luft zerrissen wird die möglicherweise bevorstehende Fusion von Commerzbank und Deutscher Bank in der Wirtschaftspresse. Bis Ende April soll „ergebnisoffen“ über eine solche Option gesprochen werden. Auch eine mögliche Kanzlerkandidatur von Olaf Scholz könnte jetzt schon scheitern.

Über die „Deutsche ComPost“ höhnt „Focus“-Redakteur Volker Tietz in seinem Kommentar zu den Fusionsplänen, die seit Tagen die deutsche Bankenwelt umtreiben. Dieser theoretisch sogar denkbare, de facto aber höchst unvorteilhafte Name würde zwar nie offiziell werden, schreibt er, aber er „macht gut deutlich, wie zukunftsträchtig es wohl sein dürfte“, sollten die Commerzbank und die Deutsche Bank fusionieren – die ihrerseits erst mit der Postbank zusammengewachsen war.

Das Großinstitut, das entstehen könnte, hätte immerhin nach derzeitigem Stand weltweit etwa 50 Millionen Kunden. Die Bilanzsumme würde sich auf knapp zwei Billionen Euro belaufen. Insgesamt kommen die Geldhäuser auf 140 000 Mitarbeiter – eine Zahl, die sich mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht aufrechterhalten ließe. Ver.di befürchtet jetzt schon einen Abbau von bis zu 30 000 Stellen hier in Deutschland. Seit Anfang der Woche wird nun „ergebnisoffen“ über eine Fusion gesprochen, bis Ende April soll das Ergebnis stehen.

Durchwachsene Bilanz der Fusionen von 2008

Auch Tietz schwant nichts Gutes beim Gedanken an einen solchen Zusammenschluss: Zu vielen Riesen hat er bereits in der Vergangenheit dabei zusehen können, wie sie sich am Ende gegenseitig ein Bein stellten, statt im Gleichschritt zu marschieren. Unterschiedliche Strukturen, Philosophien und Unternehmenskulturen lasse sich eben nicht mit der Brechstange auf gleiche Höhe bringen.

Der Focus-Redakteur erinnert an die letzten Großfusionen vor zehn Jahren, im Jahr 2008, als die weltweite Finanzkrise gerade ihren Höhepunkt erlebte. Für die Allianz war der gleichsame Notverkauf der Dresdner Bank an die Commerzbank ein traumatisches Erlebnis: Das erst sieben Jahre zuvor für 23 Milliarden Euro über den Ladentisch gegangene Unternehmen wechselte für weniger als die Hälfte den Besitzer. Zu allem Überfluss erlebte die Allianz wenig später auch mit der Idee, selbst als Bankhaus aufzutreten, ein Fiasko.

Die Commerzbank musste aber selbst zwei milliardenschwere Finanzspritzen aus Steuermitteln in Anspruch nehmen, um den Kauf zu stemmen. Das Vorhaben durfte aus Sicht der Politik nicht scheitern, denn die Staatsbank der Volksrepublik China hätte sogar eine noch höhere Summe für die Dresdner Bank auf den Tisch geblättert. Das damit verbundene systemische Risiko war jedoch auch der Regierung in Berlin zu hoch.

Weder der Zusammenschluss aus Commerzbank und Dresdner noch jener aus Deutscher Bank und Postbank, wie er im Windschatten davon in Angriff genommen wurde, geriet zur wirklichen Erfolgsgeschichte – selbst dann nicht, als sich der Pulverstaub der Finanzkrise verzogen hatte.

Scholz hat wenig zu gewinnen und viel zu verlieren

Und wenn nun in einem weiteren Schritt Commerzbank und Deutsche Bank zusammenwachsen sollen, könnte, so argwöhnt Tietz, der daraus entstehende Dinosaurier längst entscheidend an Terrain verloren haben gegenüber kleinen, modernen und flexiblen FinTechs, die derzeit wie Pilze aus dem Boden schießen.

Tietz sieht den Druck des Hedgefonds Cerberus hinter dem ökonomisch risikoträchtigen Vorhaben. Der Finanzdienstleister ist an beiden Banken beteiligt, seine erwirtschafteten Ergebnisse bleiben hinter seinen Ambitionen zurück. Die Fusion könnte da einem Akt der Schadensbegrenzung gleichkommen.

Für jemand anderen wird sie jedoch zum High-Risk-Manöver: Bundesfinanzminister Olaf Scholz. Er hat Deutsche-Bank-CEO Christian Sewing grünes Licht für die Verhandlungen gegeben. Sollte das Ergebnis der Gespräche unbefriedigend ausfallen oder eine Fusion mit einem zu hohen Verlust an Arbeitsplätzen einhergehen, könnte dies den Anfang vom Ende möglicher Kanzlerambitionen bedeuten.

Publizist Gabor Steingart schreibt dazu im Focus:

Sollte es wirklich zur Verschmelzung kommen, wartet auf die beteiligten Spitzenmanager und den im Hintergrund agierenden SPD-Finanzminister ein Jahr des Missvergnügens: Filialschließungen, ein Sozialplan für mindestens 20 000 Menschen, die ihren Job verlieren und die Zusammenlegung zweier Führungsteams, die bislang gegeneinander gespielt hatten, garantieren Straßenproteste, Tränen und Intrigen im Vorstand.“

„Verzicht auf Investmentbanking machte Deutsche Bank bedeutungslos“

Ohne dass sich die zuletzt von Wertverlusten gebeutelten Banken eines nennenswerten Vorteils sicher sein könnten, und ohne dass die Option, die Deutsche Bank als Juniorpartner mit einem größeren europäischen Partner zu verschmelzen, ernsthaft erwogen worden wäre, könnte Scholz auch die immer mächtigere Parteilinke gegen sich aufbringen. Eine Kanzlerkandidatur wäre in einem solchen Fall so gut wie aussichtslos.

Markus Schön sieht in einem Kommentar für das „Manager-Magazin“ hausgemachte Versäumnisse als entscheidenden Faktor für den Niedergang der einst stolzen Deutschen Bank. Die in Deutschland auch im Finanzwesen ausgeprägte Neigung, aus Risikoaversion resultierende Unbeweglichkeit als Tugend zu verkaufen, habe auch hier wieder mitgespielt:

„Im Rückblick zu bereitwillig hat die Deutsche Bank die Augen vor den Risiken hoch komplexer Investmentgeschäfte verschlossen. Als Ex-Chef Josef Ackermann strategisch umsteuerte, kam die Finanzkrise, durch die er die Deutsche Bank sicher gebracht hat, während damalige Wettbewerber wie Goldman Sachs Börsen-Chart zeigen oder JP Morgan teilweise existenziell bedroht waren und andere Wettbewerber verschwunden sind. Die Stärke der US-Banken ist aber auch deren Mut geschuldet, weiter Investmentbanken bleiben zu wollen, während die Deutsche Bank – sichtlich beeindruckt durch die Skandale und den politischen Druck – nun auch Investmentbanking quasi zum ‚Teufelszeug‘ erklärt. So endet man dort, wo man heute steht – in der internationalen Bedeutungslosigkeit.“

Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung des Verfassers dar. Er muss nicht zwangsläufig die Sichtweise der Epoch Times Deutschland wiedergeben.
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