Europäische Handelskammer: „Im März werden in Europa etliche Produkte knapp werden“

Epoch Times26. Februar 2020 Aktualisiert: 11. März 2020 15:01
Die Folgen der Corona-Epidemie sind weit größer als die meisten glauben, so Jörg Wuttke, Chef der EU-Handelskammer in China. Deutsche Firmen, die in China produzieren, steuern auf einen Bankrott zu. Die Probleme werden ab März so richtig zu spüren sein.

Nach Ansicht des Präsidenten der Europäischen Handelskammer in China, Jörg Wuttke, werden die wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Epidemie in Deutschland stark unterschätzt. Die Auswirkungen seien gerade auch für deutsche Firmen, die dort produzieren, vielfach verheerend, da sie seit Wochen keine Einnahmen mehr haben, sagte Wuttke der „Welt“ (Mittwochsausgabe). „Für große Konzerne ist das meist kein Problem. Aber viele Mittelständler kommen schon jetzt in die Bredouille.“

Sie trieben auf den Bankrott zu, wenn die Banken die Kredite nicht stunden. „Mich erreichen Hilfeschreie aus allen Ecken.“ Unterschätzt würden auch die Folgen für die Versorgung in Deutschland. „Die Unterbrechungen in der realen Wirtschaft sind weit krasser als die meisten vermuten“, sagte er. Allein mehrere große Reedereien hätten in den vergangenen vier Wochen jeweils 70 Containerschiffe nicht auslaufen lassen. Ein solches Schiff brauche rund sechs Wochen, bis es in Europa ankomme, sodass derzeit immer noch Schiffe aus China ankämen. „Schon bald werden aber sehr viel weniger ankommen, dann werden in Europa etliche Produkte knapp werden“, sagte Wuttke.

Das Problem wird erst im März so richtig ankommen

„Das Problem wird hierzulande erst im März wahrgenommen werden.“ Das werde in allen Branchen zu spüren sein. „Aber besonders wichtig wird es beispielsweise für die Pharma-Branche“, sagte der Manager. „Denn viele Vorprodukte werden in China hergestellt. Bei vielen Medikamenten können wir daher schon bald Angebotsengpässe sehen.“

Als Konsequenz daraus fordert er eine stärkere Diversifizierung der Produktionsstandorte bei lebenswichtigen Produkten. Auch der wirtschaftliche Schaden für China sei viel größer als die meisten bisher glaubten. „Das Leben steht überall praktisch still, die Straßen sind nach wie vor wie leergefegt“, sagte Wuttke. Der daraus resultierende wirtschaftliche Einbruch lasse sich – anders als bei SARS 2003 – auch nicht nach dem Ende der Epidemie aufholen. Damals sei China in einer ganz anderen Lage gewesen. „Die Regierung hat damals viel Geld in die Hand genommen und in die Infrastruktur gesteckt. Heute hat China schon die beste Infrastruktur der Welt, und gleichzeitig ist das Land schon hoch verschuldet.“ Da sei nicht mehr so viel Spielraum, sagte er.

Wuttke lebt seit über 30 Jahren in China und wurde im vergangenen Jahr zum dritten Mal zum Präsidenten der Europäischen Handelskammer in China gewählt, die europäische Unternehmen, die dort aktiv sind, vor Ort vertritt. (dts)

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