Familie ist ein wichtiger Stabilitätsfaktor für Kinder.Foto: iStock

Familie als Konstante unserer Gesellschaft

Von 23. Februar 2022 Aktualisiert: 6. März 2022 14:36
Lässt das Streben nach Freiheit und Vielfalt die Familie als Konstante, als Grundmodell gelebten Gemeinsinns verblassen?

Christiane lebt mit ihrem Sohn in einer kleinen 3-Zimmer-Wohnung in Berlin. Die Alleinerziehende arbeitet 30 Stunden in der Woche im Einzelhandel. Ihren Beruf und das Muttersein zu vereinbaren, ist tagtäglich eine Herausforderung. Gerne würde sie mehr Zeit mit Tobias verbringen, ihm eine bessere Mutter sein. Die Beziehung zu dem Vater ihres Kindes beschränkt sich nur noch auf das Minimum der Besuchszeiten und die Zahlung des gesetzlich vorgeschriebenen Unterhalts. Doch das Geld reicht vorne und hinten nicht.

Und das ist nur eines der Probleme. Nach Feierabend wartet noch der Haushalt, der Papierkram und was sonst noch so alles anfällt – der ganz normale Wahnsinn eben. So habe sie sich das nicht vorgestellt, sie wollte eine richtige Familie. Einen Mann an ihrer Seite, der sich um die Finanzen und die Reparaturen im Haushalt kümmert, der die Einkaufstüten trägt und Tobias das Fahrradfahren beibringt – Männersachen eben. Doch nun muss sie all diese Dinge allein erledigen und immer stark sein, für sich und natürlich auch für ihren Sohn. Dabei stößt sie immer wieder an ihre Belastungsgrenze.

So wie Christiane geht es vielen Alleinerziehenden. Laut Statistischem Bundesamt lebten 2019 in Deutschland 1,52 Millionen alleinerziehende Familien mit Kindern unter 18 Jahren – Tendenz steigend. In neun von zehn Fällen sind es alleinerziehende Mütter. Mangelnde Betreuungsangebote und wenig flexible Arbeitsmöglichkeiten erschweren oft die Aussicht für Alleinerziehende, den Lebensunterhalt selbst zu bestreiten. So sind fast 600.000 Familien mit einem alleinerziehenden Elternteil auf staatliche Leistungen angewiesen. Auch hier ist die Tendenz steigend.

Die Corona-Pandemie verschärft die Situation weiter. Kurzarbeitergeld, Verdienstausfälle oder gar die Kündigung, sind insbesondere für Alleinerziehende eine zusätzliche Herausforderung. Der finanzielle und psychische Druck steigt für Mutter und Kind. Denn die seelische Verfassung der Alleinerziehenden wirkt sich auch auf die Kinder aus. Die Folgen sind gesundheitliche Beschwerden, Verhaltensauffälligkeiten, Ausgrenzung und Probleme in der Schule. Die Mütter leiden oftmals ebenso unter gesundheitlichen Beschwerden und unter Existenzängsten. Im Vergleich zu Müttern, die in einer Partnerschaft leben, leiden alleinerziehende Mütter bis zu dreimal mehr an Depression.

Jugendliche wünschen familiäres Umfeld

Im Jahr 1966 betrug die Scheidungsrate 10,7 Prozent und 2020 waren es schon 38,5 Prozent. Durchschnittlich hält eine Ehe 15 Jahre. Die Familie in ihrer traditionellen Form wird seltener. So gab es 1996 noch rund 13,2 Millionen Familien und im Jahr 2019 nur noch 11,6 Millionen Familien. Neue Formen des Zusammenlebens etablieren sich immer mehr in der Gesellschaft.

Es herrscht Freiheit und Vielfalt und lässt die Familie als Konstante, als Grundmodell gelebten Gemeinsinns verblassen. Die Weitergabe von Wissen und Werten an die nächste Generation geht verloren. Männer und Frauen haben unterschiedliche Stärken und Schwächen, doch wenn sie zusammenarbeiten und sich gegenseitig unterstützen, entsteht ein harmonisches Ganzes. So besteht traditionell die wesentliche Verantwortung der Männer darin, den Lebensunterhalt für die Familie zu bestreiten, während die Frauen für Kinder und Haushalt sorgen. Diese Rollenbilder haben sich über die Jahrhunderte hinweg bewährt, werden heutzutage jedoch gerne als verstaubt oder gar rückständig propagiert. Doch will die Jugend von heute tatsächlich keine Familien im traditionellen Sinne mehr?

Laut einer Shell Jugendstudie aus dem Jahr 2019 sind sich die Jugendlichen zwischen 12 und 25 Jahren in der Rollenverteilung recht einig. So bevorzugen mehr als die Hälfte der Befragten ein männliches Versorgermodell, wo also der Mann die Familie versorgt und die Frau maximal halbtags arbeitet. Familie und soziale Beziehungen sind die mit Abstand wichtigsten Wertorientierungen und so steht bei Jugendlichen folglich auf der Prioritätenliste ganz oben ein sicherer Arbeitsplatz, der mit Familie und Freizeit vereinbar ist. Auf der Suche nach Orientierung spielen die sozialen Medien vermehrt eine Rolle, doch die Erziehung und das familiäre Umfeld überwiegen.

Und so hegt auch Christiane die Hoffnung auf einen Neustart, damit sie und Tobias das geborgene Umfeld einer Familie erleben können.



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