Xu Ming starb angeblich an einem "Herzinfarkt" kurz vor seiner Entlassung.Foto: China Photos/Getty Images

Mysteriöser Tod eines Milliardärs: Wusste er zu viel? Wer wollte, dass er starb?

Epoch Times11. Dezember 2015 Aktualisiert: 11. Dezember 2015 11:56
Der chinesische Milliardär Xu Ming, der überraschend an einem "Herzinfarkt" im Gefängnis starb, sollte als Zeuge gegen Ex-Vizepräsident Zeng Qinghong, den zweiten Mann der Jiang-Mafia aussagen. Chinesische Medien zweifeln an der offiziellen Todesursache.

Wer wollte, dass er stirbt? Der Milliardär Xu Ming, einst der achtreichste Mensch in China, betrieb den Mischkonzern Shide Group. Er begann mit dem Verkauf von Krabben. Durch den geschickten Aufbau von Netzwerken und guten Beziehungen zu wichtigen Politikern mischte er bald schon in allen Wirtschaftsbereichen, u. a. der Baubranche und der Erdölindustrie, mit. Dann, 2012, wurde der Milliardär verhaftet und wegen Korruption zu vier Jahren Gefängnis verurteilt. Wegen guter Führung sollte er vorzeitig entlassen werden.

Quellen in China bestätigten, dass er keine Herz-Krankheiten hatte. Sowohl Manager seines Konzerns als auch seine Familie wunderten sich über die angebliche Todesursache Herzinfarkt. Gerüchten zufolge starb Xu Ming auf der Toilette. Anfangs gab es einige kritische Medienartikel im chinesischen Internet. Doch bald schon waren diese wieder verschwunden, gelöscht. Doch das Internet vergisst nichts.

In knappester Zusammenfassung: Er musste sterben, weil er Zeuge im nächsten Prozess gegen die Politmafia von Jiang Zemin sein könnte. In diesem Schritt geht es um eine Anklage gegen die Nr. 2, Zeng Qinghong. Der Milliardär wusste zu viel.

Wie sind die Beziehungen zwischen dem Geschäftsmann und den Politikern? Wer sind die Beteiligten?

Während Xu Ming in Haft war kam es zum großen Prozess gegen den Politiker und Prinzling Bo Xilai. Die Aussage des Milliardärs im September 2013 vor Gericht, brachte Bo Xilai eine Verurteilung wegen Korruption zu lebenslanger Haft.

Bo Xilai, der Politiker, war 2012 KP-Chef der chinesischen Südwest-Metropole Chongqing, Mitglied des Politbüros (einer von 250) und zählte somit zur einflussreichsten Elite Chinas. Er wurde am 15. März 2012 aus seinem Amt entfernt und im September 2013 zu lebenslanger Haft verurteilt. Offiziell wurde er zwar "nur" wegen Korruption verurteilt, dahinter steht jedoch zweierlei: Zum einen die Beteiligung an den kriminellen Machenschaften im Zuge der Verfolgung gegen Falun Gong, zum anderen war Bo Xilai einer der führenden Köpfe des Putsches gegen Staatschef Xi Jinping.

Beobachter sagen, dass Bo Xilai und Zhou Yongkang gemeinsam einen Putsch gegen Xi Jinping planten und die gesamte chinesische Staatsmacht an sich reißen wollten.

Zhou Yongkang wurde später in einem zweiten aufsehenerregenden Prozess verurteilt. Er befürchtete, zu Tode verurteilt zu werden – bekam jedoch "nur" lebenslänglich. Durch die Strafminderung kann man erkennen, dass Zhou Yongkang vor Gericht auspackte und damit weitere Personen zu Fall brachte. Als Stasi-Chef kontrollierte er von 2007 bis 2012 den gesamten innerpolitischen Sicherheitsapparat, von der Polizei über die Gerichte bis zu Gefängnissen und Arbeitslagern. Unter seiner Obhut wurden zigtausende politische Gefangene durch Organentnahmen getötet – meist Anhänger der buddhistischen Falun Gong-Bewegung, außerdem Tibeter und Uighuren.

Der Hauptdrahtzieher des Putsches jedoch war Zeng Qinghong: "Es besteht kaum Zweifel", schrieb Qianshao, "dass Zhou den von Jiang Zemin initiierten Putsch gegen Xi Jinping verraten hat." Zeng war der Hauptdrahtzieher und Zhou der Ausführende, Bo Xilai war Teil des Komplotts.

Xu Ming, der Milliardär und Geschäftsmann war eng mit Bo Xilai befreundet. Sie arbeiteten in der gleichen Stadt, in Dalian – der Politiker war der Oberbürgermeister der Stadt und der andere der Leiter eines der größten Konzerne von Dalien. Um Aufträge und Großprojekte von der Stadt zu bekommen, flossen Gelder in Millionenhöhe.

Er soll bis zu 3,5 Millionen Dollar an Bestechungsgeld gezahlt haben, das wurde offiziell im Gerichtsverfahren veröffentlicht. Bo Xilai schob mehr als 20 Millionen Yuan Bestechungsgelder ein, ein großer Teil davon kam von Xu Ming.

Zum anderen war der Geschäftsmann die Kontaktperson zwischen den Beteiligten am Putsch gegen Xi Jinping und einer der Geldgeber. Als Manager war er unauffälliger als der hochrangige Politiker Bo, fiel nicht so auf. Wahrscheinlich versprachen ihm die Politiker, den Finanzminister-Posten in der neuen Regierung Chinas. 

Sein Konzern, das Shede-Imperium, wurde nach seiner Verhaftung vorerst von seinem Bruder und dann von Dai Yongge, seinem engen Freund übernommen. Dai Yongge ist selbst Geschäftsmann und betreibt einen Immobilienkonzern. Über seinen Sohn ist er  mit dem ehemaligen zweiten Mann im Staate, Zeng Qinghong, befreundet. Sie verbindet nicht nur Schieberei im Immobilienbereich, sondern auch eine Schattenbank, welche die Gewinne von hochrangigen Funktionären ins Ausland transferiert. Die chinesischen und die australischen Behörden sind dabei, den Fall zu untersuchen.

Zusammenfassung: Bo Xilai und Zhou Yongkang waren keine direkte Gefahr mehr für den Geschäftsmann Xu Ming, da sie ohnehin lebenslänglich in Haft sitzen.

Jedoch gibt es weitere Politiker, denen der Milliardär und Geschäftsmann gefährlich hätte werden können: Als wichtigste Person ist hier Zeng Qinghong zu nennen, wobei wir wieder beim Hauptdrahtzieher des Putsches sind. Von 2003 bis 2008 war Zeng Qinghong Vizepräsident der Volksrepublik China und damit Stellvertreter von Staatschef Hu Jintao. (yz/ks)

Weitere Artikel

Hunderte Chinesen klagen Ex-Staatschef an

Warum Chinas Tabu-Thema „Falun Gong“ die Welt betrifft

Geheimer Putsch in China? Massive Militärmanöver deuten darauf hin

Politkrimi um Zhou Yongkang und Chinas Ölbarone


Unterstützen Sie unabhängigen und freien Journalismus

Danke, dass Sie Epoch Times lesen. Ein Abonnement würde Sie nicht nur mit verlässlichen Nachrichten und interessanten Beiträgen versorgen, sondern auch bei der Wiederbelebung des unabhängigen Journalismus helfen und dazu beitragen, unsere Freiheiten und Demokratie zu sichern.

Angesichts der aktuell schwierigen Zeit, in der große Tech-Firmen und weitere Player aus dem digitalen Werbemarkt die Monetarisierung unserer Inhalte und deren Verbreitung einschränken, setzt uns das als werbefinanziertes Nachrichten-Portal unter großen Druck. Ihre Unterstützung kann helfen, die wichtige Arbeit, die wir leisten, weiterzuführen. Unterstützen Sie jetzt Epoch Times indem Sie ein Abo abschließen – es dauert nur eine Minute und ist jederzeit kündbar. Vielen Dank für Ihre Unterstützung!

Monatsabo ab 7,90 Euro Jahresabo ab 79,- Euro

Gerne können Sie EPOCH TIMES auch durch Ihre Spende unterstützen:

Jetzt spenden!


Kommentare
Liebe Leser,

vielen Dank, dass Sie unseren Kommentar-Bereich nutzen.

Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen, Schimpfworte, aggressive Formulierungen und Werbe-Links. Solche Kommentare werden wir nicht veröffentlichen. Viele Kommentare waren bisher schon anregend und auf die Themen bezogen. Wir bitten Sie um eine Qualität, die den Artikeln entspricht, so haben wir alle etwas davon.

Da wir die juristische Verantwortung für jeden veröffentlichten Kommentar tragen müssen, geben wir Kommentare erst nach einer Prüfung frei. Je nach Aufkommen kann es deswegen zu zeitlichen Verzögerungen kommen.

Die Kommentarfunktion wird immer weiter entwickelt. Wir freuen uns über Ihr konstruktives Feedback, sollten Sie zusätzliche Funktionalitäten wünschen an [email protected]


Ihre Epoch Times - Redaktion