Kolumne vom Freischwimmer: Das Land der Tugend

Von 3. Mai 2020 Aktualisiert: 3. Mai 2020 9:56
Heute wollte ich mir eine Ritterrüstung kaufen. Vorsorglich. Es gab aber keine.

Der Grund, warum ich mir einen derartigen knitterfreien Anzug zulegen wollte, ist der, dass ich befürchte, nach der Abhandlung meines heutigen Themas von denjenigen mit Steinen beworfen zu werden, die nur dafür da sind, Werte und Traditionen zu zerstören.

Werte und Traditionen, für die unser Land einst bekannt war.

So gelten gemeinhin Höflichkeit, Ehrlichkeit und Pünktlichkeit, Toleranz, Güte und Gerechtigkeit, Fleiß und Ordnung als Tugenden der Deutschen.

Hübsch, gelle?

Aber haben diese Werte heutzutage in unserer Gesellschaft noch Platz?

Werden sie noch gelebt?

Wie viele Bürger treten heute noch dafür ein?

Wer richtet sich noch nach diesen Werten?

Oder ist man als Befürworter der deutschen Tugenden ein nationalistisches Scheusal?

Nein, nein und nochmals nein!

Ein Land – oder sollte man eventuell besser sagen ein „Staat“ – funktioniert nicht wenn es nur drunter und drüber geht.

Deshalb braucht man Werte.

„Wischi-waschi“ funktioniert einfach nicht.

Werte und Traditionen sind wichtig.

Man braucht – und damit meine ich alle Menschen im Land – Werte, an denen man sich orientieren kann; nach denen man die Jugend anleitet, und auf die man sich in Krisenzeiten verlassen und sich daran wieder aufrichten kann.

Hätte man diesen Maßstab nicht mehr, würde wahrscheinlich Chaos entstehen und jeder dahergelaufene Scharlatan könnte das Volk in die Irre führen und je nach Belieben seine Macht missbrauchen.

In dem Buch „Die Kunst des Krieges“ von den Chinesen Sun Tzu und Wu Tzu ist vom sogenannten „Weg“ die Rede.

Zitat:

Man versteht (unter dem „Weg“) hierunter die Tugenden: Menschlichkeit, Rechtschaffenheit, Anstand, Klugheit, Pflichtgefühl, Aufrichtigkeit, Edelsinn und Selbstbeherrschung. Ist der Landesfürst ein Mensch, der den „Weg“ übt, so wird auch das Volk zusammen halten und Gefahren nicht fürchten. So stehen denn dem Herrscher die Dienste seiner Untertanen stets zur Verfügung.“

Dieses Werk stammt aus dem 5. Jahrhundert vor Christus – es wurde also vor 2500 Jahren geschrieben.

Erstaunlich, gelle?

Werte.

Tugenden.

Vermutlich sind sie doch wichtig.

Damals.

Und heute?

Das kann jeder für sich selbst beurteilen.

Es kann sich auch jeder selbst dafür entscheiden, derartige Werte in sein Leben zu integrieren und sein Handeln daran auszurichten.

Oder die Herrscher daran zu messen.

Aber eins noch zum Schluss: im Chinesischen heißt Deutschland „Deguo“.

Frei übersetzt hat es die Bedeutung: „das Land der Tugend“.

Sollte uns das nicht zu denken geben?

Wie auch immer – ich brauche jetzt erst einmal ganz dringend eine Ritterrüstung!

Der Schwächling ist immer bereit, sogar seine Tugenden zu verleugnen, wenn sie Anstoß erregen sollten“. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Und:

Aufrichtigkeit ist höchstwahrscheinlich die verwegenste Form der Tapferkeit“. (William Somerset Maugham)

Ahoi

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