Neue Studie: Entwickelte sich der frühe Mensch aus mehreren Populationen innerhalb Afrikas?

Epoch Times16. Juli 2018 Aktualisiert: 15. Juli 2018 13:11
Ein Team aus Genetikern, Anthropologen und Archäologen haben in einer neuen Studie herausgefunden, dass der frühe Mensch aus mehreren Populationen Afrikas entstanden sein könnte. So waren unsere Merkmale damals schon vorhanden, aber nicht alle in einem einzigen Menschen.

Der Homo sapiens ist unglaublich vielfältig – wir leben in völlig unterschiedlichen Gesellschaften, folgen unterschiedlichen Regeln und lieben und fürchten verschiedene Götter.

Trotz dieser unglaublichen Vielfalt gibt es immer mehr Hinweise darauf, dass die ersten Menschen noch unterschiedlicher waren, als wir es heute sind.

Wir sind ein Mix aus den Populationen unserer Urahnen

In einem neuen Artikel, der am Mittwoch (11. Juli) in der Zeitschrift Trends in Ecology & Evolution online veröffentlicht wurde, argumentiert eine interdisziplinäre Gruppe von Genetikern, Bioanthropologen und Archäologen, dass wir uns nicht aus einer einzigen Population in einer einzigen Region Afrikas entwickelt haben. Stattdessen entwickelte sich der Homo sapiens aus mehreren Populationen in ganz Afrika, die sich erst viel später vollständig vermischt haben.

Die Beweise zeigen, dass „menschliche Vorfahren bereits über Afrika verstreut waren“, sagt Eleanor Scerri, von der Universität Oxford und Hauptautorin der Arbeit. Und „die Kombination von Verhaltensweisen und physischen und kognitiven Merkmalen, die uns heute definieren, begann sich langsam in der gelegentlichen Vermischung dieser verschiedenen Ahnengruppen herauszubilden“, fügte sie hinzu.

Um diese Schlussfolgerung zu ziehen, untersuchten Scerri und ihr Team nicht nur die verfügbaren fossilen Beweise, sondern auch genetische, archäologische und paläoökologische Daten.

„Die Merkmale waren damals zwar vorhanden, aber nicht alle in einem einzigen Menschen.“

Vor etwa einer halben Million Jahren begannen Neandertaler und Homo sapiens von einem gemeinsamen Vorfahren abzuweichen, so Scerri. Aber erst vor etwa 300.000 Jahren begannen die frühen Menschen tatsächlich, Merkmale zu haben, die sie wie Menschen aussehen ließen.

Schon damals „sahen alle Fossilien zwischen 300.000 Jahren und etwa 100.000 Jahren nicht wirklich so aus wie heute“, sagte Scerri zu Live Science. Die Merkmale, die uns heute ausmachen, wie ein kleines Gesicht, markantes Kinn, ein kugelförmiger Schädel und kleine Zähne, waren damals zwar vorhanden, aber nicht alle in einem einzigen Menschen, sagte sie.

Laut Scerri waren diese und weitere „primitive oder archaische“ Merkmale bei frühen Fossilien in verschiedenen Kombinationen zu erkennen. So war es möglich, das ein Individuum aus Ostafrika kleine Zähne haben konnte, während jemand in Südafrika einen kugelförmigen Schädel besaß. Die restlichen Eigenschaften blieben dagegen eher „primitiv“.

Die „primitive oder archaische“ Merkmale verschwanden mit der Zeit und der Mensch in seiner heutigen Form entwickelte sich.

Erst vor 100.000 bis 40.000 Jahren erscheint der Mensch in seiner heutigen Form

Diese unterschiedlichen Gruppen blieben lange Zeit getrennt, weil die Wälder und Wüsten in Afrika eine gewaltige Barriere darstellten, so Scerri. Aber mit der gelegentlichen Vermischung verschiedener Gruppen, vor 100.000 bis 40.000 Jahren, beginnen Fossilien, die alle modernen Merkmale in einem einzigen Individuum vereinen, zu erscheinen, sagte Scerri.

„Das bedeutet natürlich, dass die Entwicklung in verschiedenen Regionen Afrikas mit unterschiedlicher Geschwindigkeit und Intensität voran schritt. Ein Grund sind die unterschiedlichen Zeiten, zu denen die Gruppen miteinander in Kontakt kamen“, sagte Scerri.

Im Moment ist „nicht klar, zu welchen Zeitpunkt genau die meisten Menschen diese modernen Merkmale hatten. Wir wissen aber, dass sie vor etwa 12.000 Jahren fast verschwunden waren. Es war zu einer Zeit, in der sich die Lebensgewohnheiten von Jäger und Sammler zu sesshafte Bauern änderte.“

„Auch die Werkzeuge stützen diese Theorie.“

Etwa zwei Millionen Jahre lang haben Hominide „grobe“ Steinwerkzeuge wie Faustkeile oder große Schneidwerkzeuge hergestellt. Vor etwa 300.000 Jahren, „gibt es eine wahre Explosion von verschiedenen und spezialisierten Steinwerkzeugformen“, fügte sie hinzu.

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Diese Werkzeuge, die oft verschiedene Fassungen, Klebstoffe und Formen verwendeten, haben sich an verschiedenen Orten des Kontinents durchgesetzt.

„Ich denke, es gibt nur eine Handvoll Leute, die wirklich, wirklich starke Befürworter der Idee sind, dass moderne Menschen aus einer sehr begrenzten Region kommen“, sagte Becky Ackermann, eine biologische Anthropologin an der Universität von Kapstadt in Südafrika. „Ich denke nicht, dass die Schlussfolgerungen selbst besonders neu waren.“

Den Link zur PDF der Studie finden Sie hier (Englisch): Did Our Species Evolve in Subdivided Populations across Africa, and Why Does It Matter?