Riesen und Wiedergänger in Sachsen-Anhalt – Was steckt dahinter?

Epoch Times8. Mai 2018 Aktualisiert: 25. Juli 2018 12:07
Noch heute gibt es viele Erzählungen über Riesen und Vampire (moderne Form von Wiedergängern), wie etwa die des berühmten Kampfes zwischen David und Goliath aus dem Alten Testament oder die Sage von Graf Dracula. Doch gibt es einen historischen Hintergrund?

2017 entdeckten Archäologen bei Bauarbeiten östlich von Theißen in der Nähe von Zeitz in Sachsen-Anhalt eine große Anzahl von Gräbern aus der Merowingerzeit (ca. 450 – 750 nach Christus). Unter diesen Gräbern waren auch Besonderheiten zu finden, wie etwa das Grab eines fast 2 Meter großen Kriegers und das eines möglichen Wiedergängers.

Das Grab eines Riesen

Auf einer Fläche von 29.000 Quadratmetern gruben die Archäologen insgesamt sechs Fundstellen aus. Die Fundstelle 4 ist ein merowingerzeitlicher Friedhof aus dem 6. Jahrhundert der insgesamt 15 Gräber enthielt. In drei von 15 Gräbern befanden sich zudem die Überreste von Pferden, was für diese Zeit nicht unüblich war.

Doch ein Grab stach besonders heraus: Es war das Begräbnis eines für die damalige Zeit außergewöhnlich großen Mannes. „Allein seine Größe von fast zwei Metern unterscheidet ihn von den anderen Verstorbenen. In seinem linken Arm hält er ein eisernes Schwert. An seiner rechten Seite befinden sich die Überreste einer Lanze. Seine Kleidung wurde gegürtet und mit einer Fibel geschlossen”, so das zuständige Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie (LDA).

Die Angst vor den Wiedergängern

Weiterhin entdeckte das Team ein in Bauchlage bestattetes Skelett, dem eine Eisenstange durch die Brust getrieben wurde. Bei diesem Fund gehen die Archäologen von der Bestattung eines möglichen Wiedergängers aus, dessen Rückkehr zu den Lebenden durch die Eisenstange und der Lage im Grab verhindert werden sollte.

“Im Gegensatz zu den restlichen Bestattungen ist dieses Skelett mit dem Kopf nach Osten ausgerichtet. Die Hände sind vor dem Becken positioniert und waren wahrscheinlich gebunden. Hervorzuheben ist eine knapp 50 cm lange “Stange” aus Eisen auf Rücken und Kopf des Bestatteten. Allerdings berührt sie den Schädel nicht, sondern liegt knapp über ihm. Aufgrund der unüblichen Körperlage handelt es sich nicht um eine reguläre Bestattung, könnte aber eine sogenannte Wiedergänger-Niederlegung darstellen.”

Der Glaube an Wiedergängern, ist die historische Urform der modernen Vampir-Sagen. Die Menschen fürchteten sich vor der Rückkehr mancher Verstorbener, die den Lebenden etwas Böses wollen könnten. “Dieser Glaube war im Frühmittelalter vor allem im slawischen Besiedlungsraum verbreitet, sind aber auch dem germanischen Gedankengut nicht fremd”, erklären die Landesarchäologen.

“Die Bauchlage mit dem Gesicht nach unten sollte verhindern, dass der Tote zu einem Wiedergänger wurde, indem die Seele nicht aus dem Grab entweichen konnte beziehungsweise in die falsche Richtung geleitet wurde. Im Falle der Bestattung von Theißen könnte der eiserne Gegenstand im Bereich des Rückens als eine zusätzliche Vorkehrung gedient haben, um das ‘Wiederkommen’ zu verhindern.”

Mittlerweile ist bekannt, dass es sich bei dem Skelett vermutlich um eine 16- bis 18-jährigen jungen Frau handelte. Es wird spekuliert, dass die Tote entweder eine als Hexe verschriene Verstoßene oder eine missgebildete Frau war.

“Vielleicht rührte die Besonderheit der toten jungen Frau auch daher, dass sie aus weiter Ferne in die Zeitzer Region gekommen ist. Das könnte man zum Beispiel anhand von Zähnen herausfinden, falls es erhaltenes Material gibt.”, sagt die Projektleiterin Susanne Friederich.

Ähnliche Funde gibt es europaweit

Bei Grabungen in Kilteasheen (Irland) haben Archäologen 2010 zwei mittelalterliche Skelette mit großen Steinen im Mund entdeckt. Dies ist neben dem Durchbohren der Toten mit Stangen ein weiterer, in ganz Europa verbreiteter Ritus um sich vor Wiedergängern zu schützen.

„Die beiden männlichen Skelette wurden wahrscheinlich vor rund 1.300 Jahren Seite an Seite, jedoch nicht zeitgleich, auf dieser Weise begraben“, berichten die Forscher um den Archäologen Chris Read. Anthropologische Daten ergaben, dass die Männer zum Zeitpunkt ihres Todes zwischen 40 und 60, beziehungsweise zwischen 20 und 30 Jahre alt waren.

„Der Kopf eines der Skelette blickt gerade nach oben und ein großer schwarzer Stein wurde ihm regelrecht in den Mund gestoßen. Das Gesicht des anderen Skeletts ist hingegen zur Seite geneigt, hatte aber einen noch größeren Stein in der Mundhöhle, der auch hier mit Gewalt hineingerammt worden sein muss, sodass der Kiefer fast zerborsten wäre“, so der Archäologe.

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Aufgrund der Steine im Mund dachten die Wissenschaftler zu Beginn, dass sie das Grab von Pestopfern aus dem 14. Jahrhundert entdeckt haben. Zu dieser Zeit war es üblich die Toten derart zu bestatten, möglicherweise um ihre Wiederkehr und Weiterverbreitung der Seuche zu verhindern. Radiokarbondatierungen bewiesen jedoch, dass die Männer im 8. Jahrhundert, lange vor dem Ausbruch des Schwarzen Todes verstarben.

Vampire – Die Boten der Pest

2009 entdeckten Archäologen auf einer Insel nordöstlich von Venedig ein mittelalterliches Massengrab von venezianischen Pestopfern aus dem Jahre 1578. Unter diesen Toten befand sich auch das Skelett einer Frau, in deren Mund ein übergroßer Stein steckte. Im Mittelalter verwendete man die Steine, um zu verhindern, dass die Frau als Vampir wiederkehren konnte.

Die Menschen glaubten, dass der Schwarze Tod durch Vampire verbreitet werde, die nicht das Blut der Lebenden tranken, sondern an den Leichentüchern der Verstorbenen saugten. Ein beliebtes Mittel dies bei verdächtigen Personen zu vermeiden, war das Drapieren schwerer Steine im Mund der potenziellen Vampire.