Intuition ist eine Quelle der Weisheit, die uns immer helfen kann.Foto: fcscafeine/iStock

Warum wir unsere Intuition brauchen

Von 18. Mai 2022 Aktualisiert: 12. Mai 2022 19:34
„Der intuitive Geist ist ein heiliges Geschenk und der rationale Verstand ein treuer Diener“, sagte Albert Einstein. Die moderne Medizin sieht die Sache zwar weniger romantisch, aber dafür nicht weniger bedeutend.

Wir alle kennen dieses Gefühl, den Moment, in dem wir wissen, dass etwas nicht stimmt. Ob bei Geschäftsverhandlungen oder wenn ein Freund sich seit einiger Zeit nicht mehr gemeldet hat – irgendwo tief in uns ist es uns bewusst. Aber wir können nicht erklären, warum.

Das ist Intuition. Sie ist schon seit einer sehr langen Zeit unser ständiger Begleiter – tief verborgen im limbischen System unseres Gehirns. Doch was genau ist Intuition und woher kommt sie?

Intuition ist „das unmittelbare, nicht diskursive, nicht auf Reflexion beruhende Erkennen, Erfassen eines Sachverhalts oder eines komplizierten Vorgangs“, heißt es dazu im Duden.

Wir haben ihn alle schon erlebt, diesen Moment, in dem wir etwas als ganz plausibel oder sogar sicher empfinden, ohne dass wir es wissen könnten. Manche Menschen meinten, es sei das Ergebnis früherer Kenntnisse und Erfahrungen, die in einem sofortigen Verstehen münden. Es könnte aber viel mehr dahinter stecken.

Die Wissenschaft von der Intuition

Psychologen teilen unser Denken manchmal in zwei Arten ein. Die erste ist das intuitive Denken, von dem einige Wissenschaftler glauben, dass es von der rechten Gehirnhälfte gesteuert wird. Dieses Denken ist schnell, instinktiv und geschieht unterbewusst. Es kommt aus einem tieferen Teil des Gehirns, dem so genannten limbischen System. Dieser Teil des Gehirns ist dafür verantwortlich, wie wir auf Bedrohungen reagieren (unsere Kampf-oder-Flucht-Reaktion). Es steuert auch überlebenswichtige Verhaltensweisen wie die Nahrungsaufnahme, Fortpflanzung und Versorgung des Nachwuchses.

Die zweite Art des Denkens ist das analytische Denken, das weitgehend von der linken Gehirnhälfte gesteuert wird. Dieses Denken ist langsam, absichtlich, logisch und bewusst. Analytisches Denken findet im äußeren Teil des Gehirns statt, dem Neocortex, der etwa die Hälfte des Gesamtvolumens des Gehirns ausmacht. Er ist für die Aufmerksamkeit, das Denken, die Wahrnehmung und das episodische Gedächtnis (die einzigartige Erinnerung einer Person an Erfahrungen, Ereignisse und Situationen) verantwortlich.

Aber es gibt noch ein ganz anderes „Gehirn“. Wissenschaftler fanden heraus, dass es im menschlichen Verdauungstrakt über hundert Millionen Neuronen gibt – Nervenzellen, die auch im Gehirn zu finden sind. Mediziner nennen es das enterische Nervensystem oder ENS.

„Das ENS wird aufgrund seiner Größe, Komplexität und Ähnlichkeit – Neurotransmitter und Signalmoleküle – mit dem Gehirn als ‚zweites Gehirn‘ bezeichnet“, schreibt der renommierte Neurowissenschaftler Emeran Mayer in einem Artikel in der Fachzeitschrift „Nature Reviews: Neuroscience“.

Noch interessanter ist, dass Wissenschaftler entdeckten, dass dieses „zweite Gehirn“ in unserem Darm unabhängig vom Gehirn agieren kann. Das bedeutet, es kann Entscheidungen über unseren Körper treffen, ohne sie vorher mit dem Gehirn zu besprechen. Dies könnte erklären, warum Intuition oft als „Bauchgefühl“ bezeichnet wird, denn es scheint, dass unser „Bauch“ über ein ganz eigenes Denk- und Gefühlsvermögen verfügt.

Wie kann uns unsere Intuition also zuverlässig dienen? Einige Menschen scheinen eine Antwort auf diese Frage gefunden zu haben.

Intuition im Heilungsprozess

In ihrem Buch „9 Wege in ein krebsfreies Leben: Wahre Geschichten von geheilten Menschen“ dokumentiert die Krebsforscherin und Psychotherapeutin Kelly Turner ihre Erkenntnisse aus über tausend Fällen von Menschen, die von einer schweren und oft tödlichen Krebserkrankung genesen sind. Sie fasste neun Schlüsselfaktoren zusammen, die fast allen ihren Probanden gemeinsam waren:

  1. Die Ernährung radikal umstellen.
  2. Die Kontrolle über die Gesundheit übernehmen.
  3. Der eigenen Intuition folgen.
  4. Kräuter und Nahrungsergänzungsmittel nehmen.
  5. Unterdrückte Emotionen loslassen.
  6. Positive Emotionen verstärken.
  7. Soziale Unterstützung zulassen.
  8. Die spirituelle Verbindung vertiefen.
  9. Starke Gründe für das Leben haben.

Ein ganzes Kapitel von Turners Buch ist der Intuition gewidmet und enthält zahlreiche Beispiele dafür, wie sie in die Tat umgesetzt wird.

Bei einer Frau, die ihren eigenen Worten nach körperlich gesund lebte, regelmäßig Sport trieb und sich stets von biologischen Lebensmitteln ernährte, wurde Eierstockkrebs diagnostiziert. Sie stimmte einer Hysterektomie zu (bei der die Gebärmutter und die Eierstöcke operativ entfernt werden), aber ihre Intuition riet ihr dringend von der empfohlenen Chemotherapie ab. 

Sie erkundete sich nach anderen Möglichkeiten und stieß bei ihrer Suche auf ein Buch, das von einer Krebsüberlebenden geschrieben worden war. Das Buch riet ihr, sich mit ihrem Krebs zusammenzusetzen und ihn zu fragen, warum er gekommen war. Sie sagte: „Es kam eine laute Antwort: ‚Du hast keine Freude in deinem Leben!‘“ 

Für diese Frau ging es bei der Heilung nicht so sehr um den physischen Körper, sondern um ihre emotionale Gesundheit, die sie stark vernachlässigt hatte. Zu ihrer Genesung gehörte es, mehr Freude in ihr Leben zu bringen und sich mehr mit ihrem Inneren in Verbindung zu setzen. 

Sechs Monate nach ihrer Diagnose lagen ihre Tumormarker wieder im Normalbereich. Sie ist weiterhin krebsfrei, heißt es dazu im Buch.

Eine andere Frau, die kurz vor ihrem 65. Geburtstag stand, erhielt die Ergebnisse einer Biopsie, die zeigten, dass sie Brustkrebs hatte. Da ihr Tumor zu groß für eine Lumpektomie (Entfernung nur des Tumors und nicht der gesamten Brust) war, empfahl ihr Arzt eine vollständige Mastektomie (Entfernung der gesamten Brust), gefolgt von einer Strahlentherapie und der Einnahme der östrogenreduzierenden Pille Tamoxifen. 

Ihre Intuition riet ihr, zunächst alternative Behandlungsmethoden auszuprobieren; sie lehnte eine Operation und alle anderen konventionellen Therapien höflich ab. Vier Tage nach ihrer Diagnose hatte sie zwei Träume, die sie so deutete, dass sie alles nötige in ihrem Körper hätte, um ihren Krebs zu heilen. 

Sie befolgte einen Heilungsplan, der Ernährungs- und Kräuterbehandlungen, emotionale, spirituelle und energetische Therapien sowie körperliche Übungen umfasste und wurde 16 Monate nach ihrer Diagnose von ihrem Arzt für krebsfrei erklärt. Sie blieb bis heute krebsfrei.

Wie man auf seine Intuition zugreifen kann

In ihrem Buch fand Turner heraus, dass Menschen auf unterschiedliche Weise auf ihre Intuition zugreifen. Für einige kam ihre Intuition durch eine innere Stimme „tiefen Wissens“, ein physisches Gefühl in ihrem Körper oder durch Botschaften oder Symbolik in Träumen zu ihnen. Andere wiederum fanden ihre Intuition durch Meditation, das Schreiben eines Tagebuchs oder durch glückliche Zufälle, zum Beispiel wenn sie „genau zum richtigen Zeitpunkt einem Freund begegneten, der ihnen das mitteilte, was sie hören sollten“.

Dr. Judith Orloff, Psychiaterin und Mitglied der UCLA Psychiatric Clinical Faculty, ist außerdem Empathin und intuitive Heilerin. Diese Qualifikationen passen zwar normalerweise nicht zusammen. Doch Orloffs Weg führte sie dazu, ihre Intuition zu akzeptieren und sich auf sie einzulassen, deswegen integrierte sie sie in ihre klinische Praxis.

Sie schrieb mehrere Bestseller zu diesem Thema und gilt als Pionierin auf dem Gebiet der Energie-Psychiatrie (Energy Psychiatry), die sie als eine Kombination aus Schulmedizin, Intuition, Spiritualität und Energie definiert.

Orloff zufolge habe jeder Mensch intuitives Gespür, aber nicht jeder wisse, dass er darauf zugreifen könne. Sie beschreibt Intuition als „diese stille, kleine Stimme in einem selbst – es ist eine innere Weisheit, die einem helfen kann, mit allem umzugehen – von Krankheiten über Beziehungen bis hin zu Tod und Sterben.“ 

Orloff arbeitet in ganz Amerika mit Angehörigen der Gesundheitsberufe zusammen und lehrt sie, ihren Patienten zuzuhören. Ärzte sollten nicht nur zuhören, was ihre Patienten sagen, so die Psychiaterin. Sondern sie sollten auch aufgeschlossen sein gegenüber Bildern, Empfindungen oder Träumen, die bei ihnen auftauchen und die ihnen Informationen über ihre Situation liefern und bei ihrer Heilung helfen können.

Intuition kann eine Quelle der Weisheit sein, die tief in uns schlummert und uns, wenn wir sie nutzen, immer helfen kann. Laut Turner und Orloff gibt es verschiedene Wege, um auf unsere Intuition zuzugreifen. Dazu gehören Meditation, unsere Träume und körperliche Empfindungen beachten (wie das Bauchgefühl) und einfach um innere Führung bitten. Das alles sind Wege, wie unsere Intuition zu uns sprechen kann.

Wenn Sie also meditieren und auf etwas aufmerksam werden, einen Traum haben, der Ihnen im Gedächtnis bleibt, oder Ihr Bauchgefühl Ihnen bei einer Sache etwas sagt, achten Sie darauf. Denn etwas tief in Ihrem Inneren könnte versuchen, Ihnen etwas mitzuteilen und Ihnen helfen, den richtigen Weg einzuschlagen.

Emma Suttie ist Spezialistin für Akupunktur und Gründerin von „Chinese Medicine Living“ – einer Website, die sich der Vermittlung traditioneller Weisheiten für einen gesunden Lebensstil in der modernen Welt widmet. Sie ist eine Liebhaberin der Natur, der Kampfkünste und einer guten Tasse Tee.

Dieser Artikel erschien im Original auf The Epoch Times USA unter dem Titel: Why We Need Our Intuition (deutsche Bearbeitung von as)



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