Jürgen Fritz: Die Grünen steigen in Baden-Württemberg auf 38 Prozent

Von 21. September 2019 Aktualisiert: 21. September 2019 18:24
Seit 2011 stellen in Baden-Württemberg Die Grünen mit Winfried Kretschmann den ersten grünen Ministerpräsidenten Deutschlands. 38 Prozent ist der höchste in einer Wahlumfrage jemals gemessene Wert für Die Grünen nicht nur in Baden-Württemberg, sondern in sämtlichen Bundesländern.

Baden-Württemberg ist mit über 11 Millionen Einwohnern das drittgrößte deutsche Bundesland, hat mehr Einwohner als Sachsen, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Thüringen zusammen. Seit 2011 stellen hier Die Grünen mit Winfried Kretschmann den ersten grünen Ministerpräsidenten Deutschlands. Bei der Wahl 2011 waren sie mit über 24 Prozent zwar nur zweitstärkste Kraft, lagen noch hinter der CDU, schlossen aber mit der SPD ein grün-rotes Bündnis.

Im März 2016 kamen die Grünen dann sogar auf über 30 Prozent, waren erstmals stärkste Kraft in einem Bundesland und bildeten die erste grün-schwarze Koalition. Viele meinten nun, das wäre nicht mehr zu toppen, doch weit gefehlt, wie die neueste Erhebung zeigt.

Deutschlands erster grüner Ministerpräsident

Springen wir zunächst zurück ins Jahr 2011. Winfried Kretschmann ist Spitzenkandidat der Grünen für die Landtagswahl im März 2011 und er erzielt einen bis dahin sagenhaften Triumph für seine Partei. Mit 24,2 Prozent der Stimmen erreichen die Grünen das bis zu diesem Zeitpunkt beste Wahlergebnis in ihrer Geschichte bei einer Landtagswahl. Sie werden nach der CDU und vor der SPD zweitstärkste Fraktion im baden-württembergischen Landtag.

Dabei hat der Partei sicherlich die Naturkatastrophe (Erdbeben, das einen Tsunami auslöste) plus anschließende Nuklearkatastrophe in Fukushima geholfen, die nicht Folge des Klimawandels war, wie eine grüne Spitzenpolitikerin, die sogar mal Bundesministerin war, kürzlich meinte.

Kretschmann handelte dann als Verhandlungsführer der Grünen mit der SPD einen Koalitionsvertrag aus und wurde im Mai 2011 zum Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg gewählt. Dabei erhielt er sogar zwei Stimmen mehr, als Grüne und SPD auf sich vereinten. Das heißt, er wurde sogar von Landtagsabgeordneten anderer Parteien gewählt. Das Kabinett Kretschmann I war damit die erste von den Grünen geführte Regierung eines Bundeslandes, er selbst Deutschlands erster grüner Ministerpräsident.

Dass aber dieses Ergebnis nicht ausschließlich der damaligen Fukushima-Hysterie und der Grünen-Erfolg keine Eintagsfliege sein sollte, zeigte sich fünf Jahre später. Denn zur Landtagswahl im März 2016 trat Kretschmann erneut als grüner Spitzenkandidat an und schaffte es tatsächlich, noch mehr Stimmen zu holen. Auf sagenhafte 30,3 Prozent brachten es die Grünen nun und verwiesen damit erstmals die CDU, die mit ihrem Spitzenkandidaten Guido Wolf nur auf 27 Prozent kam, auf Platz zwei.

Erstmalig waren die Grünen als stärkste Partei aus einer Landtagswahl hervorgegangen. Wie sollte das noch getoppt werden? Eigentlich unmöglich, oder?

Grüne steigen auf 38 Prozent, CDU und SPD fallen noch weiter zurück

Nein, es ist wohl nicht unmöglich. Denn wie die neueste Erhebung von Infratest dimap (1.004 am 16.09. und 17.09.2019 telefonisch Befragte) im Auftrag des SWR und der Stuttgarter Zeitung zeigt, würden die Grünen jetzt im Moment bei Landtagswahlen in Baden-Württemberg nicht nur erneut über 30 Prozent kommen, sondern sogar auf 38 Prozent.

38 Prozent ist der höchste jemals gemessene Werte für die Grünen nicht nur in Baden-Württemberg, sondern in sämtlichen Bundesländern.

Und noch mehr als das: Es ist der höchste Wert, den eine Partei in Deutschland derzeit überhaupt irgendwo erzielen würde. Keine andere Partei ist in keinem Bundesland, schon gar nicht auf Bundesebene so stark wie die Grünen im Ländle, nicht einmal die CSU in Bayern. Hier die aktuelle Erhebung von Infratest dimap (in Klammern die Veränderungen gegenüber der Infratest dimap-Erhebung vom März 2019):

GRÜNE: 38 % (+ 6)
CDU: 26 % (− 2)
AfD: 12 % (+ 1)
FDP: 8 % (− 1)
SPD: 8 % (− 4)
LINKE: 3 % (− 1)
Sonstige: 5 % (+ 1)

© JFB

Ausschließlich die Grünen können gegenüber der letzten Landtagswahl nochmals deutlich zulegen

Wir sehen also, im letzten halben Jahr haben die Grünen nochmals richtig zugelegt in Baden-Württemberg, stiegen um 6 Punkte von 32 auf jetzt sagenhafte 38 Prozent. Ansonsten konnten nur die AfD und die Kleinparteien (Sonstige) minimale Zugewinne verzeichnen von jeweils einem Punkt.

Alle anderen Parteien haben nochmals an Zustimmung verloren, ganz besonders aber die SPD, die von 12 auf 8 Prozent sinkt. Dabei sind die Zugewinne der Grünen um zwei Punkte höher als die Verluste der SPD. Kretschmann dürfte als nicht nur von da noch mehr Stimmen abziehen, sondern auch von CDU und der Linkspartei.

Eine Rolle für diese überragenden Grünenwerte dürfte auch spielen, dass Winfried Kretschmann, der äußerst beliebt ist (bei einer repräsentativen Umfrage im März 2015 gaben 72 Prozent der Befragten an, mit der Arbeit des Ministerpräsidenten zufrieden zu sein) und von dem viele sagen, der könnte im Grunde auch in der CDU sein, vor kurzem angekündigt hat, dass er bei der Landtagswahl im März 2021, also in eineinhalb Jahren, erneut als Spitzenkandidat der Grünen antreten und zum dritten Mal Ministerpräsident werden möchte.

Denn es gab auch Gerüchte, dass Cem Özdemir, der aus Baden-Württemberg stammt, 2021 als Spitzenkandidat antreten könnte. Dieser gab jedoch Anfang September bekannt, dass er für den Fraktionsvorsitz im Deutschen Bundestag kandidieren und damit Anton Hofreiter und Katrin Göring-Eckardt diese Position streitig machen wolle.

Gegenüber der Landtagswahl 2016, die vor dreieinhalb Jahren stattfand, sehen wir folgende Veränderungen:

GRÜNE: + 7,7 %
Sonstige: + 1,3 %
LINKE: + 0,1 %
FDP: − 0,3 %
CDU: − 1,0 %
AfD: − 3,1 %
SPD: − 4,7 %

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Der Kretschmannbonus

Die Grünen sind in Baden-Württemberg ohnehin sehr stark, aber ein beachtlicher Teil dieser enormen Zustimmungswerte geht mit Sicherheit auch auf den Ministerpräsidenten zurück, der äußerst beliebt ist. So begrüßt eine deutliche Mehrheit die erneute Kandidatur Kretschmanns. Insgesamt 71 Prozent der Befragten finden seine Entscheidung gut, erneut anzutreten.

Und sogar 77 Prozent aller Befragten sind mit der politischen Arbeit Kretschmanns zufrieden oder gar sehr zufrieden. Damit bleibt er im bundesweiten Vergleich unverändert der Ministerpräsident mit den höchsten Zustimmungswerten von allen!

Zuerst erschienen auf JÜRGEN FRITZ BLOG

Jürgen Fritz studierte in Heidelberg Philosophie, Erziehungswissenschaft, Mathematik, Physik und Geschichte (Lehramt). Nach dem zweiten Staatsexamen absolvierte er eine zusätzliche Ausbildung zum Financial Consultant unter anderem an der heutigen MLP Corporate University. Er ist seit Jahren als freier Autor tätig. Sein Blog: JFB

Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung des Verfassers dar. Er muss nicht zwangsläufig die Sichtweise der Epoch Times Deutschland wiedergeben.