Nazi-Alarm im Fitnesscenter: „Freitag“ entlarvt Muckibuden als Horte des „autoritären Kapitalismus“

Von 29. März 2019 Aktualisiert: 30. März 2019 8:31
Nicht nur Zöpfe, geschlechterstereotypische Kleidung und gepflegte Umgangsformen stellen, wie man aus Broschüren der Amadeu-Antonio-Stiftung weiß, Hinweise auf eine mögliche rechtsextremistische Gesinnung dar. Der „Freitag“ meint: Auch der Besuch von Fitnessstudios sollte überdacht werden.

Es ist ein Schicksal, das eine erhebliche Anzahl an Bewohnern des Landes Jahr für Jahr trifft. Man steckt voller guter Vorsätze, will endlich etwas für seinen Körper und seine Gesundheit tun, auch der Arzt hat schon angeraten, das eine oder andere Kilo zu verlieren – und schon steht der Zweijahresvertrag mit McFit oder Mrs.Sporty.

Zu Beginn halten die meisten auch noch eisern durch und ihre Willensstärke trägt sie ins Studio, wo der Personal Trainer schon einen maßgeschneiderten Trainingsplan aufgestellt hat. Nach einem oder zwei Monaten fühlt man sich auch schon rundum wohler, die Waage weist schon freundlichere Werte aus – aber irgendwann reißt dann doch der Schlendrian ein und aus drei Besuchen in der Woche werden nur noch zwei, aus zweien nur noch einer und am Ende fällt auch noch der weg. Und das, obwohl noch nicht einmal ein halbes Jahr rum ist.

Die Ausrede für den ultimativ Guten

Nun beginnt die Suche nach den Ausreden – für die Kollegen, die merken, dass irgendwann das Bäuchlein wieder wächst, während die Kondition wieder nachlässt, aber auch für einen selbst, denn immerhin hat man dem inneren Schweinehund wieder den Vortritt gelassen und noch dazu einen teuren, aber ungenutzten Vertrag an der Backe.

„Keine Zeit“ ist da zu billig, „zu viel Stress“ zu abgedroschen, „ich gehe wirklich mal wieder“ – geschenkt und selbst stichhaltige Begründungen wie „Mir wird von dem Elektrolytzeug schlecht“ oder „In dem Studio läuft Planet Radio und ich glaube deshalb, es dümmer zu verlassen als ich es betreten hatte“ werden nicht überall gleichermaßen akzeptiert.

Sebastian Friedrich vom „Freitag“ könnte unterdessen die moralisch guteste Begründung ersonnen haben, die sich im heutigen Deutschland vorbringen lässt, um das Fernbleiben von der Muckibude zu rechtfertigen: Für ihn ist es ein letzter Akt des entschlossenen Widerstandes gegen die unmittelbar bevorstehende faschistische Machtergreifung, sozusagen ein Last-Minute-Kraftakt des demokratischen Willens gegen den allgegenwärtigen Rechtspopulismus.

Nicht nur, weil einst von „Kraft durch Freude“ die Rede war und nicht von „Übergewicht durch Reflexion“, sollten Einrichtungen, in denen es um die Körperkraft geht, also für einen Autor tabu sein, der, wie der „Freitag“ verrät, am 21. März die überarbeitete Neuauflage seines Buchs „Die AfD. Analysen – Hintergründe – Kontroversen“ im Berliner AGORA präsentieren wird.

Gabalier, Kollegah und Zitelmann als lebende Beweise

Wer immer noch einen gesunden Geist in einem gesunden Körper wähnt, steht in bedenklicher Nähe zu Dunkelperson*innen wie Andreas Gabalier, dem Volks-Rock’n’Roller, dessen Skepsis gegenüber einer geschlechtergerechteren Bundeshymne beweise, dass er „irgendwo zwischen 1933 und 1968 hängen geblieben“ sei. Der Steirer ist ein gänzlich garstiger, weiß Friedrich zu berichten:

Die Sehnsucht nach der Welt von vor 50 – ach, heute kann man es ja wieder sagen: vor 80 Jahren! – trieft aus vielen seiner Songs.“

Wobei zwischen Ständestaat, Nationalsozialismus und der Adenauer/Raab-Ära aus Sicht Friedrichs offenbar ohnehin kein Unterschied festzustellen ist, weil sich erst durch die Studentenrevolte Deutschland aus eigener Kraft vom Faschismus befreit und die Welt dabei gleich mitgenommen hat. Und geschafft haben das Leute, die lieber Mao-Bibeln als Gewichte stemmten.

Aber nicht nur der Björn Höcke der Konzertsäle, als den Friedrich den Grazer Musiker zu entlarven weiß, erweckt seine Missbilligung. Auch der Rapper „Kollegah“ illustriert für Friedrich die Bedenklichkeit des Muskelaufbaus in dafür vorgesehenen Sporteinrichtungen. Dies wohl nicht so sehr seiner Neigung zur „freundschaftlichen Israelkritik“ wegen, in der er sich mit Friedrichs Herausgeber Jakob Augstein durchaus vereint weiß, sondern weil in seiner „bosstransformierten“ Alpha-Welt nicht ausreichend Platz für die übrigen 321 Geschlechter bleibt, die mittlerweile schon von der Genderforschung als der Atomphysik der heutigen Zeit entdeckt worden sein dürften.

„Muskeln, Money und Männlichkeit“

Dass auch noch Ex-„Welt“-Ressortchef Dr. Dr. Rainer Zitelmann nicht mehr nur als Historiker, „Publizist der Neuen Rechten“ und Immobilienfondsinvestor sein Unwesen treibt – was schon schlimm genug wäre –, sondern mittlerweile auch noch als Bodybuilder, bringt für Friedrich das Fass endgültig zum Überlaufen.

„Maskulinität, Härte und ökonomischer Erfolg bilden auch bei Zitelmann eine Einheit“, prangert der wackere Antifaschist an.

Er ist nicht nur wie Kollegah Ratgeber-Autor, sondern Bodybuilder, der sich unheimlich gerne oben ohne präsentiert.“

Der Lockruf von „Muskeln, Money und Männlichkeit“ ist es, so Friedrich, der „riesige Herden“ dazu zwingt, ihren role models nachzueifern, auf den Laufbändern zu schwitzen und sich an den Brustpressen zu quälen, stets apathisch auf das McFit-Werbeplakat starrend, das da sage: „Dein stärkster Muskel ist dein Wille.“

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Für die emanzipatorische, ausbeuterische Herrschaftsverhältnisse hinterfragende Lektüre von Marx, Mao, Charlotte Roche oder Verena Brunschweiger bleibt da naturgemäß wenig Raum. Mit der Folge, dass der Selfies in die Welt postende Muskelmann auch nicht ausreichend Gedanken verschwendet an soziale Gerechtigkeit, den gesellschaftlichen Fortschritt, die Entdeckung fluider Erscheinungsformen seiner Geschlechtsidentität oder seine Verantwortung für die Rettung des Weltklimas.

Der „Ego-Muskelmann“ als Spielverderber

„Muskeln scheinen beim Überleben im autoritären Kapitalismus zu helfen“, seufzt Friedrich, und erklärt, warum auch der Besuch einer Muckibude etwa eminent Politisches darstellt:

Der harte Mann passt perfekt in eine Zeit, in der die Politik stets betont, dass jetzt alle schön den Gürtel enger schnallen sollen und das Diktat der Schwarzen Null herrscht. Literweise Eiweißshakes für den schlanken Staat, Arbeitslose sollen ihren Arsch hochkriegen und Leiharbeiterinnen verflixt noch mal die Zähne zusammenbeißen.“

Klare Regeln und eine eindeutige Ordnung seien es, die den „Ego-Muskelmann“ bewegten, allerdings nicht die, die sich Sebastian Friedrich oder Jakob Augstein wünschten. Im „autoritären Kapitalismus“, so weiß der „Freitag“-Autor seine Leser aufzuklären, „survivalt nicht nur der Fitteste, sondern auch der Härteste, ausgestattet mit ordentlich Egoismus, dicken Eiern und weit ausgefahrenen Ellbogen. Ficken oder gefickt werden.“

Es ist angesichts dieser Darlegungen davon auszugehen, dass sich künftig keiner seiner Bekannten mehr getrauen dürfte, Friedrich auf allfällige Trainingsrückstände anzusprechen. Denn seit seiner messerscharfen Analyse weiß die Welt nun: Wer mit Springseilen hüpft, der ist ein Nazi.

Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung des Verfassers dar. Er muss nicht zwangsläufig die Sichtweise der Epoch Times Deutschland wiedergeben.