Gniffke zu Palmers Kritik an ARD-Berichterstattung: „Die Kriterien haben mich nicht wirklich überzeugt“

Epoch Times24. August 2018 Aktualisiert: 24. August 2018 18:17
Tagesschau-Chefredakteur Kai Gniffke äußerte sich erneut zur fehlenden Berichterstattung zum Mord an einem Arzt in Offenburg. Dabei ging er auf die Äußerungen von OB Boris Palmer (Grüne) zu Gniffkes Argumente in seiner ersten Stellungnahme ein.

Tagesschau-Chefredakteur Kai Gniffke ging in einem 30-minütigen, sogenannten Social-Live bei Facebook und YouTube, einer interaktiven Fragerunde, erneut darauf ein, warum die Tagesschau nicht über den Mord an einem Zahnarzt in Offenburg, durch einen somalischen Asylbewerber, berichtete.

In der Fragerunde äußerte ein Zuschauer „OB Palmer hat eigentlich alles sehr gut formuliert“. Daraufhin ging Gniffke auf die Argumente, die Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) auf die Stellungnahme Gniffkes von Samstag bei Facebook schrieb, ein.

Palmer war der Meinung, die Tagesschau hätte darüber berichten sollen, da sich die Tat von anderen Taten abhebt, da sie von einem „Flüchtling“, einem Hilfesuchenden, gegenüber einem Arzt, einem Menschen, der sich verpflichtet sieht zu helfen und noch dazu in seiner Praxis stattfand. Allein deshalb wäre dieser Fall berichtenswert gewesen.

Gniffke äußerte in seiner ersten Stellungnahme, dass wenn Asylbewerber überproportional häufig an Tötungsdelikten beteiligt wären, dann eine Relevanz bestanden hätte, darüber zu berichten, aber das wäre nach ihrer Recherche nicht der Fall. Palmer schrieb in seiner Reaktion darauf, dass das doch tatsächlich so wäre. „Bei Mord und Totschlag sind rund 40% der Tatverdächtigen nicht deutsch. Gesichert ist mittlerweile auch, dass die Angriffe mit Messern zunehmen und wiederum Asylbewerber dafür wesentlich verantwortlich sind“, was die ARD durch Recherche feststellen hätte können.

Gniffke: „[Palmers] Kriterien haben mich nicht wirklich überzeugt“

Zu den Argumenten Palmers erklärte Gniffke in der Fragerunde nun: „Die Kriterien (…) haben mich nicht wirklich überzeugt.“ Asylbewerber seien zwar häufig an Straftaten beteiligt. Vergleiche man jedoch junge Flüchtlinge mit jungen Deutschen, sehe das schon anders aus und “man sieht schon gar nicht mehr so einen großen Unterschied”, so Gniffke.

Mehrfach betont er in der Fragerunde, dass die ARD, „unabhängig von politischen und wirtschaftlichen Interessen“, informiert. Es ginge darum zu berichten: „Was ist heute am Tag das Wichtigste für die Menschen in unserem Land“. Und später heißt es: „Sie können sich wirklich darauf verlassen, das ist unabhängig davon, ob uns jetzt eine Regierung oder eine Opposition gut oder schlecht findet“. Er sagt dann weiter: „Wir haben den Auftrag diese Gesellschaft so gut es geht zu informieren, ihnen Argumente zu liefern, ihnen Informationen zu liefern, auf deren Basis dann jeder sich sein eigenes Urteil fällen kann und am Ende zu dem Ergebnis kommen kann, wir haben ein Problem mit Flüchtlingen oder das Problem ist beherrschbar oder was auch immer“, so Gniffke.

Zuschauer kritisierten bereits ARD-Berichterstattung zu Mia V. und Maria L.

Neben Zuschauern, die dem zustimmen, gibt es Zuschauer, die das anders zu sehen. Und das ist nicht neu. Die jetzigen Vorwürfe wurden bereits in der Vergangenheit geäußert. So u. a. im Fall der zögerlichen Berichterstattung im Mordfall Mia V. in Kandel, die im Dezember 2017 durch einen afghanischen Migranten mit einem Messer in einem Drogeriemarkt erstochen wurde. Beim Fall von Maria L. aus Freiburg vermissten Zuschauer ebenfalls eine offene und sachliche Berichterstattung.

Im Fall der Mia V. begründete Gniffke die zögerliche Berichterstattung damit, dass es offensichtlich eine Beziehungstat war und es sich bei den Beteiligten um Jugendliche handeln würde, „die einen besonderen Schutz genießen“, würden. Außerdem sei die Polizei: „noch am Anfang ihrer Ermittlungen und deshalb halten wir uns sehr zurück.“ Abschließend heißt es: „Wir werden diesen Fall weiter beobachten. Aber wir werden das mit dem journalistischen Know-how machen, das geboten ist.“

Allerdings bei der Messerattacke in Lünen Anfang diesen Jahres durch einen 15-Jährigen gegenüber einem 14-Jährigen, bei der der Angegriffene verstarb, scheint ein anderer Maßstab zu gelten. Gniffke begründete damals die Berichterstattung des Mordfalls in der Tagesschau damit, dass diese Tat an einem besonderen Ort – einer Schule – erstmals stattfand.

So äußerte Gniffke damals: „Denn wir berichten ja auch, wenn es Tötungsdelikte in einem Gerichtssaal oder einem Jobcenter gibt, und hier ging es um den geschützten Raum einer Schule, in dem erstmals eine solche Tat geschah.“ Dann fügte er noch hinzu: „Es ist eine unbefriedigende Erkenntnis, dass wir auch deshalb berichten, weil es viele andere auch tun. Aber wir sind nun mal nicht allein auf der Welt, und die Tagesschau-Zuschauer sollen am nächsten Tag nicht diejenigen sein, die nicht wissen, worüber ihre Freunde, Kollegen und Bekannten reden.

Gniffke: „Die Tagesschau berichtet über gesellschaftlich, national und international relevante Ereignisse“

Zur fehlenden Berichterstattung zum Fall der Maria L. im Oktober 2016 äußerte Gniffke damals: „Die Tagesschau berichtet über gesellschaftlich, national und international relevante Ereignisse. Da zählt ein Mordfall nicht dazu.“ Bei 300 Mordfällen im Jahr in Deutschland habe die Redaktion nach der Tat in Freiburg geprüft, ob sich der Fall von anderen abhebe. Weil das nicht der Fall gewesen sei, habe die Redaktion den Fall nicht gemeldet – und auch bei der Verhaftung des Tatverdächtigen diesen Maßstab nicht verschoben: „Die Herkunft des mutmaßlichen Täters hat also mit dieser Entscheidung nichts zu tun“, so Gniffke damals.

Das sehen Zuschauer anders. So kommentierte ein Herr Gärtner Gniffkes Stellungnahme zur Kandel-Berichterstattung der ARD mit den Worten:

„Sehr geehrte Mitarbeiter der ARD, dies ist sicher nur einer von vielen Fällen, in denen Ihnen politisch motivierte Berichterstattung vorgeworfen wird. Ich habe vor einer halben Stunde ein Telefongespräch mit einem guten Freund beendet, in dessen Verlauf wir festgestellt hatten, dass wir den Nachrichten der ARD zunehmend kritisch gegenüberstehen. Seit einigen Jahren berichten Sie nicht mehr objektiv; statt dessen haben Sie sich in Richtung erzieherischer, manipulativer und regierungsnaher Veröffentlichung bewegt. Woran liegt das? Zu viele unerfahrene Redakteure? Ein verändertes Berufsverständnis? Wie dem auch sei, uns und viele andere haben Sie verloren.

Mit freundlichen Grüßen, T. Gärtner“

Ein „Gebührenzahler“ schrieb damals:

„Ich bin jeden Monat aufs Neue begeistert angesichts meiner Gebührenverwendung, ohne polemisch klingen zu wollen, möchte ich doch anmerken, dass Ihr vorgeschobenes Maß an Sensibilität hochgradig kontraproduktiv ist. Selten hat ein Thema die Menschen in Deutschland mehr gespalten als das der Aufnahme oder Verweigerung der Einreise von (im Besonderen unbegleiteten minderjährigen) Flüchtlingen.

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Palmer reagiert auf Gniffkes „zweite Stellungnahme“

Palmer wiederum reagierte Dienstagabend auf die 30-minütige Fragerunde Gniffkes von Montag „Es handelt sich nicht um einen Mord, wie er leider täglich vorkommt, aus Habsucht, Rache oder zwischen verfeindeten Banden. Es ist ein außergewöhnlich tragischer Fall und daher eine Nachricht“, so Palmer.

Palmer bedauert erneut, dass wenn es nach der Recherche des ARD-Teams keine Hinweise auf eine überproportionale Beteiligung von Asylbewerbern an Tötungsdelikten gebe, sei das „äußerst bedauerlich“. Auch wenn man Alter und Geschlecht berücksichtige, „bleibt ein großer Unterschied bei der Häufigkeit von Tötungsdelikten zwischen Asylbewerbern und deutschen Staatsbürgern“, so Palmer.

Palmer schmerzt es, dass Gniffke leichtfertig die Reputation der Tagesschau in nicht mehr kleinen Kreisen der Bevölkerung aufs Spiel setzt, indem er wie schon im Fall von Freiburg nicht berichtete. Damit würde Gniffke sich ohne Not dem Verdacht aussetzen, den Menschen Nachrichten, „über den wahren Zustand des Landes verschweigen zu wollen“. „Ihre Rechtfertigungsversuche haben das noch verschlimmert“, so der Grünen-Politiker an Gniffke gerichtet.  „Denn jetzt steht auch im Raum, Sie wollten den Leuten vormachen, es gebe kein Problem mit der Häufigkeit von Tötungsdelikten bei Asylbewerbern“, so der OB. (er)