Henryk M. Broder: Deutschland im „Daueralarmzustand seit 2015“

Eine nicht enden wollende Debatte über die „Erklärung 2018“ geht durch Deutschland. Journalist und Publizist Henryk M. Broder analysiert in seinem regelmäßigen Gespräch mit dem "Spiegel" ein Deutschland, dass sich nicht nur im Alarmzustand befindet sondern auch ein Defizit an Demokratiebewusstsein vorweist.

Henryk M. Broder, Publizist, Buchautor und ehemaliger Kolumnist für Spiegel und den Berliner Tagesspiegel ist der Auffassung, dass ein Sturm mit der „Erklärung 2018“ losbrach, der weiterhin anhält und beinahe hysterische Reaktionen hervorrief.

Mit diesen 33 Worten und 273 Zeichen ist die Erklärung jedoch sehr kurz und damit sogar kürzer als der Artikel 5 des Grundgesetzes. „Diese Erklärung hat eine unfassbare Reaktion ausgelöst, mit der ich nicht gerechnet habe, als ich sie unterschrieb“, so der Publizist. Streng genommen fordere sie auch nicht mehr, als die konsequente Einhaltung der Verfassung und rechtsstaatlicher Verhältnisse.

Nun soll es sogar Gegenerklärungen geben – FÜR offene Grenzen, FÜR unbegrenzte Zuwanderung und dafür, dass kein Mensch illegal ist, das jeder das Recht hat sich dort niederzulassen, wo er leben möchte, so der Journalist weiter. „ … ja die Welt steht Kopf und Deutschland ist dabei. Ich versteh es immer noch nicht, dass sich so viele Menschen auf den Schlips getreten fühlen.“

Daueralarmzustand seit 2015

„Die Hysterie kann man vielleicht damit erklären, dass wir seit zweieinhalb Jahren – seit 2015 – in einer Art von Daueralarmzustand leben. Es passiert mehr als wir verarbeiten können. Jeden Tag ist es so, als würde uns der Boden unter den Füßen wegrutschen.“

Auch gehört es heute wohl zum Wesen der deutschen Debattenkultur, dass man sich einig zu sein habe. Einige wollen mit „Political-Correctness“ die Kanzlerin dabei unterstützen – Grenzen für Debattierbarkeit festzulegen. Zum Beispiel – ob man auch nur die Frage stellen darf, ob die Zunahme der Kriminalität etwas mit der Masseneinwanderung zu tun haben könnte.

„Punktuelle Allianzen“

Der Anspruch ist totalitär, und signalisiert – die DDR und das Dritte Reich waren gute Beispiele dafür – eine abweichende Meinung und du bist raus! Aber, es gehört doch zum Wesen einer Demokratie, dass man ohne Grenzen der Debattierbarkeit diskutiert. Denn, „es gibt immer nur punktuelle Allianzen. Es gibt keine Übereinstimmungen, die über punktuelle Allianzen hinausgehen.“

Das heißt auch: „Ich kann einen Appell unterschreiben, der auch von Leuten unterschrieben wurde, mit denen ich sonst nicht übereinstimme.“ Broder weiter:

Ich nehme an, viele, die auch diese Erklärung unterschrieben haben, besitzen eine andere Haltung zum Nahost-Konflikt oder zur Israel-Frage als ich. In diesem Punkt interessiert mich das nicht, denn ich habe keine Erklärung zu Nahost unterschrieben. Ich habe eine Erklärung mit unterschrieben, zu Verhältnissen in der Bundesrepublik.“

„Beifall von der falschen Seite“ – Defizit an demokratischem Bewusstsein

„Dieses dumme Gewäsch von „Beifall von der falschen Seite“, wenn es danach ginge, könnte es gar keinen Beifall geben. Ich frage ja auch nicht den Sänger, der in Tristan und Isolde auftritt, was er gewählt hat. Und wenn er AfD gewählt hat, und ich erfahre das, dann werde ich ihn, wenn ich in der Aufführung sitze, nicht ausbuhen.“

„Auch sollte man sich dann nicht von einem Roten-Kreuz-Helfer helfen lassen, der zufällig einen „Pinn“ am Anzug mit dem Zeichen der AfD trägt, so Broders nur all zu logische Konsequenz zu all der „Hysterie“.

„Das ist die Totale Hysterie – die einfach zeigt – dass es ein Defizit an demokratischem Bewusstsein gibt,“ so der Journalist. (vm)

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