Angela Merkel.Foto: Maja Hitij/Getty Images

75. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz – Merkels erster Besuch in der Gedenkstätte

Epoch Times4. Dezember 2019 Aktualisiert: 4. Dezember 2019 8:48

Erst zwei deutsche Regierungschefs vor ihr haben sich an den Ort begeben, der wie kein anderer für den Rassenwahn der Nazis und den Völkermord an den Juden im Zweiten Weltkrieg steht.

Wenige Wochen vor dem 75. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz gedenkt nun Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Freitag im ehemaligen NS-Vernichtungslager der dort ermordeten Häftlinge.

Reise von historischer Dimension

Der letzte Besuch eines Kanzlers in Auschwitz liegt fast ein Vierteljahrhundert zurück: Im Sommer 1995 reiste Helmut Kohl (CDU) zum zweiten Mal nach 1989 in das frühere KZ. Sein Vorgänger Helmut Schmidt (SPD) war 1977 als erster deutscher Regierungschef dort gewesen.

Offizieller Anlass für Merkels Besuch in Auschwitz ist das zehnjährige Bestehen der Stiftung Auschwitz-Birkenau, die sich für den Erhalt der Gedenkstätte auf dem Gelände des früheren KZ einsetzt. Die Gründung der Stiftung im Jahr 2009 geht auf eine Initiative des früheren polnischen Außenministers und ehemaligen Auschwitz-Häftlings Wladyslaw Bartoszewski zurück.

Merkel mit 60 Millionen Euro im Gepäck

Das Internationale Auschwitz-Komitee nannte Merkels bevorstehenden Besuch ein „besonders wichtiges Signal“ der Solidarität mit Auschwitz-Überlebenden, die heutzutage in Europa mit „mit antisemitischen Beschimpfungen und Hass-Mails überzogen“ würden.

Die Kanzlerin hat auch konkrete Zusagen im Gepäck: Die Bundesregierung will die Stiftung Auschwitz-Birkenau mit 60 Millionen Euro unterstützen. Dies soll am Tag vor Merkels Abreise bei einem Treffen der Kanzlerin mit den Ministerpräsidenten der Länder offiziell verkündet werden.

Schutz des jüdischen Lebens

Zudem wollen sie einen gemeinsamen Beschluss fassen, um den Schutz jüdischen Lebens zu verbessern und den Kampf gegen Antisemitismus zu stärken. Der Anschlag auf die Synagoge in Halle vor knapp zwei Monaten hatte die Debatte über die Gefahr des Antisemitismus in Deutschland neu entfacht.

Merkel hat während ihrer 14-jährigen Amtszeit als Kanzlerin bereits mehrere frühere Konzentrationslager in Deutschland besucht und war fünf Mal in der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem.

Als erste deutsche Regierungschefin hielt sie außerdem 2008 eine Rede in der Knesset in Jerusalem. Die Shoa erfülle die Deutschen mit „Scham“, sagte sie damals und betonte, dass die Sicherheit Israels deutsche Staatsräson sei.

Zeichen der deutsch-polnischen Aussöhnung

Der Auschwitz-Besuch der Kanzlerin steht auch im Zeichen der deutsch-polnischen Aussöhnung. Erst im September waren Merkel und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nach Warschau gereist, um an den deutschen Überfall auf Polen vor 80 Jahren zu erinnern.

Steinmeier bat Polen dabei um Vergebung für die historischen Verbrechen Deutschlands. Außenminister Heiko Maas (SPD) hatte einen Monat zuvor bei einer Gedenkfeier in Warschau den Widerstand der Polen gegen die NS-Besatzung während des Zweiten Weltkriegs gewürdigt.

Polens Ministerpräsident dabei

Merkel wird in Auschwitz vom polnischen Ministerpräsidenten Mateusz Morawiecki sowie einem ehemaligen KZ-Häftling und Vertretern jüdischer Organisationen begleitet.

Sie wird das Eingangstor des Stammlagers mit der zynischen Aufschrift „Arbeit macht frei“ durchschreiten und eine Gedenkminute an der sogenannten Todeswand abhalten, wo tausende Menschen von den Nazis erschossen wurden.

Anschließend werden Merkel und andere Gäste eine Rede halten. Dem sollen sich ein Gang durch das ehemalige Vernichtungslager Birkenau und eine Kranzniederlegung anschließen.

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Auschwitz-Birkenau war im Zweiten Weltkrieg im damals von Hitler-Deutschland besetzten Polen das größte Vernichtungslager der Nazis. Etwa 1,1 Millionen Menschen wurden dort ermordet, die meisten waren Juden.

Auch 80.000 nicht-jüdische Polen, 25.000 Sinti und Roma sowie 20.000 sowjetische Soldaten wurden in dem Lager ermordet, das die Rote Armee am 27. Januar 1945 befreite. (afp)

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