Rechtsradikal?: Suhrkamp-Verlag distanziert sich von Buchautor Tellkamp – Was sagte er wirklich?

Von 9. März 2018 Aktualisiert: 12. März 2018 23:30
Was sagte der Buchautor Uwe Tellkamp in Dresden, dass sich der Suhrkamp Verlag von ihm distanzierte?

Im Dresdner Kulturpalast sprach Buchautor Uwe Tellkamp mit seinem Schriftstellerkollegen Durs Grünbein vor mehreren hundert Zuhörern frei zu dem, was gefragt wurde.

Nun distanziert sich sein Verlag, der Suhrkamp Verlag, von ihm – denn Tellkamp habe sich gegen die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung ausgesprochen, schreibt die „Welt“.

Auf die rechtsradikalen Passagen, von denen in verschiedenen Medien die Rede ist, wartet man beim Video-Mitschnitt vergebens. Tellkamp spricht zur Asylpolitik und den Geldern, die die Flüchtlinge kosten. Er spricht dazu, dass der Bundestag über die Öffnung der Grenzen nicht abstimmte.

Uwe Tellkamp sagte, es mache ihm Angst, dass eine Entwicklung am laufen sei, die Nazis hervorbringe. Er warnt vor dieser Tendenz – und wird nun selbst als „Rechtsradikaler“ oder „AfD-ler“ abgestempelt, weil diese dies ebenso sagen.

Michael Kretschmer, Ministerpräsident von Sachsen twitterte zur Debatte:

ist mir als krit. Stimme willkommen. Ärgerlich ist die schon wieder beginnende Stigmatisierung. Wünsche mir, in der Sache zu diskutieren. Wenn Streitgespräch zur Verurteilung einer Person führt, darf man sich nicht wundern, wenn keine offenen Debatten mehr geführt werden.

Etwa die Hälfte der Podiumsdebatte wurde hier notiert, das vollständige Video befindet sich unter dem Text.

Was sagte Uwe Tellkamp in Dresden?

Zu Zuwanderern erklärte der Autor: „Die meisten fliehen nicht vor Krieg und Verfolgung, sondern um in die Sozialsysteme einzuwandern. Über 95 Prozent.“

Das Rentenproblem: „Wenn man die 30 Mrd. Euro, die die Flüchtlinge pro Jahr kosten, und das ist die offizielle Zahl aus dem Finanzministerium, wenn man die in die Rentenlöcher stecken, ist das Rentenloch erledigt.“

Die Veränderungen im Mainstream: „Ich würde gern einem Journalisten genau so viel Lernfähigkeit zubilligen wie jedem anderen“, erklärt die Sprecherin.

Uwe Tellkamp stimmt ihr zu. „Richtig, Das müssen sie dann aber auch denjenigen zugestehen, die in dieser Zeit herabgewürdigt wurden, die beleidigt wurden … die Hamburger Mopo macht auf mit dem braun eingefärbtem Ostdeutschland. Das geht nicht. Da muss sich die vierte Gewalt fragen lassen, wo sie hin will. Wenn Sie jetzt sagen, sie sind selbstkritisch … wo sind die Debatten, die wir dazu geführt haben? Das kann ich nicht so ganz teilen.“

Und weiter: „Was geht seit Jahr und Tag auf Dresden nieder? Was wir für ein Dunkeldeutschland sind (Armin Laschert), wo die Verrückten leben? Was geht da nieder?“

Natürlich mache das was mit den Menschen, führt er aus. Und diese zurückzugewinnen mit dem Argument, Journalisten seien lernfähig, ist seltsam. Denn: „die Beleidigungen bleiben“. Er meint:

„Wenn Sie jahrelang herabgewürdigt werden – und es ist herab gewürdigt worden, bei jedem kritischen Wort gegen Zuwanderung … wenn sie ständig in eine bestimmte Richtung gedrängt werden – das ist passiert, Rechte, Rechtspopulisten, Rassisten, Sexisten, Extremisten, also Nazis – und die Bürger wollen nichts weiter außer Kritik äußern und zurückmelden ‚Hier läuft was schief‘ und dann merken sie die Reaktionen darauf … Dann muss man sich über eine Verrohung, eine platzende Wut, nicht wundern. Ich billige es nicht, aber wundern muss man sich nicht.“

Rechtsbruch von Kanzlerin Merkel:

„Bis heute ist nicht sicher, was Merkel 2015 gemacht hat, ob es ein Rechtsbruch war oder nicht. Aber die Rechtswissenschaftler sind sich einig, dass es einen Rechtsbruch im Bundestag gab“, denn der Bundestag ist bis heute nicht gefragt worden. „Man weiß bis heute nicht, auf welcher Rechtsgrundlage Merkel gehandelt hat.“

Es gäbe die Pflicht, an den Staatsgrenzen Menschen zurückzuweisen. Doch aus der Angst vor schlechten Bildern wurde dies unterlassen.

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Egoismus: Wem helfe ich und was ist Moral?

„Wir haben eine egoistische Diskussion. Es geht um: Wem helfe ich und was ist Moral. Die einen sagen, moralisch ist es, den Fremden, den Flüchtlingen zu helfen, einverstanden. Die anderen sagen, moralisch ist es, zunächst mal an die eigenen Leute zu denken. Einverstanden.“

„Das Problem für mich ist, dass die, die sagen, wir haben eine Verpflichtung auf Grund unserer Geschichte, zunächst mal den anderen zu helfen, dass die anfangen zu moralisieren. Die sagen nämlich, ihr anderen, die ihr zuerst an eure Oma denkt, eurer Tochter oder eurem Sohn zuerst Geld geben wollt, bevor ihr es jemandem Fremden geben wollt, ihr denkt egoistisch. Und weil du egoistisch denkst, bist du ein schlechter Mensch. Damit fangen die Probleme an. Das ist das, was ich mit Gesinnungskorridor meine, denn dieses Narrativ ist in vielen Zeitungen gepflegt worden.“

Video: Rechtspopulistische Thesen von Uwe Tellkamp, sekundiert von Götz Kubitschek [Dresden 8.3.2018]

Ein Leser schrieb als Kommentar in der „Welt“:

„Ob zwischen Herrn Tellkamp und Suhrkamp-Verlag nach diesem eigenartigen Eingreifen in die Persönlichkeitsrechte von Herrn Tellkamp (oder man sollte besser von Meinungsdiktatur sprechen) noch eine gedeihliche Zusammenarbeit möglich sein wird, wage ich zu bezweifeln. Da ich den „Turm“ gelesen habe, bin ich mir sicher, dass weitere Tellkamp-Werke ihre Leser (Käufer) finden werden, auch bei weniger bekannten Verlagen.“