Am 15. August 2020 in Berlin.Foto: Adam Berry/Getty Images

Steingart: Berufspolitiker sollten mal den Praktikern zuhören

Epoch Times27. August 2020 Aktualisiert: 26. August 2020 19:13
Die Jugend kann mit „Merkels kollektiven Vorruhestand“ nichts anfangen, Widerstand baut sich auf. Unterstützung bekommen die Jüngeren von vielen Seiten.

Die Lockdown-Politik findet Anklang bei Älteren und Senioren sowie bei CDU/CSU-Wählern. Behaglich fänden den „kollektiven Vorruhestand“ und das „Entschleunigungsparadies“ der Pandemie, wie es der Psychologe und Marktforscher Stephan Grünewald nennt, diese Gruppen. An den Schulen und Kinderklinken baue sich allerdings Widerstand auf, stellt Gabor Steingart im „Fokus“ fest.

Steingard schreibt: „Der zunehmend autoritäre Auftritt des Staates, der mithilfe von Ordnungsamt, Zugbegleitern, Polizei und Lehrkörpern seine Corona-Regeln – Maske tragen, Abstandhalten, Hygiene beachten – durchsetzen will, wird hier mit stillem Befremden und offener Ablehnung verfolgt. Immer häufiger kommt es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen, die den Beginn einer neuen Jugendkultur bedeuten könnten.“

Unterstützung bekommen die Jüngeren von vielen Seiten. Darunter ist der Marburger Bund ebenso wie die Bundesschülerkonferenz. Die Ärzte des Marburger Bundes sehen die Maskenpflicht im Unterricht als Schikane. Bundesvorsitzende Susanne Johna sagt: „Wenn alle auf ihren Plätzen sitzen und Abstand sichergestellt ist, macht das Tragen von Masken während der Unterrichtsstunden überhaupt keinen Sinn.“

„Wenn vier medizinische Fachgesellschaften dazu aufrufen, Kitas und Schulen vollständig zu öffnen, muss die Politik so schnell wie möglich reagieren“, sagte FDP-Chef Christian Lindner am 20. Mai.

Steingart plädiert daher dafür, dass die Berufspolitiker vor neuen Beschlüssen den Praktikern eine Chance geben und ihnen zuhören. Denn so die Überschrift – „Die Jugend rebelliert gegen Merkels ‚kollektiven Vorruhestand‘ in der Pandemie“.

Löhne fallen, Renten steigen Senioren sind die Profiteure der Krise

Nach Ansicht des Ökonomen Bernd Raffelhüschen führen die wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise zu Ungerechtigkeiten im deutschen Rentensystem.

„Während die Löhne wegen des Abschwungs fallen, werden die Renten dies nicht tun, obwohl dies ein solidarischer Gedanke über die Generationen hinweg wäre“, sagte Raffelhüschen Anfang August 2020. Stattdessen blieben die Renten infolge der aktuellen Gesetzeslage auch im Fall einer Rezession auf dem jetzigen Stand eingefroren, während das Lohnniveau aufgrund der wirtschaftlichen Krise sinke.

Setze man beide Faktoren ins Verhältnis zueinander, „wird das Rentenniveau durch Corona sogar steigen. Es zeigt sich: Rentner sind die Profiteure der Coronakrise, sie werden keinen Einkommensverlust erleiden. Sie werden sogar besser davon kommen als die anderen, die ihre Rente bezahlen“, so Raffelhüschen.

Die Gefahren gehen nicht von Kindern und Jugendlichen aus

Prof. Wolfgang Kölfen, Chefarzt an der Klinik für Kinder und Jugendliche der Städtischen Kliniken Mönchengladbach, verweist auf die Fallzahlen: „In Deutschland sind 200 Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren bisher im Register gemeldet, dass sie mit Covid erkrankt waren. Es gibt – nach einer RKI-Statistik – drei Todesfälle unter 20 Jahren in Deutschland. Wir reden also über etwas, was extrem selten ist.“

Die Gefahren gingen eher nicht von den Kindern und Jugendlichen aus, sie seien nicht die „Spreader“, die andere infizieren. Ganz im Gegenteil, dies seien die Erwachsenen. Sein Urteil ist eindeutig, schreibt der „Fokus“:

Diese Corona-Politik ist ein Irrweg in Bezug auf unsere Zukunft.“

Ein Leser weist im „Fokus“ darauf hin: „Die Corona Krise

ist keine Krise des Virus sondern der Maßnahmen. Einzig und allein die Maßnahmen haben uns in diese Situation gebracht und die Maßnahmen wurden von Politikern beschlossen. Dass andere Politiker realistischer und besser handeln, sieht man in Schweden hätten alle so gehandelt, wäre Corona bis Jahresende Geschichte.“

Corona-Lockdown hatte „Langeweile“ zur Folge – „Unruhen um der Unruhe willen“

In den Niederlanden kam es bereits zu chaotischen Szenen durch Jugendliche. Der Corona-bedingte Lockdown hatte über Monate hinweg Sportvereine lahmgelegt, zur Schließung von Jugendzentren beigetragen, es gab keinen Zutritt zu Schwimmbädern, ohnehin in prekären Verhältnissen lebende Familien sahen sich finanziell noch zusätzlich belastet und vor allem in dicht besiedelten Gebieten hat sich ein erhebliches Konfliktpotenzial aufgestaut.

Der Soziologe Jaap Timmer von der Freien Universität Amsterdam spricht von „Unruhen um der Unruhe willen“. Politische oder ideologische Ziele verfolgten die beteiligten Jugendlichen und jungen Erwachsenen nicht. Es sei eher „Langeweile“, die als Auslöser fungiere – wie auch Augenzeugen vor Ort gegenüber Medien äußern. Das Leben gerate, so Timmer, „aus den Fugen, wenn es nichts zu tun gibt“.

Langeweile begünstige es, dass sich Jugendliche gegenseitig zu Mutproben anstachelten. Gruppendynamik, verstärkt durch Aufrufe in sozialen Medien, trage ihren Teil zur Eskalation bei. Auch Eltern seien in einer solchen Lage häufig zu sehr mit der eigenen Situation beschäftigt, als dass sie den Jugendlichen Halt geben können. Der Jugendbotschafter von Den Haag, Aad van Loenen, nennt auch die Schließung von Schulen als Faktor: „Wenn Sie Schulen monatelang schließen, […] dann passiert das.“ (ks)


Unterstützen Sie unabhängigen und freien Journalismus

Danke, dass Sie Epoch Times lesen. Ein Abonnement würde Sie nicht nur mit verlässlichen Nachrichten und interessanten Beiträgen versorgen, sondern auch bei der Wiederbelebung des unabhängigen Journalismus helfen und dazu beitragen, unsere Freiheiten und Demokratie zu sichern.

Angesichts der aktuell schwierigen Zeit, in der große Tech-Firmen und weitere Player aus dem digitalen Werbemarkt die Monetarisierung unserer Inhalte und deren Verbreitung einschränken, setzt uns das als werbefinanziertes Nachrichten-Portal unter großen Druck. Ihre Unterstützung kann helfen, die wichtige Arbeit, die wir leisten, weiterzuführen. Unterstützen Sie jetzt Epoch Times indem Sie ein Abo abschließen – es dauert nur eine Minute und ist jederzeit kündbar. Vielen Dank für Ihre Unterstützung!

Monatsabo ab 7,90 Euro Jahresabo ab 79,- Euro

Gerne können Sie EPOCH TIMES auch durch Ihre Spende unterstützen:

Jetzt spenden!


Kommentare
Liebe Leser,

vielen Dank, dass Sie unseren Kommentar-Bereich nutzen.

Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen, Schimpfworte, aggressive Formulierungen und Werbe-Links. Solche Kommentare werden wir nicht veröffentlichen. Viele Kommentare waren bisher schon anregend und auf die Themen bezogen. Wir bitten Sie um eine Qualität, die den Artikeln entspricht, so haben wir alle etwas davon.

Da wir die juristische Verantwortung für jeden veröffentlichten Kommentar tragen müssen, geben wir Kommentare erst nach einer Prüfung frei. Je nach Aufkommen kann es deswegen zu zeitlichen Verzögerungen kommen.

Die Kommentarfunktion wird immer weiter entwickelt. Wir freuen uns über Ihr konstruktives Feedback, sollten Sie zusätzliche Funktionalitäten wünschen an [email protected]


Ihre Epoch Times - Redaktion