TOTAL – normales Flugzeugunglück? Zum Tod von Christophe de Margerie

Von 25. Oktober 2014 Aktualisiert: 25. Oktober 2014 15:50

Der Chef des französischen Energiekonzerns TOTAL, Christophe de Margerie, ist bei einem Flugzeugcrash in Moskau ums Leben gekommen. Sein Privatjet prallte dem Vernehmen nach mit einem Schneepflug zusammen. 

Der 63-Jährige CEO von Total hatte an einer Regierungskonferenz in der Nähe von Moskau teilgenommen, auf der es um ausländische Investitionen ging. Dabei konferierte der Tycoon auch mit dem russischen Ministerpräsidenten Dmitri Medwedew in dessen Residenz. Innerhalb der westlichen Großindustrie gilt Margerie als "Putinversteher" par exellence. Er umging die transatlantische Sanktionspolitik gegenüber dem Kreml offensiv, verwahrte sich gegen amerikanische Bevormundungen und griff in seinem letzten Interview die Vormacht der US-Währung ("Petrodollar") frontal an, indem er sich dafür aussprach, Ölgeschäfte fortan in Euro abzuwickeln. Während des hochkarätigen Treffens dürfte auch die Übertragung von Förderrechten entlang der russischen Arktis von Exxon auf TOTAL thematisiert worden sein. 

Das zufällige Zusammenfallen des hochumstrittenen Gipfeltreffens mit dem tragischen Crash liess in einschlägigen Internetforen verschwurbelte Zweifel am Unfallhergang heranreifen. Wie so oft offenbaren die dabei von Verschwörungstheoretikern aufgeworfenen Fragen einen erschreckenden Mangel an örtlicher, kultureller und vor allem technischer Sachkenntnis. Den schlimmsten Aussetzern soll an dieser Stelle widersprochen werden:

1. Es ist für Moskauer Verhältnisse nicht ungewöhnlich, dass ein Flugzeug nach der Startkollision mit einem Schneepflug mit intaktem Bugrad und auf dem Rücken liegend aufgefunden wird. Zwar reisst es Bugräder beim Überfahren nicht sachgemäss abgestellten Geräts tatsächlich als erstes weg, im postsowjetischen Luftraum jedoch haben Sponsoringverträge mit der Erotikindustrie dazu geführt, daß Jets mitunter in der passiven Missionarsstellung abheben. Schäden entstehen hier somit an der Kanzel, nicht am Bauch der Maschine.

2. Es ist normal, daß der Schneepflugfahrer erst amtlich für tot, dann verschwunden, dann verletzt und am Ende als völlig unbeschadet gemeldet werden kann. Die Beweglichkeit und Nehmerqualitäten von Russen dürfte jedem Fernsehkonsumenten schon aus dem Boxsport geläufig sein.

3. Es sollte nicht verwundern, dass der Räumfahrer bereits Minuten nach dem Unfall, wiederum amtlich, für alkoholisiert erklärt werden konnte. Russische Rettungskräfte nehmen bei politisch brisanten Unfällen grundsätzlich zuerst bei Verdächtigen Blutproben, auch wenn diese gar nicht mehr am Unfallort sind. Sollten sie wie im vorliegenden Fall anschließend wieder auftauchen und versichern, aufgrund ärztlicher Attestierungen dauertrocken zu sein, werden Moskowiter Behörden nach westlichem Prozedere zuerst den Ausnüchterungsgrad des behandelnden Mediziners prüfen.

4. Es ist nachvollziehbar daß die Behörden kein Bild des Crash-Schneepflugs veröffentlichen können. Schneepflüge fallen aus Tonnage- und Hubraumgründen in die Kategorie "militärisches Gerät" und somit unter einschlägige Geheimhaltungsbestimmungen der Armee.

5. Es ist im gegebenen Fall vernachlässigenswert, daß Aufnahmen am Unglücksort den Boden so grün wie einen beheizten Fussballplatz zeigen. Selbst mediterrane "Pisten"verhältnisse können einen arbeitswütigen Russen nicht bremsen, er schaufelt auch ohne Schnee die weisse Pracht vom Acker – und wenns sein muss nachts um 12. 

6. Es sollte verstanden werden, warum die Towerbesatzung die heranrollende Gefahr auf ihrer Rollbahn (in Wnukowo gibt es zwei davon) übersehen musste. Auf russischen Airports, gerade aber auf den Start- und Landeabschnitten, herrscht ab 22.00 strengstes Verdunkelungsverbot. Diese noch aus der Zeit des Kalten Krieges stammende Vorschrift schließt verkehrstechnisch bedingte Lichtflutung mit ein. Sowohl Flugzeuge als auch Räumfahrzeuge haben ihre Scheinwerfer bei Inbetriebnahme zu löschen. Ist das infolge eines technischen Defekts nicht möglich, sind Fahrer und Piloten gehalten vorher verabreichte Augenbinden anzulegen.

7. Es wäre falsch aus dieser Sicherheitsbestimmung zu folgern, Starterlaubnisse würden im Reich Putins schlicht nach Gutsherrenart vergeben. Um bloßen "Verdachts-" oder "Bauchgefühlsanweisungen" entgegenzutreten steht den Insassen des Towers auch hier hochmodernes RadarEquipment zur Verfügung, welches selbst in tiefster Finsternis das Herannahen eines Rehs an die Flugstrecke melden würde. Schneepflüge sind keine Rehe und werden daher nicht angezeigt.

8. Es ist Tatsache, daß die Bodenkontrolle in Russland wie auch im Westen ständige Funkverbindung zu allen Fahrzeugen nahe der Landebahn hält. Jedes Individuum muss um Erlaubnis fragen, wenn es eine Flugstrecke betreten oder queren will, der Tower hat das Ansinnen kritisch zu prüfen. Die Forderung der USA nach Liberalisierung des sowjetischen Kommandoapparats führte dazu, daß Boris Jeltzin diese strenge Richtlinie auf dem Regierungsflughafen Wnukowo abmilderte. Ganz aufgehoben wurde sie für bevorzugte Gäste des russischen Premiers und/oder Präsidenten die bereits am Airport die neue russische Lockerheit schätzen lernen sollen. "Alles darf, nichts muss", so das neue Motto, das demnächst auch auf den Schiffahrts und Straßenverkehr ausgeweitet werden soll.

Es hat nichts mit dem tragischen Ableben des TOTAL-Chefs zu tun, wenn der ehemalige Chefökonom der NSA-Strategiefirma Chas. T. Main, John Perkins, behauptet, daß es in den USA einen Finanzwirtschaftlichen Geheimdienstapparat gebe, der Konkurrenten und Linienabweichler gewaltsam aus dem Weg räume. Perkins beleuchtet u.a. die Schicksale der lateinamerikanischen Präsidenten Jaime Roldós und Omar Torrijos, die amerikanische Ölinteressen bedrohten bzw. am US-Markt vorbei Investorengeschäfte betrieben. Sie starben bei Anschlägen gegen ihre Flugzeuge. Anders als Margerie hatten jedoch beide nachweislich keinen Bart, waren schlank und der französischen Sprache nicht mächtig.

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