Die Preise steigen – Was sind die tatsächlichen Ursachen?

Der Ukrainekrieg ist nicht unbedingt die Ursache der allgemeinen Verteuerung, sagt Börsenfachmann Axel Retz. Zudem sei der Staat der „Hauptprofiteur der Ölpreisentwicklung“.
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Am 16. Juli 2022: In der Nähe von Wilhelmshaven entsteht ein Terminal für den Anschluss schwimmender Stationen für verflüssigtes Erdgas (LNG).Foto: David Hecker/Getty Images
Von 13. August 2022

Was im Winter auf die Menschen in Deutschland zukommen wird, kann sich noch keiner richtig vorstellen. „Denn die ‚Verknappung‘ von Lebensmitteln und der teilweise exorbitante Preisanstieg dürften erst ein leises Präludium dessen sein, was im Falle eines (wahrscheinlichen) Totalausfalls russischer Gaslieferungen zu erwarten steht“, analysiert Börsenanalyst Axel Retz in seinem jüngsten Börsenbrief.

Die Erzeugerpreise explodieren, jeder spürt es beim Einkaufen. Allerdings nicht aufgrund des Ukrainekrieges, wie der Chart zeigt. „Der jetzige Preisexzess nahm seinen Anfang drei Wochen nach dem Ausrufen der ‚Pandemie‘ durch die WHO am 11. März 2020; seit Beginn des Ukrainekriegs hat er keine höhere Dynamik entwickelt als zuvor.“

Es sei also nicht der Kreml, dem der „Schwarze Peter“ für die Erzeugerpreise zugeschoben werden könnte.

Tatsächliche Ursache sind die unterbrochenen Lieferketten, die teilweise künstliche Verknappung aller möglichen Güter – unter anderem wegen der Corona-Lockdowns – sowie die Energiepolitik.

Dabei wäre die Entwicklung der Produzentenpreise bisher nur teilweise an der Ladentheke angekommen, was sich seiner Ansicht nach bald ändern dürfte.

Realzins und „Enteignung“

Teuerungsraten und die möglichen Renditen haben den Realzins auf 6,65 Prozent absinken lassen. Axel Retz weist darauf hin, dass 1.000 Euro, die heute in Staatsanleihen angelegt würden, damit rechnerisch in einem Jahr nur noch eine Kaufkraft von 933,50 Euro haben.

„Sollte sich, und das halte ich für eine ausgesprochen optimistische Annahme, die Realverzinsung in den kommenden Jahren auf dem jetzigen Niveau stabilisieren können, wäre die Kaufkraft Ihrer 1.000 Euro in fünf Jahren recht genau um ein Drittel gefallen.“

Putin und der Ölpreis

„Frieren für den Frieden“ steht gerade hoch im Kurs. Auch wenn Medien melden, dass der russische Präsident den Öl- und Gaspreis durch den Krieg massiv in die Höhe getrieben habe, ist das nicht ganz korrekt.

Nur beim Erdgas sei da etwas dran, beim Ölpreis nicht. Retz konkretisiert: „Der Ölpreis bewegt sich fast genau dort, wo er zum Kriegsanfang am 24. Februar auch stand.“

Zum Öl- bzw. Benzin-/Dieselpreis sei festzustellen, dass Steuern und Abgaben momentan die höchsten Kostentreiber seien.

„Über 65 Cent pro Liter Benzin bzw. über 47 Cent pro Liter Diesel fließen an der Tanke mittels Mineralölsteuer, CO2-Abgabe und Mehrwertsteuer direkt ins Staatssäckel“, teilt der Finanzfachmann Epoch Times mit. „Der Staat ist Hauptprofiteur der Ölpreisentwicklung.“

Ein Liter Rohöl der Nordseesorte Brent kostete Ende der ersten Augustwoche rund 60 US-Cent bzw. 59 Euro-Cent. Die sich verteuernden Kosten für Schiffsdiesel und die extrem gestiegenen Preise für die Öltanker-Frachtraten und anschließend die Kosten für die Raffinerien, treiben den Preis Zug um Zug weiter nach oben. „Wobei wirklich jeder mitnimmt, an was ihn niemand hindert“, so Axel Retz.

„Letztlich ist es die Einschätzung der gemeinhin als eher gewieft geltenden Akteure an den Rohstoffmärkten, die dem Ölpreis seine Richtung vorgibt. Hier scheint sich die Erwartung einer weltweiten Rezession Bahn zu brechen.

Dieser Artikel erschien zuerst in der Epoch Times Wochenzeitung, Ausgabe Nr. 57, vom 13. August 2022.



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