Shopping in Brüssel: Die Inflation steigt.Foto: Siska Gremmelprez/BELGA/EPA FILE/dpa

Inflation in der Eurozone steigt über EZB-Ziel – Energie wurde um 13,1 Prozent teurer

Epoch Times17. Juni 2021
Höhere Preise für Heizöl und Benzin lassen die Inflation nicht nur in Deutschland steigen: Auch in der Eurozone liegt sie über dem Wert, den die EZB anstrebt. Muss die Zentralbank eingreifen?

Die Inflation in der Eurozone beschleunigt sich weiter und ist knapp über das Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB) gestiegen. Die Verbraucherpreise erhöhten sich im Mai gegenüber dem Vorjahresmonat um 2,0 Prozent, wie das Statistikamt Eurostat in Luxemburg mitteilte.

Die Statistiker bestätigten damit eine erste Schätzung. Im Vormonat hatte die Teuerung noch 1,6 Prozent betragen.

Besonders deutlich stiegen abermals die Energiepreise, die gegenüber dem Vorjahresmonat um 13,1 Prozent zulegten. Dies hat seinen Grund auch im Einbruch der Energiepreise während der ersten Corona-Welle vor etwa einem Jahr.

Alle anderen Produktkategorien verteuerten sich dagegen unterdurchschnittlich. Die Preise von Dienstleistungen erhöhten sich auf Jahressicht um 1,1 Prozent. Lebens- und Genussmittel sowie industriell gefertigte Güter waren jeweils weniger als ein Prozent teurer.

EZB will nicht gegensteuern

Die Kerninflation ohne Energie und Lebensmittel stieg von 0,7 auf 1,0 Prozent. Eine erste Schätzung hatte eine etwas niedrigere Rate von 0,9 Prozent ergeben. Die Kerninflation gilt vielen Ökonomen als entscheidend für den grundsätzlichen Preistrend, da im Preis schwankungsanfällige Komponenten ausgeblendet werden.

Mittelfristig strebt die EZB eine Inflationsrate von knapp zwei Prozent an. Obwohl der Wert jetzt überschritten wird und ein weiterer Anstieg erwartet wird, hat die Notenbank schon erklärt, geldpolitisch nicht eingreifen zu wollen.

Sie betrachtet den Anstieg als lediglich zeitweilig, da er eine Folge des Preiseinbruchs in der ersten Corona-Welle vor einem Jahr sei. Auch die derzeitigen Engpässe im Welthandel, die viele Rohstoffe und Vorprodukte verteuern, betrachtet die EZB bisher als übergangsweises Phänomen.

„Wir werden uns an die stärkere Verteuerung gewöhnen müssen“

„Wir werden uns an höhere Teuerungsraten gewöhnen müssen, selbst wenn die Sondereffekte der Pandemie vorbei sind“, erklärte der Präsident des Instituts für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel, Gabriel Felbermayr. „Auch weil die Europäische Zentralbank nicht durch höhere Zinsen gegensteuern kann, ohne die Stabilität in hoch verschuldeten Ländern wie Italien zu gefährden“, fügte er hinzu.

Läuft die Inflation tatsächlich aus dem Ruder und zwingt die EZB zum Handeln, steht uns die nächste Eurokrise ins Haus.“

Die deutsche Wirtschaft erholt sich nach Einschätzung des Instituts zusehends von ihrem Einbruch in der Corona-Pandemie und dürfte im dritten Quartal wieder Vorkrisenniveau erreichen. Wie die Forscher am Donnerstag mitteilten, dürften vor allem der Handel und „kontaktintensive Dienstleistungen“ wie etwa das Gastgewerbe von einem „Erstarken der privaten Konsumausgaben profitieren“. Die Erholung in der Industrie sei dagegen trotz sehr guter Auftragslage momentan durch Lieferengpässe gehemmt.

„Der deutsche Konjunkturkessel steht unter Dampf“, erklärte IfW-Konjunkturchef Stefan Kooths. „Eine durch aufgestaute Kaufkraft und staatliche Konjunkturprogramme zusätzlich angefachte Nachfrage trifft auf ein auch durch Lieferengpässe limitiertes Angebot“. Alles in allem stünden die Zeichen so „auf kräftige Expansion“.

Zeitweilig könnte die Inflation noch höher steigen

Dies treibe aber dort die Preise, wo Produktionskapazitäten noch nicht mit der anziehenden Nachfrage Schritt halten könnten, fügte Kooths hinzu. Zeitweilig könnten die Teuerungsraten nach IfW-Einschätzung bis zu vier Prozent erreichen; im Gesamtjahr 2021 sei mit einer Inflation von 2,6 Prozent zu rechnen.

Dabei sei das Klimapaket der Bundesregierung für 0,4 Prozentpunkte der Teuerung verantwortlich, die Rückkehr zu den alten Mehrwertsteuersätzen für 1,2 Prozentpunkte. 2022 dürfte die Inflation laut IfW dann bei 1,9 Prozent liegen. Von Zentralbanken als optimal für die Konjunktur angestrebt wird bei der Teuerung der Verbraucherpreise meist ein Wert von knapp unter, aber nahe zwei Prozent.

Insgesamt habe sich bei den privaten Haushalten in der Pandemie 200 Milliarden Euro Kaufkraft aufgestaut, von denen sich nach Einschätzung des IfW aber wohl nur ein kleiner Teil in nachholenden Käufen entladen wird. „Greifen die Konsumenten stärker auf ihr Finanzpolster zurück, wird das die Inflation noch weiter befeuern“, erklärte Kooths. Hierin liege kurzfristig die größte Gefahr für die Preisstabilität.

Ifo-Institut München widerspricht Kieler Institut

Beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) erwartet das IfW in seiner jüngsten Konjunkturprognose für 2021 einen Zuwachs um 3,9 Prozent – das sind 0,2 Prozentpunkte mehr als zuvor angenommen. Für 2022 wird ein BIP-Wachstum von 4,8 Prozent erwartet.

Das Münchener Ifo-Institut hatte seine Konjunkturprognose am Mittwoch indes auf 3,3 Prozent für Jahr abgesenkt. Das sind 0,4 Prozentpunkte weniger als noch im März angenommen. Dafür erhöhte das Institut seine Vorhersage für das kommende Jahr um 1,1 Punkte auf 4,3 Prozent. Kurzfristig dämpfend wirken laut Ifo vor allem die Engpässe bei der Lieferung von Vorprodukten. (dpa/afp)



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