Bringt die Zukunft globale statt lokale Entwicklung der Wirtschaft?

Von 10. Februar 2005 Aktualisiert: 10. Februar 2005 13:05

Outsourcing auch der Grundlagenforschung?

Klassische Modelle der Forschungsförderung als Garant für wirtschaftliche Entwicklung eines Landes scheinen zusehends überholt zu werden durch neue Entwicklungen, getrieben durch die verstärkte Internationalisierung der Großkonzerne. Outsourcing steht nun auch schon an den Toren der höchsten Ebene wirtschaftlicher Investitionen – der Grundlagenforschung.

Grundlagenforschung wird als die Basis für zukünftige wirtschaftliche Entwicklung gesehen. Dementsprechend sind führende Industriestaaten sehr daran interessiert, Forschern ein gutes Arbeitsumfeld zu bieten. Sehr konsequent umgesetzt ist dieses Konzept in den USA, das Doktoranden und Postdocs aus aller Welt anzieht. Derzeit ist beispielsweise auch die europäische Union dabei, mehr attraktive Arbeitsmöglichkeiten für Forscher in Europa zu schaffen. Die EU bietet den Forschern Mobilitäts- und Rückkehrstipendien an, um einen freieren Wissensaustausch in der Forschungslandschaft zu erreichen.

Neben diesen bewährten Modellen der langfristigen Investition zur Sicherung der Wettbewerbsposition der Wirtschaft treten neue Modelle auf, die eine radikale Änderung auch in der Forschungslandschaft heraufbeschwören. Getrieben werden diese Entwicklungen durch das bereits in vielen Bereichen erfolgte Outsourcing. War es früher vor allem die Produktion, die outgesourced wurde, so wurden in letzter Zeit auch immer stärker die Auslagerung von Entwicklungsprozessen betrieben – dass Indiens Programmierer in Bangalore billig und effizient arbeiten ist ja schon oft diskutiert worden. Das Produktdesign wurde aber typischerweise noch als Kernkompetenz angesehen und von westlichen Konzernen selbst durchgeführt. Der aktuelle Trend geht nun aber dahin, auch immer mehr Bereiche von Forschung auszulagern, da man sich damit eine effizientere Kommunikation zwischen Forschungs- und Entwicklungsabteilungen verspricht.

So haben beispielsweise selbst Firmen wie IBM, Motorola oder HP, welche eigentlich für ihren hohen Forschungs- und Entwicklungsaufwand bekannt sind, seit dem Jahr 2000 ihr Budget für Forschung und Entwicklung eingefroren oder sogar reduziert. „Outsourcing ist eine extreme Möglichkeit um Kosten bei Forschung und Entwicklung zu sparen“, sagte Jack Faber, Vizepräsident für Businesssysteme bei HP. Outsourcing allgemein ist eine Entwicklung, die eigentlich in den USA am stärksten vorangeschritten ist. So hat etwa General Motors mit Standort Indien ein erstes Forschungslabor außerhalb der USA eröffnet. Aber auch der holländische Unterhaltungselektronikgigant Philips entwickelt und testet seine Software für DVD-Player und Flachbildschirme in Indien.

Aber auch aus Deutschland ist man dabei, seine Forschungslandschaft outzusourcen. So hat etwa der deutsche Softwarekonzern SAP in Bangalore/Indien eine Forschungs- und Entwicklungseinheit mit 1400 Mitarbeitern installiert – die größte außerhalb Deutschlands. Mittlerweile kommen sogar schon 10 Prozent von SAPs Patente aus Bangalore.

Neben Indien wird aber auch China als ein interessanter Standort angesehen, um Forschung auszulagern. For allem deswegen, da man darin den Einstiegspunkt in einen Markt mit einer Milliarde Konsumenten sieht. Sowohl Microsoft wie auch die Französische Telekom haben jüngst angekündigt, ein Forschungszentrum in Peking aufbauen zu wollen. Genauso wie Indien verfügt China nämlich über einen großen Pool an gut ausgebildeten Informatikern und Grundlagenforschern.

Aber auch der afrikanische Erdteil setzt an, eine Forschungslandschaft aufbauen zu wollen. So hat etwa die Nigerianische Computergesellschaft in den letzten Jahren damit begonnen, internationale wissenschaftliche Konferenzen abzuhalten; mit dem Ziel, die eigene Expertise im Land zu verbessern und diese der Entwicklung neuer Produkte zuzuführen.

Forschung wird also zusehends ein globales Thema in Zeiten der verstärkten Internationalisierung der Wirtschaft. Diese Entwicklung wird jedoch in den westlichen Ländern durchaus auch kritisch gesehen, da man zusehends wichtige Kompetenzen an andere Länder abgibt. So sagt etwa Ronil Hira, Professor für Öffentliche Politik am Rochester Institut für Technik in den USA: „Wenn es sich herausstellt, dass du dabei bist, deine Forschung und Entwicklung auszulagern, so führt das zu einem Anstieg der Weltwirtschaft aber nicht deiner eigenen.“

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