Eine Obdachlose in Deutschland.Foto: Thomas Lohnes/Getty Images

Für Obdachlose im Winter: U-Bahnhöfe, Container, Hotelzimmer

Epoch Times24. November 2018 Aktualisiert: 24. November 2018 13:09
Die deutschen Städte versuchen mit verschiedenen Mitteln, Menschen ohne Dach über dem Kopf vor den Gefahren kalter Winternächte zu bewahren. Manchmal gibt es sogar Zusatzangebote für ihre Hunde.

Die Zahl der Obdachlosen in Deutschland wächst seit Jahren. Mit Beginn der kalten Jahreszeit haben sich die Großstädte darauf vorbereitet, diese Menschen in Not vor dem Kältetod zu bewahren.

Allein in HAMBURG leben rund 2000 Menschen auf der Straße. Das hat eine von der Stadt in Auftrag gegebene Befragung ergeben, die bislang noch nicht offiziell veröffentlicht ist. Seit 2009 hat sich die Zahl der Menschen ohne festen Wohnsitz in der Hansestadt demnach verdoppelt. Zwei von drei haben einen ausländischen Pass, die meisten kommen aus Osteuropa sowie Ländern des Baltikums und des Balkans. Im Winter gibt es für die Menschen 760 zusätzliche Übernachtungsplätze.

Auch in BERLIN ist Obdachlosigkeit in den vergangenen Jahren zu einem immer stärker sichtbaren Problem geworden. Geschätzte 6000 bis 10 000 Menschen leben dauerhaft auf der Straße. Darunter sind nach Beobachtung von Hilfseinrichtungen mehr junge Menschen als früher, mehr Frauen und auch mehr Behinderte – unter anderem 35 Rollstuhlfahrer. Als Nothilfe halten Kirchen und andere soziale Träger 1000 Plätze bereit.

In diesem Winter wollten die Berliner Verkehrsbetriebe, die traditionell zwei U-Bahnhöfe nachts als Unterschlupf für Obdachlose offenhielten, dieses Angebot aus Sicherheitsbedenken aufgeben. Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke) schritt ein: „Der Senat ist der Ansicht, dass die BVG als Landesbetrieb eine soziale Verantwortung für diese Stadt hat.“ Die Bahnhöfe bleiben offen.

Auch in FRANKFURT/MAIN spielt die U-Bahn eine wichtige Rolle. Rund 20 Jahre lang durften Obdachlose im Winter im Zwischengeschoss der Station Hauptwache in der Innenstadt übernachten. Da ab diesem Winter die U- und S-Bahnen erstmals am Wochenende auch nachts fahren, ist dies nicht mehr möglich. Die Stadt hat daher in der benachbarten Station Eschenheimer Tor Schlafplätze für Hilfsbedürftige errichtet. Für 250 000 Euro wurden Wände hochgezogen, stillgelegte Toiletten instandgesetzt und eine Heizung eingebaut. Rund 120 Menschen können dort übernachten, um 6 Uhr morgens wird der 560-Quadratmeter-Raum zu einem Café umgebaut, das bis zu 150 Obdachlose nutzen können.

Das westfälische MÜNSTER stellt von November bis März Container auf, die zusätzlichen Raum für 28 Obdachlose bieten. Es gibt bereits 130 Plätze in der Stadt. Einen anderen Weg geht Bremen: Bernd Schneider, Pressesprecher der Senatorin für Soziales, spricht von einem flexiblen System. „Das besteht aus einer Kombination von Notunterkünften und kurzfristig angemieteten Plätzen in Schlicht-Hotels.“ Man rechne mit etwa 500 bis 600 Wohnungslosen. Neu sei ein Angebot mit 28 Plätzen für Wohnungslose mit psychischen Problemen, die nicht erkennen, dass sie krank sind.

Häufig würden Obdachlose öffentliche Schlafstellen aber nicht aufsuchen, so Daniel Stumpe vom Düsseldorfer Verein „vision:teilen“. Ein großes Problem neben der Angst vor Diebstahl und Gewalt sei, dass die Hunde, ihre treuen Begleiter, meistens nicht mit in die Unterkunft dürften. „Dann schlafen sie lieber draußen im Schlafsack bei ihrem Kumpel.“ In KÖLN gibt es für die Hunde von Obdachlosen jede Nacht zehn Plätze im Kölner Tierschutzverein in Köln-Zollstock.

Doch auch abseits der großen Städte stehen Hilfsangebote bereit. Beispiel SÖMMERDA: In der 19 000-Einwohner-Stadt in Thüringen betreibt die evangelische Kirche nach Angaben einer Sprecherin eine Unterkunft für Obdachlose, das sogenannte Elisa-Bett. Dafür sei eine kleine Wohnung in der Stadt gemietet worden. „Die Resonanz war gleichbleibend in den vergangenen Jahren: Das Angebot wird pro Monat etwa ein bis zwei Mal in Anspruch genommen“, sagte die Sprecherin. Wenn das Zimmer nicht frei sei, klingelten Menschen bisweilen auch direkt beim Pfarrhaus. Sie würden dann spontan einquartiert. (dpa)


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