Wunderstatuen: Tricks oder göttliche Botschaften?

Von 2. Juli 2011 Aktualisiert: 2. Juli 2011 14:12
„Für jene die glauben, ist keine Erklärung nötig, für jene die nicht glauben, ist keine Erklärung möglich.“(Bischof Bernadette) Der französische Bischof St. Bernadette wurde im Jahr 1933 heiliggesprochen.

„Ich schließe meine Augen, Antonio, weil ich nicht sehen möchte, was in der Welt passiert. – Antonio nimm die Kamera und filme!“ Dem Kind schien es, als ob die steinerne Figur der „Jungfrau der Schmerzen“ in der Kapelle in Ispica, Sizilien, von der traurigen Süße ihres Antlitzes herab zu ihm sprechen würde. Dann öffneten sich ihre von der jahrelangen Kälte des Marmors verschlossenen Augen plötzlich. Nach der Veröffentlichung der am 18. September 1994 vom jungen Antonio aufgenommenen Bilder ging eine Schockwelle durch die katholische Welt. Der Fernsehsender Antenna Sicilia hatte nach Bestätigung der Authentizität beschlossen, die Bilder zu veröffentlichen.

Für die Dauer von fünf Sekunden schien die Jungfrau von Ispica aus ihrem ewigen Schlaf zu erwachen, um der Menschheit eine Botschaft zu übermitteln. Jene Botschaft, die besagter Antonio mit eigenen Ohren gehört hatte: „Ich schließe meine Augen, Antonio, weil ich nicht sehen möchte, was in der Welt passiert.“

Von der Gegenwart bis zurück in die Antike scheinen die „Zeichen des Himmels“ auf jeden der willens war, an sie zu glauben, wie Regen zu fallen. Sowohl die Kirche als auch die Wissenschaft warnen jedoch davor, nicht bei den kleinsten Anzeichen von möglichen Botschaften Gottes in Übermut zu verfallen. Dennoch tauchen jedes Mal, wenn eine Madonna blutige Tränen weint oder Heiligenstatuen ihren Mund bewegen, in der Gesellschaft Fragen auf: Geschehen an diesen Statuen Wunder? Handelt es sich in allen Fällen um Betrug? Wie sollen die Gläubigen auf diese Zeichen reagieren?

Wenn die Jungfrau weint

„Wir alle sind schockiert über dieses neue Wunder“, sagte eines der trauernden Mitglieder der Gemeinde in Cochabamba, Bolivien, das die Statue der Jungfrau Maria in der Kapelle „Chritus der Tränen von St. Peter“ gesehen hatte. „Es ist irgendwie ein Wunder, ich kann es mir aber nicht erklären“, erzählt eine Gläubige aus Traunstein im Chiemgau.

Die Geschichten von Statuen und Bildnissen Heiliger, die Tränen vergossen haben, sind zu einem festen Bestandteil der Religionen geworden. Jedoch wenige davon bestehen die Prüfung auf ein mögliches Wunder. Meistens sind die Tränen, die die Wangen von Jesus, Maria oder anderen Heiligen herablaufen, Betrug, der aus verschiedenen Gründen inszeniert wurde. Von der Förderung des religiösen Tourismus einer kleinen Stadt bis hin zu dem Wunsch Einzelner nach Anerkennung gibt es viele mögliche Gründe.

Laut Labortests stammte das Blut in einigen Fällen von den Besitzern der Statuen, in anderen Fällen wurde Tierblut benutzt, um Verwirrung zu stiften. Es gab Betrüger, die Kapseln mit Flüssigkeit im Inneren von Skulpturen anbrachten mit Röhren, die zu den Augen führten, um die Tränen zu erzeugen. Manchmal wurde roter Puder auf die Augenlider gegeben; wenn die Flüssigkeit damit in Kontakt kam, sah es wie Blut aus.

Das Wunder der Milch trinkenden Statuen

Ein in ganz Indien ungewöhnliches Phänomen wurde am 21. September 1995 bekannt. In Neu Delhi eilten einige Anhänger zu den Statuen des Gottes Ganesha, um bestätigt zu bekommen, worüber sie durch anonyme Telefonanrufe informiert worden waren: Die Steingötzen tranken Milch, die ihnen von Leuten mit Schüsseln und Löffeln angeboten wurde.

Jeder Hindu schaute, ob dies bei seiner eigenen Statue von Ganesha auch so war. Man musste einfach nur den Löffel an den Mund der Statue führen und die Milch begann, bis auf ein paar Tropfen weniger zu werden. Gegen Mitte des Vormittags wusste fast ganz Indien von diesem Phänomen. Zu Mittag hatte sich die Nachricht bereits außerhalb von Indien verbreitet und eifrige Hindus in Großbritannien, Kanada und Nepal berichteten ebenfalls, Zeugen dieses Wunders geworden zu sein.

Was aber passierte in Wirklichkeit mit den Skulpturen?

Nach einer kurzen Ermittlung des Ministeriums für Wissenschaft und Technologie Indiens konnten es viele Gläubige nur schwer akzeptieren: Es gab die Erklärung, dass durch das Phänomen der Kapillarität die Milch in die Mundwinkel jeder Figur fließen kann. Wenn sehr viel Milch gegeben wurde, waren die winzigen Zwischenräume im Gestein gefüllt und es konnte keine weitere Milch mehr aufgenommen werden.

Noch am Ende desselben Tages wurde die Hysterie der Hindus von Forschern ins Lächerliche gezogen. Sie gaben allen möglichen Statuen Milch, sogar Miniaturen von Disneys Micky Maus, die ebenfalls bereit waren, die Flüssigkeit zu trinken.

Was steckt hinter den Figuren?

Während Tausende gläubige Anhänger über Erklärungen nach solch „mystischen Zeichen“ verbittert sind, glauben viele religiöse Menschen, dass die Degeneration der Gesellschaft Situationen hervorbringt, die schwer zu verstehen sind, sogar für die Gläubigen.

Während des Anbetens von Bildnissen Heiliger kann das Bitten um Hilfe in persönlichen Angelegenheiten – statt des reinen Respekts und der Ehrfurcht – zu Erscheinungen führen, die als dämonische Störungen, wie sie oft von Konservativen verschiedener Religionen interpretiert wurden, missverstanden werden. Skrupellose Betrugsfälle, bei denen Heiligenbildnisse blutige Tränen geweint haben sollen, sind Beispiele, die in der christlichen Religion weithin bekannt sind. Bei den Buddha-Statuen in Asien tauchte dieses Phänomen bis jetzt nicht auf, obwohl sich Ideen in dieser Zeit rasch verbreiten. Vielleicht liegt es daran, dass seine Anhänger glauben, Buddha würde die Menschen in vollkommener innerer Ruhe betrachten.

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