Der Weg des irischen Milchpulvers nach China

Epoch Times11. November 2010 Aktualisiert: 11. November 2010 11:48
Bis heute gehört das mit Melamin verseuchte Milchpulver zu den größten und tragischsten Lebensmittelskandalen in China. Ein chinesischer Aktivist, der sich für die Opfer des Milchskandals einsetzte, ist am 10. November zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt worden.

„Ich werde mein Bestes tun. Das Milchpulver sollte nach zwei Tagen ankommen. Wenn es nicht mehr anders geht, lasse ich Tang Ye das Milchpulver persönlich in zwei Tagen nach China bringen“, sagte die junge Mutter Wang Jun am Telefon zu ihrer Mutter. Nachdem dieses Telefonat beendet war, rief sie direkt ihren Mann Tang Ye an und fragte ihn besorgt: „Was sollen wir machen? Die Babynahrung für unsere Tochter ist immer noch nicht da.“

Dieses junge Ehepaar war zum Studium in einer Sprachschule in Irland. Um ihr Studium zu finanzieren, arbeiteten sie in einem Großteil ihrer Freizeit. Sie wurden am Anfang des Jahres Eltern. Aber aufgrund des großen Drucks im Studium und bei ihrer Arbeit mussten sie ihre Tochter zur Großmutter nach China zurückbringen, als das Kind drei Monate alt geworden war.

Als Chinesen in Ausland waren sie gut informiert und wollten ihrer Tochter kein chinesisches Milchpulver zu essen geben. Sie waren entsetzt über die Fälle in China, bei denen Kinder aufgrund des mit Melamin verseuchten Milchpulvers „großköpfige Kinder“ oder „Kinder mit Nierensteinen“ geworden sind oder sogar eine vorzeitige Reife mit wachsenden Brustdrüsen erlangt haben.

Deshalb kaufte die Ehefrau Wang Jun häufig Milchpulver im irischen Supermarkt und schickte es per Post nach China. Obwohl es sehr mühsam für die zierliche junge Mutter war, so viele große Milchpulverdosen zu schleppen und einen langen Weg mit dem Bus zu fahren, um sie bei der Post im Stadtzentrum verschicken zu können, fand sie, dass es die Sache wert wäre. Sie hatte dabei ein sicheres Gefühl für die Gesundheit ihrer Tochter. Allerdings ist dieser Weg in die Sicherheit seit einiger Zeit versperrt.

Der Zugriff des Regimes

Ab dem 1. September 2010 wurden von den chinesischen Behörden neue Regelungen über die Einfuhrbestimmungen für privat verschickte Waren in Kraft gesetzt. Dabei werden alle Waren, deren Zoll mehr als 50 Yuan beträgt [etwa 5 Euro], nach dem vollen Wert der Waren verzollt. Früher lag der Freibetrag bei 500 Yuan. Gleichzeitig wurde die Warenkontrolle vom chinesischen Zollamt verschärft.

Kurz nach Einführung dieser Regelung wurde Frau Wang von ihrer Mutter in China informiert, dass ihr Milchpulver zwar in China angekommen war, aber dass das Zollamt es wegen der neuen Regel nicht freigeben konnte. Ihnen wurden zwei Möglichkeiten angeboten, entweder sollte das Milchpulver nach drei Monaten vernichtet werden oder es würde zurück nach Irland geschickt. Frau Wang hat die zweite Möglichkeit gewählt. Nun war passiert, worüber sie sich am meisten Sorgen gemacht hatte, nämlich dass ihre Tochter nichts Unbedenkliches mehr als Babynahrung hatte. Schnell war ihr Mann persönlich auf dem Weg nach China, nur diesmal befanden sich in seinem Koffer keine Geschenke mehr, sondern Milchpulver.

Gleichzeitig gab es heftige Diskussionen in chinesischen Internetforen in Irland. Es gab viele Chinesen, die ähnliche Erfahrungen gemacht hatten. Sie kritisierten nicht nur die verschärften Kontrollen und die neue Regelung, sondern tauschten auch Methoden aus, wie man trotz der neuen Regeln seinem Kind Milchpulver schicken könnte.

Mittlerweile wurde Frau Wang eine Spezialistin für den Versand von Milchpulver nach China. Sie gab Tipps wie: „Wenn man von Irland Milchpulver nach China verschickt, darf man beim Ausfüllen des Formulars kein Milchpulver eintragen, sondern sollte falschen Angaben wie Reispulver oder Alltagsgegenstände machen. Über den Preis darf man nicht zu viel schreiben und auch bei der Anzahl der Dosen muss man aufpassen. Nicht zu viel auf einmal. Heutzutage sind 20 Dosen auf einmal unmöglich.“ Obwohl es offensichtlich ist, dass es kostengünstiger ist, je mehr an Waren man auf einmal versendet, schickte sie jetzt nur noch zwei Dosen in einem Paket. „Jetzt ist der Preis unwichtig“, sagt sie, „man sollte die Waren sogar zu mehreren Adressen schicken, damit eine sichere Ankunft gewährleistet wird.“

Milchpulververkauf per Internet

In China gibt es inzwischen einen neuen Markt per Internet für die saubere Babynahrung. Wenn Herr Wang nicht schon fünf Jahre in Irland verbracht hätte, wäre er vielleicht nicht auf die Idee gekommen, irisches Milchpulver zu kaufen. Kurz nachdem sein Sohn auf die Welt gekommen war, musste seine Frau wieder arbeiten gehen und deshalb musste das Kind mit Milchpulver ernährt werden. Aber als Vater hatte Herr Wang Angst vor chinesischem Milchpulver. Er erinnerte sich an die grünen Berge und klaren Seen in Irland und beschloss, irisches Milchpulver für seinen Sohn zu besorgen. Ein paar Freunde von ihm waren noch in Irland. Er bat sie per E-Mail darum, ihm Milchpulver zu schicken. Sie waren gute Freunde und haben ihm sofort Milchpulver zugeschickt.

Als sein Kind einundeinhalb Jahre alt wurde, gab seine Frau ihren Job auf und sie kamen auf die Idee, Milchpulver im Internet zu verkaufen. Ein guter Freund von Herrn Wang war in Irland und kümmerte sich um den Einkauf der Waren. Herr Wang wollte ihn dafür bezahlen, aber sein Freund hat es abgelehnt. Er meinte, dass ihm die Paar Euro egal wären, er wolle nur helfen.

Herrn Wang verkaufte das irische Milchpulver für 200 Yuan [20 Euro] pro Dose und ließ beim Preis nicht mit sich handeln. Laut Internetinformationen verkaufte er durchschnittlich 24 Dosen Milchpulver pro Monat. Seine Kunden setzten sich aus drei Gruppen zusammen. Die erste Gruppe waren seine Bekannten. Sie wussten über die Herkunft des Milchpulvers Bescheid und kauften es auch zu einem höheren Preis. Die zweite Gruppe waren Freunde von seinen alten Kunden, die aufgrund der Vorschläge ihrer Bekannten gekommen waren. Die dritte Gruppe war zufällig darauf gestoßen und blieb treue Kunden, nachdem sie das Milchpulver getestet hatte. Eigentlich verkaufte er das Milchpulver nicht nur über das Internet. Alle seine Verwandten, Freunde und Nachbarn wussten Bescheid, dass er gutes Milchpulver verkaufte. Es kam vor, dass sie zu ihm kamen und auf einmal zwei Kisten kauften.

Herr Wang meinte, dass sein Rekord für den Milchpulververkauf bei acht Kisten pro Monat läge und dass man damit nie reich werden könne. Es sagte, dass er dieses Milchpulver nur deshalb verkaufe, weil es etwas Gutes sei.

Es gibt genügend Menschen, die durch Verkauf von ausländischem Milchpulver reich geworden sind. Nach der Dokumentation eines Internetversands wurden beispielsweise bei einem Verkäufer, der Milchpulver aus dem Ausland verkaufte, innerhalb eines Monats mehr als 6000 Dosen Milchpulver verkauft. Bei einem Betrag von 200 Yuan pro Dose, lag der Umsatz eines solchen Händlers im Bereich von mehreren Millionen pro Jahr. Es ist auch zu betrachten, dass Milchpulver aus Irland nicht die am häufigsten gekaufte ausländische Milchpulversorte in China ist. Nach einer Internetstatistik war das niederländische Milchpulver die beliebteste Sorte.

Bezüglich der neuen Zollbestimmungen meinte Herr Wang, dass diese neuen Regeln ein Zeichen dafür sind, dass sich die chinesische Regierung am Gewinn dieser Geschäfte bereichern wollte. „Das Portemonnaie des Volkes ist immer das Hauptinteresse der Partei. Wie kann die Partei bei einem so großen Geschäft nicht neidisch sein! In China sind so viele Fälle giftigen Milchpulvers vorgekommen. Wer möchte noch chinesisches Milchpulver kaufen? Welche Eltern lieben ihre Kinder nicht? Deshalb muss die Partei, wenn sie chinesisches Milchpulver fördern möchte, die Einfuhr ausländischen Milchpulvers behindern und die Menschen dazu zwingen, das giftige Milchpulver zu kaufen. Aber die Menschen finden immer einen Ausweg. Keine Regel der Regierung kann unsere Entschlossenheit verringern, unseren Kindern kein giftiges Milchpulver zu geben.“

Der größte Lebensmittelskandal in China

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Bis heute gehört das mit Melamin verseuchte Milchpulver zu den größten und tragischsten Lebensmittelskandalen in China. Melamin ist ein chemisches Industrieprodukt, das den Eindruck hervorruft, dass die Milch einen hohen Proteingehalt hat. Das Milchpulver wurde in ganz China verkauft. Zehntausende von Kindern zogen sich im Jahr 2008 dadurch Nierenerkrankungen zu. Mehrere Babys starben an Nierenversagen.

Ein chinesischer Aktivist, der sich für die Opfer des Milchskandals einsetzte, ist am 10. November zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Zhao Lianhai gründete eine Unterstützergruppe für Eltern, deren Kinder durch verseuchte Milch krank geworden waren, wie sein Anwalt mitteilte. Das Gericht habe die nun verhängte Gefängnisstrafe damit begründet, der Aktivist habe soziale Unruhe geschürt. (red)