Am 30. Juni 2020 stehen die Menschen in einer Teststation in Peking Schlange, um sich einem COVID-19-Abstrich-Test zu unterziehen.Foto: GREG BAKER/AFP über Getty Images

Geleakte Dokumente: Behörden verschleiern Daten des erneuten Virusausbruchs in Peking und Hebei

Von 1. Juli 2020 Aktualisiert: 1. Juli 2020 15:22
Das wahre Ausmaß des erneuten Ausbruchs von COVID-19 wird von örtlichen Behörden in China geheim gehalten – dies belegen interne Dokumente. Seit Mitte Juni ist das Virus wieder da – diesmal in Peking. Aber auch die Provinz Hebei ist erneut betroffen.

Die Pekinger Behörden haben die Zahl der diagnostizierten Patienten zu niedrig angegeben, wie aus durchgesickerten Dokumenten des einzigen Krankenhauses der Stadt hervorgeht, das für die Behandlung von COVID-19-Patienten vorgesehen ist.

Die Stadt behauptet, dass der Ausbruch der zweiten Welle unter Kontrolle sei und dass eine einzige Einrichtung ausreichen würde. Epoch Times hatte jedoch zuvor Dokumente der Stadtverwaltung erhalten, aus denen hervorging, dass die Gesundheitsbehörden in Erwartung eines Anstiegs der COVID-19-Patienten von den örtlichen Krankenhäusern die Bereitstellung zusätzlicher Betten verlangten.

Daten über die lokalen Ausbrüche sollen geheim gehalten werden

Darüber hinaus wurde in einem Dokument einer Bezirksregierung in der nahe gelegenen Provinz Hebei betont, dass Informationen über die lokale Epidemie geheim gehalten werden sollten. Die vertraulichen Dokumente stammen aus einer vertrauenswürdigen Quelle mit Zugang zu Regierungsdatenbanken.

Öffentlich bestätigten die Behörden in Hebei keine neuen Infektionen, verhängten aber Sperrmaßnahmen für etwa eine halbe Million Einwohner.

Unterdessen gaben die Behörden weitere Patienten mit dem Virus in Peking bekannt. Um die Verbreitung des Virus zu verhindern, führte die Stadtverwaltung eine Reihe strenger Regeln ein.

Die Gesundheitskommission der Stadt Peking erklärte in einem internen Dokument vom 24. Juni: „Alle Patientenzimmer [in Krankenhäusern] müssen 24 Stunden am Tag verschlossen sein … Abgesehen von notwendigen Diagnose- oder Behandlungszwecken dürfen die Patienten den Patientenbereich nicht verlassen.“ Die Kommission fügte hinzu, dass zur Zeit die Patienten in Krankenhäusern keine Besucher empfangen dürfen.

Das Pekinger Medizinische Notfallzentrum, eine Abteilung der Gesundheitskommission, erklärte in einem internen Dokument vom 22. Juni, dass medizinisches Personal aus Peking, welches zur Unterstützung nach Hubei gereist war, vorerst nicht nach Peking zurückkehren darf. Das Personal ist zur Unterstützung nach Hubei gereist. Darüber hinaus müssen die Schüler in der Schule jeden Morgen, Mittag und Nachmittag ihre Körpertemperatur überprüfen.

In den Berichten werden die Zahlen zu niedrig gehalten

Xu Hejian, Sprecher der Pekinger Stadtregierung, sagte auf einer Pressekonferenz am 30. Juni, dass die Gesamtinfektionen in dieser zweiten Ausbruchswelle 325 diagnostizierte Patienten und 27 symptomlose Träger hätten. Diesmal begann die Verbreitung nach Angaben der Behörden Mitte Juni.

Doch Ma Yanfang, Leiterin der medizinischen Abteilung des Ditan-Krankenhauses in Peking, räumte in einem Interview mit der staatlichen Zeitung „Health News“ ein, dass die 300 Betten der Einrichtung für Viruspatienten nicht ausreichten.

Am 18. und 19. Juni verlegte das Ditan-Krankenhaus alle seine Nicht-COVID-Patienten in andere Krankenhäuser und behandelt seither nur noch COVID-Patienten.

Epoch Times erhielt vom Ditan-Krankenhaus interne Dokumente, die die tägliche Zusammenfassung der Nukleinsäuretestergebnisse für mehrere Termine im Juni enthielten.

Am 19. Juni testete das Krankenhaus zum Beispiel 773 Personen, und 246 von ihnen waren positiv. Der Bericht stellte fest, dass diese 246 Patienten alle im Krankenhaus behandelt wurden.

Die Gesundheitskommission in Peking gab jedoch nur 22 neu diagnostizierte Patienten für den 19. Juni bekannt, mit einer Gesamtzahl von 205 Infektionen seit dem 11. Juni.

Die Stadt Peking erklärte am 14. Juni, dass 79 medizinische Einrichtungen in der Stadt einen COVID-19-Test durchführen würden. Da das Ditan-Krankenhaus allein über mehr positive Diagnosen verfügt als offiziell überhaupt angegeben werden, ist die wahre Zahl der Diagnosen für die gesamte Stadt wahrscheinlich weitaus höher – angesichts der Wahrscheinlichkeit, dass an anderen Testorten mehr positive Ergebnisse erzielt werden.

Unstimmigkeiten bei den angegebenen offiziellen Daten

Einem anderen internen Bericht zufolge verzeichnete das Ditan-Krankenhaus am 17. Juni, dass in seiner Ambulanz von 288 Personen 26 positiv auf COVID-19 getestet wurden. Drei weitere wurden als symptomlose Überträger bezeichnet – die chinesischen Behörden zählen sie in einer gesonderten Liste.

In seiner stationären Abteilung diagnostizierte das Krankenhaus am 17. Juni 83 COVID-Patienten, das heißt, das Krankenhaus diagnostizierte an diesem Tag insgesamt 109 COVID-positive Patienten.

Die Stadt gab jedoch nur 21 neu diagnostizierte Patienten für den 17. Juni bekannt.

Andere Berichte, die Epoch Times erhielt, zeigten nur Daten für die stationäre Abteilung: 15 positive Patienten am 13. Juni, 27 positive am 14. Juni, 27 positive am 15. Juni und acht positive am 18. Juni.

Die Behörden gaben bekannt, dass die Stadt insgesamt 36 bestätigte Diagnosen am 13. Juni, 36 am 14. Juni, 27 am 15. Juni und 25 am 18. Juni hatte. Da wahrscheinlich allein aus der Ambulanz von Ditan mehr positive Befunde zu verzeichnen waren, hat die Stadt wahrscheinlich auch zu wenig Daten für diese Zeitpunkte gemeldet.

Tests in großem Umfang

Die Stadt begann damit, von bestimmten Einwohnern Nukleinsäuretests zu verlangen, darunter diejenigen, die kürzlich den Lebensmittelmarkt von Xinfadi besuchten, wo die Behörden die Quelle des jüngsten Ausbruchs zugeschrieben haben. 

Die Anwohner beschwerten sich über die Tests. Ein Wanderarbeiter in Peking, der in seine Heimatstadt zurückkehren wollte, unterzog sich am 24. Juni einem Test. Die Behörden hindern die Menschen daran, Peking zu verlassen, es sei denn, sie haben ein negatives Nukleinsäuretestergebnis innerhalb der letzten sieben Tage.

Der Arbeiter sagte der chinesischsprachigen Epoch Times in einem Telefoninterview, dass er das Testergebnis am 27. Juni noch nicht erhalten habe und im Bahnhof schlafen müsse, bis das Testergebnis da ist.

Er ist besorgt. Wenn das Krankenhaus, in dem er getestet wurde, das Ergebnis nicht innerhalb von sieben Tagen schicken würde, würde das Testergebnis verfallen und er müsste noch mal das ganze Prozedere wiederholen.

Der Pekinger Wang Tianhe sagte, dass er am 22. Juni einen Test gemacht habe, aber am 27. Juni war sein Ergebnis immer noch nicht da. Wang braucht das Testergebnis, um weiterhin arbeiten zu können.

Die Behörden haben von Arbeitnehmern in bestimmten Berufen wie Restaurants und Kurierdiensten verlangt, ein negatives Nukleinsäuretestergebnis vorzuweisen, bevor sie zur Arbeit gehen.

Lockdown in Anxin, Provinz Hebei

Die Provinz Hebei umgibt die Hauptstadt Chinas. Nach dem erneuten Ausbruch des Virus im Juni hat Hebei seitdem nur noch 12 diagnostizierte Patienten in der gesamten Provinz bekannt gegeben. Für den 27. Juni meldete die Provinzregierung keine Neuinfektionen, sperrte jedoch den Bezirk Anxin ab, um die Ausbreitung des Virus zu verhindern.

Die staatliche Agentur „Xinhua“ berichtete, dass alle Einwohner von Anxin zu Hause bleiben müssen. Ausnahmen sind Schwerkranke, die in Krankenhäusern behandelt werden müssen, oder Arbeiter, die die Sperrvorschriften durchsetzen. Nur eine Person aus jedem Haushalt darf einmal pro Tag einkaufen gehen, um Grundbedürfnisse zu decken.

Offiziellen Statistiken aus Hebei zufolge hatte Anxin im Jahr 2018 etwa 458.000 Einwohner. Die lokalen Behörden haben trotz strenger Maßnahmen Stillschweigen über den Ausbruch bewahrt.

Epoch Times erhielt ein internes Dokument, welches von der Regierung des Bezirks Anxin am 13. Juni herausgegeben wurde. Aus dem Dokument geht hervor, dass allen Beamten vor Ort befohlen wurde, die öffentliche Meinung streng zu kontrollieren und keine Informationen über den Ausbruch preiszugeben. „Alle Informationen bezogen auf den Ausbruch dürfen nur von der Provinzregierung veröffentlicht werden“, hieß es in dem Dokument.

Aus einer anderen Reihe interner Dokumente, die Epoch Times erhielt, ging hervor, dass die Provinz Hebei ebenfalls groß angelegte Tests an Einwohnern angeordnet hatte.

In einer Mitteilung vom 24. Juni forderte die Provinzregierung, dass „wichtige Gruppen“ innerhalb von drei Tagen zweimal getestet werden sollten. Zu diesen Gruppen gehören Lehrer, Studenten, neue Patienten in jedem örtlichen Krankenhaus, Menschen, die vor kurzem in Hebei eingetroffen sind, und Menschen, die in einem Umfeld arbeiten, wo Arbeitnehmer eng zusammenarbeiten.

Der Originalartikel erschien in The Epoch Times USA (deutsche Bearbeitung von sza)
Originalfassung:
Authorities Covered up Severity of Virus Resurgence in Beijing and Nearby Province: Leaked Documents



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