Mehr Überwachung durch „Voiceprints“ befürchtet: Chinas neue Identifikationstechnologie sorgt für Kritik

Epoch Times9. April 2018 Aktualisiert: 9. April 2018 21:22
Chinas Regierung hat eine Spracherkennungstechnologie entwickelt, das die Stimme mit der Identität einer Person verknüpft. Eine neue Form der Überwachung?

China hat ein neues Spracherkennungssystem entwickelt, das die Sprachmerkmale der Sprecher mit ihren Identifikationsinformationen verbindet, um eine Datenbank mit „Voiceprints“ aufzubauen.

Das System wird nach Angaben der staatlichen chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua zur Authentifizierung der Identität von Menschen im Internet sowie in den Bereichen medizinische Versorgung, Bildung, Finanzdienstleistungen, Transport und Tourismus eingesetzt.

Der Bericht besagt, dass das System bereits in Gui’an New District, Provinz Guizhou, im Einsatz ist. Die Behörden von Guizhou haben mit einem Forschungsinstitut der Tsinghua-Universität und dem in Peking ansässigen Technologieunternehmen d-Ear Technologies zusammengearbeitet, um die Cloud-Technologie zu entwickeln.

Die Spracherkennung funktioniert, indem sie die Eigenschaften der Stimme des Sprechers analysiert, um den Sprecher zu identifizieren. Chinesische Behörden sagen, dass die Technologie für die Authentifizierung nützlich sei, wenn die Internet-Identitäten von Menschen gestohlen werden oder private Informationen preisgegeben werden. Laut Xinhua ist die Technologie benutzerfreundlicher als andere Biometrietechnologien und wirkt wie ein Passwort, das man sich nicht merken muss.

Kritiker befürchten mehr Überwachung

Kritker befürchten jedoch, dass diese Technologie eine weitere Methode für die chinesische Regierung ist, um die Öffentlichkeit zu überwachen.

„Die kommunistische Partei Chinas hat keine Mühen gescheut, um die Menschen mit fortschrittlichen wissenschaftlichen und technologischen Mitteln zu überwachen“, sagte Mao Xiaoming, ein Rechtsaktivist und ehemaliger Fernsehredakteur in der Provinz Shaanxi. „Welche neuen Methoden auch immer entwickelt werden, sie zögern nicht, große Mühen auf sich zu nehmen, große Summen zu investieren oder sogar spezialisierte Agenturen zu gründen [für den Einsatz neuer Technologien].“

Chinas Great Firewall ist ein Paradebeispiel. Bereits 1998 hatte das chinesische kommunistische Regime Technologien entwickelt und ganze Agenturen wie die Cyberspace Administration geschaffen, um Inhalte im chinesischen Internet zu überwachen und zu zensieren. Nach Schätzungen von Heng He, einem Kommentator der chinesischen Politik, hat Chinas Regierung bisher mindestens 100 Milliarden Yuan und möglicherweise bis zu 600 Milliarden Yuan (etwa 15,9 bis 95,5 Milliarden Dollar) für die Aufrechterhaltung dieser Zensur ausgegeben.

Chinas Überwachung ist facettenreich

Die chinesische Regierung nutzt eine Vielzahl von Mitteln, um die Bürger zu überwachen. Neben der Spracherkennung gibt es Gesichts- und Pupillenerkennung, Fingerabdruckscans und DNA-Proben, die die weltweit größte DNA-Datenbank bilden.

Die Gesichtserkennungstechnologie, von der das Regime sagt, dass sie den Menschen „Komfort“ bringe, wird auch dazu benutzt, sie zu überwachen. Dissident Li Xuewen wurde letztes Jahr von zwei Zivilpolizisten verhaftet, als er den Bahnhof von Guangzhou verließ. Dies geschah mithilfe von Sicherheitskameras, die Gesichtserkennungstechnologie einsetzten.

Yang Zhengwei, ein Menschenrechtsaktivist in der Provinz Guizhou, ist besorgt, dass die Technologie zur Überwachung von Dissidenten, Petenten, Aktivisten und religiösen Gruppen eingesetzt werden wird. „Die persönliche Sicherheit wird nicht geschützt. Es wäre sehr einfach, seine Identität preiszugeben“, sagte er.

Der in China lebende Kognitionswissenschaftler Wayne Yang sagte im Oktober 2017 zu The Epoch Times: „Es bedeutet, dass die Menschen es nicht wagen werden, an bestimmten Orten beiläufig zu reden. Wenn jemand einige sensible Schlüsselwörter sagt, kann es den Behörden erlauben, die Person schnell zu erfassen und ihre Identität zu kennen. Dann wird der private Raum der Menschen stark reduziert.“

Das Original erschien in der englischen EPOCH TIMES (deutsche Bearbeitung von tp).

Originalartikel: China Gathers ‘Voiceprints’ for New Identification Technology, Raising Privacy Concerns

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