Erforschung von Welkriegs-Wracks soll bei Produktion von „grüner Energie“ helfen

Epoch Times21. April 2018 Aktualisiert: 21. April 2018 13:05
Kriegsschiffswracks wie die USS Juneau, die Paul Allen und sein Team im Pazifik entdeckt haben, sind sowohl für Militärhistoriker als auch für die breite Öffentlichkeit von großem Interesse.

Die USS Juneau wurde im November 1942 von einem japanischen Torpedo vor den Salomon-Inseln getroffen. Das Schiff sank mitsamt der 687 Mann starken Besatzung bis in eine Tiefe von 4 Kilometern auf den Meeresboden. Allens Entdeckung bietet einen äußerst wertvollen Einblick in das Schicksal des Schiffes und seiner Besatzung.

Unzählige Wracks liegen noch immer auf dem Grund des Meeres

Viele solcher Wracks liegen in tiefen, relativ klaren Gewässern. Sie sind das Erbe von Seeschlachten, die weit draußen auf dem Meer ausgetragen wurden.

Einige der Technologien und Methoden, die zur Lokalisierung und Identifizierung solcher Standorte verwendet werden, kommen nun auch in den flacheren, sedimentreicheren britischen Gewässern für ähnliche Zwecke zum Einsatz.

Während der Weltkriege verließ sich Großbritannien stark auf Schiffskonvois, um das Volk über gut etablierte Seewege an wichtigen Häfen wie Liverpool, Cardiff und Bristol zu versorgen.

Aber diese geschäftigen See-„Korridore“ waren auch den feindlichen Truppen bekannt. So waren die Verluste durch deutsche U-Boot-Angriffe, Minen und Kollisionen aufgrund von erzwungenen „Blackouts“ in der Irischen See in beiden Konflikten signifikant. Insgesamt gibt es mehr als 200 solcher Wrackorte in Wales, von denen viele noch nicht im Detail untersucht wurden.

Seit 2014 sind die Wissenschaftler der School of Ocean Sciences an der Universität Bangor ein Teil des SEECAMS-Projektes zur Untersuchung des Meeresbodens. Mit der modernsten Multibeam-Sonar-Technologie an Bord ihres Forschungsschiffes versuchen sie, Schiffe aus beiden Weltkriegen zu orten und zu überwachen.

Und in der Irischen See gibt es jede Menge davon, sagt Michael Roberts, SEACAMS R&D Project Manager von der Universität Bangor.

Wie es funktioniert

Während sich das Forschungsschiff durch das Wasser bewegt, erzeugen die modernen Multibeam-Sonar-Systeme hochauflösende, dreidimensionale Modelle des Meeresbodens. Je nach Bedingungen und den verwendeten spezifischen Systemen können diese Modelle Vermessungsingenieuren und Wissenschaftlern ermöglichen, Objekte im Zentimeterbereich zu erkennen.

In Wassertiefen von 100 Metern erzeugen Forscher so Modelle und Bilder von Wracks, die Meeresarchäologen helfen können. Durch die Aufnahmen lassen sich die Wracks gut identifizieren. Außerdem können sie Beweise liefern, was zu ihrem Sinken geführt hat.

Foto: Das lokalisierte Wrack des britischen Dampfschiffes SS Apapa. Versenkt: 1917 durch ein deutsches U-Boot.

Bisher wurden mehr als 70 einzelne Standorte untersucht. Die Forscher erwarten, dass mit dem Projekt in diesem Jahr rund 100 neue Wracks dazu kommen.

Während diese Kriegsrelikte wertvolle Informationen für Historiker und Archäologen liefern können, können sie auch zur Entstehung einer neuen Industrie beitragen. Die gesammelten Daten liefern Wissenschaftlern einzigartige Einblicke in die Auswirkungen auf physikalische und biologische Prozesse im Ozean.

Diese Informationen werden nun vom Bereich für maritime erneuerbare Energien (MRE) genutzt, um die Vorhaben des maritimen Sektors für erneuerbare Energien durch Forschungs- und Entwicklungsprojekte in Nordwales umzusetzen.

Schiffwracks zur Erforschung von erneuerbaren Energien

Eine Reihe von MRE-Projekten, von denen einige geplant und einige bereits im Gange sind, zielen darauf ab, die ausgezeichneten Wellen- und Gezeitenressourcen in Wales zu nutzen, um eine nachhaltige Energieversorgung zu schaffen.

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Um dies zu unterstützen, nutzen die Wissenschaftler in Bangor jetzt Schiffswracks als Modelle. So können sie vorhersagen, was passiert, wenn wichtige MRE-bezogene Infrastruktur wie Fundamente, Turbinen und Kabel an verschiedenen Orten auf dem Meeresboden platziert werden.

Foto: Sonaraufnahmen des Wracks des deutschen U-Bootes SM U 87.

Weiterhin geben die Wracks Aufschluss darüber, wie die Gezeiten und Strömungen Sedimente abgelöst oder deponiert haben. Auch lässt sich an ihnen ablesen, wie die Anwesenheit dieser Strukturen die Prozesse auf dem Meeresboden beeinflusst.

Ein weiterer Aspekt ist die Erhaltung von Artenvielfalt in Küstenbereichen und Ozeanen. So untersuchen die Wissenschaftler, wie diese Strukturen als künstliche Riffe fungieren können. So soll die Anzahl der Fische in einem bestimmten Gebiet erhöht sowie Wale, Delfine und Tauchvögel angezogen werden.

Der wohl bedeutendste Aspekt ist jedoch der Erhaltungszustand der Wracks und mögliche Folgen. Während sich der Erhaltungszustand der Wracks im Laufe der Zeit verschlechtert, können Spezialisten beobachten, ob und wie diese Überreste letztendlich ein Risiko für die Verschmutzung der Gewässer darstellen können.

Tief schauen

Wie bei den laufenden Forschungen im Südpazifik ist auch die Forschung in der Irischen See von dem Wunsch getrieben, unser Verständnis der vergangenen Konflikte zu verbessern.

Das Projekt „Gedenken an dem vergessenen U-Boot-Krieg an der walisischen Küste“ (1914-18) wird von der Königlichen Kommission für Antike und historische Monumente in Wales in Zusammenarbeit mit der Universität von Bangor und der Nautical Archaeology Society geleitet.

Es zielt darauf ab, die Tatsache hervorzuheben, dass nicht alle Schlachten und Verluste des Ersten Weltkrieges entlang der Westfront stattfanden. Tatsächlich tobten viele in Sicht- und Hörweite der britischen Küste.

Auch waren es nicht nur nationale Vorfälle. Viele der versenkten Schiffe gehörten den Briten, Franzosen, Iren, Norwegern, Portugiesen und Russen, mit Besatzungen aus aller Welt. Darunter befindet sich ebenso ein erheblicher Teil an deutschen Schiffen, die hier versenkt wurden.

Foto: Das britische Schlachtschiff HMS Audacious sank 1914, nachdem es auf eine deutsche Mine aufgelaufen ist.

Forschungen lösten bislang viele Geheimnisse

Bei den bislang untersuchten Wracks in der Irischen See stellten sie fest, dass 40% der Schiffe in Karten und Schaubildern falsch identifiziert wurden. Mithilfe der detaillierten Modelle der Sonartechnik sowie Schiffsarchiven, Werftaufzeichnungen und ein wenig Detektivarbeit hoffen die Forscher sicherstellen zu können, dass diese Fehler korrigiert werden.

Zudem versprechen sie sich von dem Projekt, den genauen Ort der versenkten Schiffe finden zu können. Dies soll ein viel klareres Bild davon geben, was sich momentan noch am Meeresboden befindet und was die Wracks über ihre Vergangenheit Preis geben.